Joey Heindle. Ein #aufschrei.

Als er wusste, dass ihn das Publikum zum Dschungelkönig gekrönt hatte, war Joey Heindle alleine im Camp. Es waren maximal 60 Sekunden, die ihn die Kamera beobachtete. Für einen Sender, der das Aufmerksamkeitsdefizit der Zielgruppe mit Zehntelsekundenschnitten belohnt und die dürftigen Highlights seines Szenenfundus im Stakkato wiederholt, eine quälend lange Zeitspanne.

Zu sehen war ein Junge, der für seine Freude keine Worte fand. Der wie ein katatonischer Käfigtiger durch die Palmenkulisse stolperte und sich selbst Worthülsen voller Bildsprünge aufsagte. Der nicht viel, aber immerhin sehr genau weiß, dass jetzt von ihm Emotionen der Überwältigung gefragt sind. Sein Gestammel wirkte von einem inneren Blatt abgelesen, aber die Medien feiern ihn als „authentisch“. Authentisch ist das Todesurteil, es heißt: „Selbst für Selbstschutz zu dumm. Den beuten wir bis auf die Knochen aus und kotzen die Reste auf den Teller.“

Joey Heindle hat eine Ausbildung zum Beikoch absolviert. Man muss keine Gastronomieerfahrung haben, um zu wissen, was „Beikoch“ über seine Schullaufbahn sagt. Er hat seine anschließende Kochlehre abgebrochen und sich bei „Deutschland sucht den Superstar“ beworben. Dort hatte er das Glück – oder war es sein Pech? – ins Rollenmuster der Zehnerauswahl zu passen. Der Mädchenschwarm, die Balladenprinzessin, der Rebell und der Trottel. Joey war der Trottel, der sich von Bohlen lächelnd beleidigen lassen durfte. Nach seinem Ausscheiden produzierte er eine Single, an deren schlechter Chartplatzierung vermutlich andere verdient haben.

Der König des Dschungels ist ein Opfer. Er wird eine kurze Zeit in großen Autos gefahren werden, von Termin zu Termin, von Lanz zu „Explosiv“ zur Möbelmarkteröffnung zur Kirmes im Hunsrück. Wenn er nicht straffällig wird, ist seine Prominenz irgendwann eine nicht mehr gepflegte Internetseite, deren letzter Termin unter „Aktuelles“ fünf Jahre zurückliegt. So wie all die anderen, die in der Karrieredämmerung von irgendeinem Privatfernsehen-Zulieferer im VW-Bus zu korrupten Busenmachern gefahren werden, die für ihre Klinik etwas Promo brauchen.

Was wirklich ankotzt, ist die Verlogenheit, mit der Tageszeitungen wie die Süddeutsche plötzlich die BILD als Quelle benutzen, um Joey Heindle vorzuführen. Die schlimme Kindheit ist der Vorwand für das Rührstück, da kann man auch mal ein Blatt zitieren, das erst mit dem Wulff-Anruf auf Kai Diekmanns Anrufbeantworter auf dem Schirm der Süddeutschen Zeitung auftauchte.

Was das mit der #aufschrei-Debatte zu tun hat?

Hier muss ich die Perspektive in die erste Person wechseln. Ich beobachte die #aufschrei-Diskussion von Anfang an und bringe denen, die durch diese Aktion ermutigt wurden, zum ersten Mal zu sprechen, viel Sympathie entgegen. Es gab, das bringt die Schwarmartigkeit der Debatte mit sich, an den Rändern Unschärfen und in der Mitte Polarisierungen. Mich hat überrascht, wie viele Menschen, die ich für besonnen und progressiv hielt, ein muffiges und feindseliges Geschlechterbild in sich tragen.

