Zum Inhalt springen

Archiv für Juni 28th, 2011

Wunder

Wunder passieren nicht. Sie begegnen Dir pausenlos. Die Kunst ist es, im entscheidenden Augenblick genau hinzusehen.

Pragmatismus

Wenn die Luft raus ist, kann man es besser wegpacken.

Ergebnisse des Architekturwettbewerbs

Architekturrenderings: Peter Breuer

Gehirn und Kochen

Vor über zwei Millionen Jahren verdoppelte sich die Größe des menschlichen Gehirns im Vergleich zu unseren Primatenkollegen. Gebracht hat das erstmal nichts, weil es unsere Spezies vorzog, weiterhin mit Steinen nach Tieren zu werfen und deren Fleisch roh und ohne Gemüsebeilage vom Knochen zu nagen.

Erst die Erfindung des Kochens vor 150.000 Jahren, sagt der Biologe Philipp Khaitovich [Genome Biology 2008, 9:R124], habe mit der optimierten Nährstoffversorgung ein paar raffiniertere Programme auf die große Festplatte gespielt. Bessere Werkzeuge und schicke Klamotten wurden erfunden und künstlerische Fertigkeiten entwickelten sich. Vermutlich waren es Formen früher Tellerdeko und die Frage, ob eine einzelne Kapstachelbeere neben einem Wildschwein nicht lächerlich wirkt.

Inzwischen hat die Evolution ihren Höhepunkt erreicht. Unser Gehirn ist in der Lage, Webadressen von Sushi-Lieferdiensten problemlos abzuspeichern. Selbst im Bioladen werfen anthroposophische Frauen in bodenlangen Filzgewändern Convenience-Food in Demeter-Qualität in die Einkaufskörbe. Das Kochen verschwindet, es ist eine Entwicklung zurück zu unseren Wurzeln: Wir ziehen uns kalte Fische rein und verbrennen Rauke-Pizza in Hightech-Öfen. Und wenn man die Geländewagen vor dem Bioladen parken sieht, möchte man sogar glauben, dass das Gehirn wieder schrumpft.

Schwarz-weiß

Die Extreme sorgen für die prägenden Momente. Nicht der gleichförmige Strom einer mittelmäßig geordneten Existenz setzt alle 100 Billionen Synapsen in Bewegung, sondern die durch partielle Blindheit ausgelöste Euphorie oder der Marianengraben der Enttäuschung. Lebensratgeber haben deshalb Umschläge mit knallbunten Marienkäfern und auf dem Klappentext steht nie: „Kennen Sie dieses wohlige Gefühl, mit einigermaßem sattem Bauch bei 21 Grad Zimmertemperatur ein Herrenhemd zu bügeln, während Grey’s Anatomy läuft?“ Nein – es muss ja immer gleich Glück sein oder mindestens ein Flow-Erlebnis, das selbst die Hausarbeit zur Endorphindusche macht.

Viele der extremen Momente sind ballaststoffreich. Das klingt zunächst gesund, ist aber nicht unbedingt leicht verdaulich. Mit Mike Tyson etwa würde niemand die Stunden des Seilspringens in einer stinkenden Turnhalle verbinden. Die 50.000 Schläge gegen einen Sandsack und die vielen Kilometer auf Joggingschuhen. Woran man sich erinnert, sind triumphale Titelkämpfe, seine enormen Schwierigkeiten mit dem verdammten Testosteron und an das abgebissene Ohr von Evander Holyfield. (Das war übrigens am 28. Juni 1997. Keine Ahnung, warum ich gerade heute darauf komme.) Er hat die Pole von sehr reich bis sehr pleite ausgelotet, ist gefeiert und gehasst worden und möglicherweise wünscht er sich in den hellen Augenblicken seines durchgeschüttelten Gehirns, er wäre einfach nur ein bisschen gemocht worden, weil er seine Sneakers so cool schnüren kann.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 133 Followern an

%d Bloggern gefällt das: