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Archiv für Juni 23rd, 2011

Der Architekt als Erfinder

Im besten Fall ist Architektur kein Ornament, sondern ein konstruktiver Versuch, Lebensräume mit den Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Technik zu gestalten. Als soziales Instrument, als ökologische Vision oder als raumökonomische Gestaltung.

Viele der interessantesten Architekten des 20. Jahrhunderts haben sich der Form über die Funktion genähert. Etwa Jean Prouvé, ein Pionier der Fertigbauweise, der als Konstrukteur teilweise vorgefundene Industriebauteile für seine seriellen Bauten zweckentfremdete. Oder Egon Eiermann, bei dem die fließenden Grenzen zwischen Ingenieurbau und Architektur auch neue ästhetische Maßstäbe setzten.

Einer, der sich zeitlebens jeder Festlegung entzog, war Richard Buckminster Fuller (1895-1983). Die Liste der von ihm ausgeübten Berufe ist lang: Er war Mathematiker und Dichter, Kartograf und Lehrer – aber bekannt wurde er als Architekt der „geodätischen Kuppeln“. Sphärische Kugeln, deren Binnenstruktur aus Dreiecken gebildet wird. So lassen sich mit einem leichten Metalltragwerk große Volumen transparent überspannen.

Von Richard Buckminster Fuller gelernt und dessen letzten zwölf Lebensjahre mit ihm zusammengearbeitet, hat der Architekt Lord Norman Foster. Er kuratierte gemeinsam mit Luis Fernández-Galiano die Ausstellung, die noch bis zum 18. September im Marta Herford zu sehen ist. In der großen Werkschau sind nicht nur seine Raumkonzepte zu sehen, sondern auch erstmals der Nachbau seines legendären stromlinienförmigen Dymaxion Cars – einer Großraumlimousine, die vor dem 2. Weltkrieg entstand.

Foto: Marta Herford

Ein Marschflugkörper = 15 Fertighäuser

Stammtisch-Thesen müssen einfach sein, sie müssen ja auf einen Bierdeckel passen. Umso mehr wundert es mich, dass im Laufe eines zehn Jahre währenden sinnlosen Krieges in Afghanistan noch niemand auf die Idee gekommen ist, eine überaus simpel gedachte nicht-militärische Strategie ins Gespräch zu bringen.

Prämisse:

Es ist nicht ganz einfach, realistische Zahlen über den Afghanistan-Einsatz der ISAF-Truppen seit 2001 zu recherchieren. Vorsichtige Schätzungen gehen von einer Billion Euro aus. Dauerhafte Stabilität ist dennoch nicht in Sicht. Es wird Zeit, den Konflikt mit künstlerischen Mitteln zu lösen.

Bierdeckelrechnung:

Ein preiswertes Fertighaus (Niedrigenergiestandard, einfache Ausstattung) ist für ca. 70.000 Euro zu haben. Für die gesamten Kriegskosten wäre es also durchaus möglich gewesen, alle knapp 30 Millionen Afghanen mit formschönen Fertighäusern zu versorgen. Da Wohlstand die Bereitschaft zu bewaffneten Auseinandersetzungen bekanntlich stärker senkt als militärische Interventionen, wäre die Region längst befriedet.

Unter Einbeziehung der Fertighaus-Branche wäre es sogar möglich gewesen, Afghanistan zu einer südasiatischen Musterhaus-Siedlung auszubauen, die an den Wochenenden auch pakistanische Besucher von diesem Modell überzeugt hätte.

Vision:

Mit ähnlichen Ideen ließe sich auch der Nahost-Konflikt lösen. Jerusalem etwa würde zum Schauplatz einer „Ökumenta“ – einem Themenpark der Religionen. Christentum und Islam könnten hier beispielhaft in „Erlebniswelten“ (ja – ich kann auch billig) präsentiert werden. Nicht die Unterschiedlichkeit der Religionen wird zum Thema, sondern ihr gemeinsamer Markenkern: Die Spiritualität und der Wellnessgedanke würden Besucher aus aller Welt locken.

Aber auf mich hört ja wieder keiner.

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