Aber noch mehr hat mich überrascht, wie eng die Horizonte der Mediennutzung sind. Zur gleichen Zeit, in der über sexuelle Übergriffe diskutiert wurde, waren es oft genug dieselben Diskutanten, die mit gleicher Inbrunst das Dschungelcamp sahen. Die Sendung, in der jede aus dem Bikini gerutschte Brustwarze schwiemelig gefeiert wird. Der von hinten gefilmte Hoden so oft wiederholt wird, bis das Bild kaum noch von der Netzhaut zu löschen ist.

Das Dschungelcamp wird nicht mehr als Resterampe der Prominenz gegeißelt, sondern durch die Bank gelobt. Wie pointiert die Häme der Moderatoren vom intelligenten Gagschreiberteam formuliert wurden. Wie gut sich der Dirk Bach-Ersatz gemacht hat. Und auf n-tv.de lässt Thomas E. Schmitt unter dem Titel „Tschüss, du draller junger Hintern!“ seinen schmierigen Testosteron-Füller in einem einzigen Text so schöne Sachen schreiben wie:

…das dralle It-Girl all ihre körperlichen Vorzüge… …die nippelfixierte “Unter uns”-Trulla Claudelle Deckert… …und was wird nun aus der heißen Dose?… …wie sie sich einen Kamel-Penis in den Rachen steckt und in einen Schafshoden beißt… … ging ihm der doppelzüngige Katzenberger-Brutkasten am meisten auf den Senkel. Schlaff wie eine riesige Tüte Halb-und-Halb saß die Klein seit Tagen nur auf ihrem speckigen Mutti-Hintern herum… …und wieso wackelt die alte Hängebrücke unter Iris Cellulite-Stampfern beim Auszug genauso stark wie beim Einzug? So leicht lässt sich die gute alte Physik dann eben doch nicht vernatzen…

Und zum Schluss gehen ihm vollends die Pferde durch:

„Olivia Jones denkt dagegen ständig an Schmuddelkram. Sie will dem Sixpack-Sänger unheimlich gerne mal das Genital streicheln, die Fahne hochhängen, die Stange jucken, die Nudel putzen, das Gemächt schaukeln, das Stahlrohr wienern, die Gurke schälen, den Hammer rubbeln und alles, was sich sonst noch gut macht in der Suche bei Google. Sie selbst sagt “Klötenmassage” dazu.“

Wer diesen Dreck konsumiert, goutiert und nicht vernichtend kommentiert, verliert jede Berechtigung, sich über sexuelle Belästigung, Verächtlichmachung und tatsächliche Opfer von Übergriffen zu unterhalten.

Mein persönlicher #aufschrei gilt den Opfern. Menschen, denen Gewalt angetan wird. Durch Medien, die über mehr Präsenz und mehr Macht verfügen, als es 140 Zeichen haben. Einem Joey Heindle, dessen 19jährige Unbedarftheit eine geile Ware für ein schnell drehendes Medienspektakel ist, gehört mein Mitgefühl.

Wenn heute abend um 21.45 Uhr bei Günter Jauch Thomas Osterkorn, Silvana Koch-Mehrin, Wibke Bruhns, Hellmuth Karasek, Alice Schwarzer und Anne Wizorek über den #aufschrei diskutieren, ist das Dschungelcamp vorbei. Die Sendung wird die beste Einschaltquote haben, die Günter Jauch je hatte. Es wird laut werden und die Sendung wird eine gute Quote haben. Die Opfer von Übergriffen werden nicht vorkommen, Opfer sind leise. Aber die Quote wird gut sein. Die Quote ist immer die Hauptsache.

75 Gedanken zu “Joey Heindle. Ein #aufschrei.

  1. Interessantes Argument:

    Wer diesen Dreck konsumiert, goutiert und nicht vernichtend kommentiert, verliert jede Berechtigung, sich über sexuelle Belästigung, Verächtlichmachung und tatsächliche Opfer von Übergriffen zu unterhalten.

    Jedes Recht? Sind Sie auch der Meinung, dass Frauen, die betrunken in der Gosse liegen, “es verdient” haben?

      • Na gut, dann habe ich Sie vielleicht missverstanden. Abgesehen davon, dass ich das, was Sie da aus dem Dschungelcamp berichten, auch nicht gut finde.

        Mich stört halt schon die ganzen Tage dieser Focus, ob jetzt mit “Bachelor”, “Germanys next Topmodel” oder “Dschungelcamp”. Ein Beispiel aus einem anderen Bereich: Darf jemand, der sich gegen den Klimwandel einsetzt, mit dem Flugzeug fliegen? Oder ist das unmoralisch? Ich finde: es sollte egal sein, was Leute konsumieren. Mit Konsum-Appellen ändert sich leider selten was.

      • Ein Konsum-Appell ist es nicht. Eher ein tristes auf die Fakten gucken. Wir leben in Widersprüchen. Ich kopiere Dir hier mal rein, was ich jemand anderem geschrieben habe, der den Text ebenfalls für zu kurz gedacht hielt: „Mein Anlass, das zu schreiben und ich habe es hastig, wütend und vermutlich auch nicht komplett durchdacht getan, war die beschissene 50er Jahre Schwiemeligkeit, die sich nicht erst seit #aufschrei durch unsere Medienwelt zieht. Wir leben in einer zerrissenen xHamster-Zeit, in der 13jährige angstvoll fragen, ob es normal ist, dass sie noch keinen Analverkehr hatten, andererseits aber das Wort „Busenblitzer” das Trigger-Wort einer Boulevard-Zeitung sein kann. Wo gesexelt wird und ein Baby-Bäuchlein gestreichelt. Ich will Aufmerksamkeit für die Opfer. Und ich will ein Umfeld für eine Geschlechterdebatte, in der der Unterschied sichtbar wird: Zwischen einer freiwilligen, liebevollen und frei gelebten Sexualität und einer Sexualität der Macht.

        Mag sein, das ich ein wenig von Arschbacken auf Kuchenbacken kam: Aber für mich liegt das Dschungelcamp und die Mediendiskussion von #aufschrei nahe beieinander. Sobald sich Massenmedien der Sache annehmen, wird Brüderle zum senilen „Tätschler“. Was so verschwitzt ist wie der „Busenblitzer“.
        Ich will niemand seinen Medienkonsum vorschreiben. Nur fragen, ob vorgelebter und sensationell erfolgreicher Machtmissbrauch inklusive Sexismus nicht möglicherweise auch ein wenig mit der aktuellen Debatte zu tun haben.”

  2. Opfer sind leise – weil sie es gewohnt sind, mit der Schuldfrage konfrontiert zu werden. “Warum hast du nicht…?” oder “Warum hast du zugelassen, dass….?”. Ja.

    Ich gucke das Dschungelcamp übrigens nicht, es ist mir zuwider. Den Bachelor schon. Und bin Opfer von Gewalt gewesen.

    Dieser Blogpost ist reflektiert und gut aus meiner Opfersicht, und das sage ich mit Absicht.

    Herzlich, Christine

  3. An sich ein guter Artikel, war auch mein erster Gedanke heute früh beim Lesen, wer nun Dschungelkönig geworden ist „hoffentlich bekommt der junge Mann gute Berater.”

    Aber dass nun jemand, der mal Dschungelcamp etc. guckt ohne sich gleich hinzustellen und zu rufen „Was für ein Bockmist das ist!” etc., das Recht abgesprochen wird, sich zum Thema #aufschrei zu äußern …?

    … entschuldigen Sie jetzt bitte diesen meinen etwas harschen Sexismus, lieber Herr Breuer, auf so einen bevormundenden Scheiß kann auch nur wieder ein Mann kommen. ;-)

  4. Hey Peter,
    ich beziehe mich auf deinen Kommentar mit den Jugendlichen und dem Analverkehr. Also meine Rezeption dieser Debatte ist, dass hier ganz klar mit Zerrbildern operiert wird. Aber das passt auch zu Aufschrei: Nun kommen die Sittenwächter aus ihren Höhlen und schieben das ganze Problem den Promisken zu. Lese ich die Debatte um die Pornografisierung der Gesellschaft, dann lese ich hier kulturpessimistisches Geschrei – und wohltuendes anderes, zum Beispiel im Magazin von SZ oder Zeit (weiß ich nicht mehr), wo Jugendliche über ihr eigentlich recht “normales” Liebesleben berichten. Auch der Autor von “Generation Porno”, Johannes Gernert, den ich dazu gefragt habe, meint, dass hier gerne mit Horrormärchen Stimmung gemacht wird.

    Das Problem ist nicht unsere moderne Zeit. Das Problem sind Rollenbilder für Männer und Frauen, die Männer und Frauen in bestimmte Positionen bringen. Und solche Rollenbilder gibt es schon länger als das Dschungelcamp oder Internetpornos.

    Schöne Grüße
    Julia

  5. Danke. Ein wichtiger Aspekt in einem guten Beitrag. Inzwischen frage ich mich, ob es eine Frage des Charakters ist, wie jemand sich zu diesen Fragen stellt. Neben der Medienwelt geht übrigens auch die Welt der Werbemacher immer wieder mit schlechtem Beispiel voran. Warum müssen z.B. Models in Haute Couture wie Vergewaltigungsopfer inszeniert werden?

  6. Wer das Dschungelcamp guckt, darf sich nicht über sexuelle Belästigungen beschweren?!? Das heißt, 9 Millionen Menschen dürfen jetzt nicht mehr mitdiskutieren, weil sie eine Fernsehsendung gesehen haben? Du hast den Scheiß geguckt, also darfst du dich nicht ärgern, dass dir dein Chef auf den Po haut? Wow, das ist eine echt üble Relativierung.

    • da steht gar nicht, wer es gesehen hat darf nicht mehr mitdiskutieren! bei solchen diskussionen ist es schon schwierig genug, darauf zu achten, dass sie nicht abdriften. da braucht es keine kommentare, die bewusst oder unbewusst auf falsche bezüge beruhen!

      • Nein. Das steht da nicht. Und da steht auch nicht, dass das Eine mit dem Anderen im Kern etwas zu tun hat. Sondern nur, dass es zur gleichen Zeit stattfindet und ebenfalls mit der Ausbeutung von Menschen, Macht und quotenbringender Zurschaustellung von Sexualität zu tun hat. Mehr nicht.

  7. Liegt es daran, dass ich einige der Blogposter zum “Thema” persönlich kenne oder unterliege ich nur nicht ständig dem Zwang alles falsch verstehen zu müssen, um mich anschließend weiter meinem vorgebastelten, lieblos zusammengeklebten Blick auf die Welt zu widmen. Es ist doch eigentlich klar und nicht so schwer zu verstehen, was Peter hier schreibt und dass es seine Meinung ist, die er, nur weil er sie aufschreibt, nicht der Welt wie ein Plastiktüte über den Kopf stülpen will, damit sie daran ersticke.

    Ich schaute mir Dschungelcamp an. Ich fand das gut. Menschenverachtend ist was anderes. Ich benutze zum Bleistift ein Mobiltelefon, das von Menschen in einer weit aus erbärmlicheren Lebens- und Arbeitssituation gefertigt wurde, als jede dieser Figuren im Dschungelcamp das erleben durfte. Ich zynisches Arschloch.

    Ich fühle mich allerdings auch nicht ertappt, weil ich Dschungelcamp schaue und aber dennoch noch nicht im Ansatz der Meinung bin im Alltagsgedöns Frauen blöd auf die Brüste glotzen zu dürfen oder auch nur der Ansicht wäre, dass Frauen immer und zu jedem Moment als beurteilenswertes Objekt der Begierde herhalten müssen, was zum Teil zu der kuriosen Frage führt, ob ich schwul sei. Jeder Moment im Leben ist eine Herausforderung und benötigt den unbedingten Einsatz des Gehirns. Und ob ich Dschungelcamp schaue oder mit Menschen im sozialen Kontakt (In einer Hotelbar, auf der Arbeit oder im Supermarkt) stehe oder Sahnetorte esse, es stellt sich immer die Frage, was muss ich tun, um es angemessen, um es richtig, um es vernünftig zu machen.

    Jetzt habe ich Dschungelcamp geschaut, meine Mitarbeiterinnen, meine Frau, meine Nachbarin, die Frauen an der Supermarktkasse, im Finanzamt und beim Bäcker werde ich dennoch – und bis mir möglicherweise die Sinne im Rahmen der Demenz eines Tages schwinden – mit dem größtmöglichen Respekt behandeln, der mir von meinem urigen Charakter zur Verfügung gestellt wurde.

    (Und Peter, am 16. Februar erzähle ich Dir zu einem schönen Maßkrug Jägermeister, welche für mich die schönsten Momente im diesjährigen Dschungelcamp waren und Du erzählst mir, was Du so erlebt hast. Ich freu mich.)

  8. Insgesamt ist das Inzenierung des Dschungelcamps teils wirklich problematisch ohne diese Ekelprüfungen und weniger herabsetzende
    Kommentare sollte es auch publikumswirksam sein und da gebe ich Ihnen Recht.
    Leider scheint ein Grossteil unserer Gesellschaft dies jedoch (siehe Quote )einzufordern. Ich denke es ginge auch anders .
    Hier zeigt sich die schon seit Langem bemängelte wachsende soziale Polarisierung der hiesigen Gesellschaft verbunden mit Intoleranz statt
    Verbindlichkeit.
    Tja die Gegensätze wachsen und unsere Mainstreammedien sowie das Internet haben auf der Suche nach immer neuen Höhepunkten kräftig mitgemischt.
    Man siehts ja weltweit Eskalation statt Reflektion !

  9. Lieber Peter, wie recht du hast! Ich stimme dir zu und verzichte deshalb noch so gerne auf Sendungen wie “Ich bin ein Star” und ähnliche.
    Und trotzdem stört mich etwas. Ich vergleiche die (vermeintlichen) Sieger der Shows mit Kindern, die in ihrer trauten familiären Umgebung missbraucht werden. Schüler, von ihren Vorbildern und Respektspersonen ausgenutzt. Menschen, von ihrem Arbeitgeber (und somit Brötchengeber) bedrängt. Ist das zu vergleichen mit Menschen, die sich – trotz vorangegangenen Negativbeispielen – freiwillig einem Medienspektakel aussetzen?
    Aber jetzt mache ich genau den gleichen Fehler wie viele: Es gibt keine Umstände, die solchen Missbrauch auch nur annähernd rechtfertigen. Danke, Peter, für deinen anregenden Beitrag.

  10. Das Recht such über sexuelle Belästigung zu beschweren, machst du ja wohl nicht ernsthaft vom Konsum irgendwelcher Fernsehsendungen abhängig oder?

  11. Ich finde diesen Blogtext inhaltlich zu anmaßend. Ich muss dazu sagen, dass ich #ibes nicht sah, aber Joey hier darzustellen, als sei er so dumm, um nicht beurteile zu können, was gut für ihn ist oder nicht. Was soll das denn? Woran machen Sie denn seine angebliche Dummheit fest? Kennen Sie ihn persönlich?
    Ich selbst bekam fast zwei Jahrzehnte von Lehreren, Schülern, Eltern, ect den Stempel der Dümmlichen aufgedrückt, nur weil ich nicht in ihre Denkmuster passte. Und ich habe einen weit überdurchschnittlichen IQ. Hoffentlich muss Joey diesen Text niemals lesen. BILD nimm trifft, aber nimmt man nicht sehr ernst. Sowas hier schon.

  12. Die Frage ist doch: vergleicht man Äpfel mit Birnen oder reden wir immer noch von Äpfeln?

    Ich glaube, wer sich dank der Debatte #aufschrei selbst reflektiert, denn dazu fordern all diese Momentaufnahmen auf, kommt nicht darum herum, sich im Ganzen zu hinterfragen.
    Die vielen Male, als ich in einer lockeren Männerrunde stand und brav mitgelacht habe über die frauenverachtenden Witze sind nur ein Gedankenbeispiel. Die vielen Male, als man wegsah, als Zivilcourage nur eine hohle Phrase war. Die Lästerrunden unter Frauen. Der kleine fiese Spruch.
    Sich auf eine Opferrolle zurückziehen heißt, sich keine Gedanken über das eigene Ich und Sexismus zu machen, sondern sich auf die Position “mir ist das aber passiert” oder “die Weiber wollen das doch so” zu begeben und das Lösen des Problems einer Masse in die Schuhe zu schieben (“den Männern”, “den Idioten”, “den Bitches” und “Jammertanten”)..

    Mir ist das auch passiert. Ich hätte nichts sagen können, mich nicht wehren können und das ist auch völlig in Ordnung so. Ich war Opfer.
    Aber, und das ist eine Frage, die Mann wie Frau gleichermaßen betrifft: Wann mache ich mit, schwimme im Strom, bin ich passiv oder aktiv Tuender, um nicht zu sagen, Täter/in?
    Bin ich nicht auch als passiver Konsument in einer Verantwortung? Als Mdiennutzer? Als (Mit-)Mensch? Verschließe ich die Augen vor dem, was da an Sexismus geboten wird, weil ich das nicht mal mehr als solchen erkenne oder weil es einfach bequem ist? Weil das doch was ganz anderes ist?

    Für mich sind das Dschungelcamp und ähnliche Sendungen immer noch Äpfel – nur ein paar von ganz vielen. Vielleicht grün statt rot, aber immer noch mit Stumpf und Stiel.

    Die Frage, die mich beschäftigt, ist: wo ist die Grenze? Und wer setzt sie? Wir oder “die”?

    In meinem Beruf werden diese Grenzen ganz konkret:
    Wie soll ich den Kindern dieses Landes erklären, dass Ekelprüfungen in Vereinen falsch sind? Dass es nicht nur auf das Äußere ankommt und man nicht mager sein muss, um etwas Wert zu sein? Wie soll ich ihnen vermitteln, dass Frauen nicht einfach “Beute” sind und “sich schon mal zieren”, wenn ihnen das aber immer wieder suggeriert wird? Dass Sex etwas Fantastisches ist, ebenso wie Liebe? Dass Mann und Frau ein Recht auf beides haben, wenn sie es wollen? Dass sie sich aber nicht bloß stellen müssen, um etwas zu gelten? Dass es reicht zu sein?

    Egal wo ich in den letzten Tagen hinsehe, immer wieder schärft sich mein Feingefühl für das, was ich bedenklich finde und was mir vor #aufschrei oft noch ganz normal erschien. Das verändert mich.

    Deshalb bin ich dankbar für die Debatte – und für diesen Blogeintrag.

  13. Schade, menno, das hat alles so toll angefangen und ich war begeistert von dem Artikel, aber dann kam “Wer sowas konsumiert, der hat…”. – Nein! :-) (und das nicht nur, weils eine imho -sorry- doofe Pauschalisierung ist)

    Es liegen Welten zwischen “hat sich das nicht ausgesucht” und “weiß haargenau, was das Ziel der Sendung ist und frisst Kamelschwänze, um sich für ein paar Sendeminuten und ein paar Euro zu verkaufen, weil er sonst nix kann”. Wem es das wert ist, der hat sich nicht zu beschweren und den muß man auch nicht bedauern. – Ich persönlich würde eher als Beikoch arbeiten, als mich in so einem Haufen an gescheiterten Existenzen und Aufmerksamkeitsprostituierten via jeglicher Medien zum Affen zu machen, aber das muß und kann jeder für sich entscheiden.
    Andersrum muß man dann auch nicht die Zuschauer verdammen, die auf Titten oder sonstige Bloßstellung warten. Die Kandidaten da wollten und wußten es.

    Eher sollte man den Zuschauer wegen der generellen Zeitverschwendung anprangern, bei der er sich vollkommen unwichtige Menschen anschaut, wie sie Jahr für Jahr die gleichen total sinnlosen und sich wiederholenden Aufgaben machen und sich halt doof stellen fürs TV und die Quote, weil sie eben sonst nichts auf die Reihe bringen. Das(!) finde ich anprangernswert. Die Zeitverschwendung und das viele nutzlose Gelaber außenrum, wie es aber auch generell immer mehr zunimmt.

    Hier aber hat das eine ja wohl mal so gut wie rein gar nichts mit dem anderen zu tun. Ich schau mir auch sonstige derbe Gewaltfilme an und würde es trotzdem nicht gutheißen oder selbst tun und das Recht hab ich sehr wohl.

    Wenn man nun sagt, das sporne Medien und Menschen an, noch mehr solchen Softcore-Blödsinns zu produzieren und sehen zu wollen, dann ist das durchaus richtig und ohne Nachfrage kein Angebot, aber dann muß man dennoch genauso wie davor differenzieren und sagen, daß es manche halt wollen und manche nicht und sich der Konsument deswegen nicht zwangsläufig privat wie ein Arschloch verhält.
    Es ist ja noch nicht einmal so, daß das TV von sowas bestimmt wäre. Es gibt tausende Kanäle und nicht nur sowas. Wer sich so drauf fixiert und den Rest nicht mehr sieht, der hat vielleicht ein ganz anderes Problem. Mal davon abgesehen, daß es im TV weitaus größere Probleme gäbe, wenn man nach Sexismus und aufgeprägten Geschlechterrollen und Identitätsauszeichnungen sucht, wie sie Status, Güter, Aussehen, Verhalten, etc. immer wieder als Must-Have gezeigt werden und die dann übernommen werden und zu Neid, Scham und Ausgrenzung führen.

    Und nein, Dschungelcamp hab ich nur teilweise, ungewollt gesehen und bei Freunden die Zeitverschwendung, als auch die Mediengeilheit kritisiert.

    Also, so wie oben schonmal gesagt: Man sollte einfach lieber mehr das Hirn einschalten und weniger labern. ;-)

    Hoffe, das kam alles soweit richtig rüber. :-) Gruß!

  14. Dschungelcamp ist für die Unterschicht, das wird kaum einer bestreiten. Die Unterschicht sollte man immer gleich ernst nehmen, egal ob sie im Rudel Dieter Bohlen feiert, Fußball, oder Sexismus: Einfach ignorieren.

    Der ganze Blödsinn ist eh bald wieder vorbei, so lange muss man eben den Kopf unten halten.

  15. Ich bin sehr erstaunt, wie “Dschungelcamp” überhaupt eine ethisch-moralishe Diskussion rechtfertigt und durchaus noch pro-Stimmen provoziert. Sie dann auch noch der Unterschicht zuzuordnen, ist verachtend wie die gesamte Sendung. Einfach widerlich, menschenverachtend und pervers. Mediale Prostitution. Wir können das brutale Showgeschäft nur ahnen, weshalb sich die TeilnehmerInnen dafür hergeben. Das wird auch den jungen Mann betreffen. Ein Trost für die Hundewelt, die zweifelhafte Prominenz der Moderatorin reicht zumindest für ihr Engagement für herrenlose Straßenköter auf Mallorca, für deren Rettung sie auch Charity-Golfturniere organisiert. Widerlich. Vielleicht kommt die Dame mal auf die Idee, Charity für gescheiterte Showgrößen zu veranstalten. Medien erziehen, und natürlich wird durch eine solche Sendung brutalster Sexismus legitimiert. Dazu muss man erst mal die Phantasie haben, von der die Macher ausreichend besitzen und Millionen damit infizieren.

  16. Dschungelcamp und #aufschrei – interessante Kombination. Ich habe – separat – zu beidem meinen Senf gebloggt unter http://nicolailevin.wordpress.com.

    Das Dschungelcamp ist Pornografie, gesellschaftlich akzeptiert, mehr Sozialporno als Sexporno, aber dennoch für meinen Geschmack unverkennbar Porno. Das hat Peter Breuer sehr anschaulich und schön beschrieben, und manche der begeisterten Kritiker der Sendung bestätigen diese Einschätzung in verräterischer Weise.

    Beim #aufschrei geht es aber, soweit ich das verfolgt habe, ums wirkliche Leben. Im Gegensatz zu den Dschungelcampern haben sich die Belästigungsopfer ihre Rolle nicht freiwillig ausgesucht, und sie bekommen kein Geld dafür, Busen und Arsch hinzuhalten.

    Die interessante Frage wäre dann also die, ob jemand, der gern Pornos sieht, der vielleicht auch noch in den Puff geht (um das Dilemma auf die Spitze zu treiben), damit das Recht verliert, gegen sexuelle Belästigung einzutreten.

    Ich gebe zu, dass da auch bei mir ein Breuersches Unbehagen mitschwingt; der Verdacht der doppelten Moral liegt schon sehr nahe. Aber ich finde, man darf nicht von vornherein allen Pornoguckern und Puffbesuchern eine Geisteshaltung und ein Frauen- und Eros-Bild vorwerfen, das sie von Anfang an als Mitstreiter in Sachen #aufschrei disqualifiziert.

    • Wenn ich mir im Nachhinein für einen Satz im Hals stehe, dann für den, in dem ich Dschungelcamp-Fans das Recht abspreche, sich am #aufschrei zu beteiligen. Diese Apodiktik liegt mir eigentlich völlig fern. Soll doch verdammt noch mal jeder sehen, was er will. Aber vielleicht eben auch Zusammenhänge: Zwischen Unterhaltung um jeden Preis und der Ausbeutung, die an diesem System verdient. Das Dschungelcamp folgt den Regeln einer Scripted Reality und dieselben Medienmacher drehen eben auch die Schrauben an der Sexismus-Debatte. Es ist doch evident, dass z.B. die BILD im Netz über Sexismus textet und sich am Kiosk selbst überholt und die Journalistin Himmelreich auf dem Titel innig neben Brüderle zeigt – welches Süppchen morgen daraus gekocht wird, zeichnet sich schon ab.

    • lassen wir Dschungelcamp da, wo es hingehört: in den Bereich der archaischen Perversion. Zurück zu Brüderle, qua definitionem “Sexismus” fällt er schon mal raus. Und wenn Betroffene ehrlich sind, ist der geschilderte Vorfall einfach lächerlich, Frau Himmelreich, Sie zeigten dem eventuell leicht beschickerten Brüderle wohl auch Ihr Himmelreich. Ich persönlich könnte ein Lied von geplanten Übergriffen singen und teile die Ohnmacht und Hilflosigkeit in diesen Situationen. Ganz speziell wird es, wenn es denn der vom lieben Gott verliehenen Attraktivität zugeschrieben wird. Aber das hat mit R. Brüderle wenig zu tun, sondern ich halte die ganze Diskussion für einen geplanten Schachzug im Vorfeld der Wahlen. Also trennen wir doch einfach Dschungelcamp, R. Brüderle und Sexismus und konzentrieren wir uns auf letzteres. Zur Beruhigung aller Dschungelcamp-Fans, als ich mit massiven Übergriffen am Arbeitsplatz zu tun hatte, ein paar Jährchen her, gab es noch kein Dschungelcamp.

  17. Hallo Ihr Lieben,
    ich schreibe zum ersten Male auf diesem blog und schwanke zwischen Ratlosigkeit und Verzweiflung. Wir diskutieren hier über etwas, das in hohem Maße der individuellen Sicht der einzelnen Person unterliegt. Der eine findet etwas eklig, der andere schön. Die eine zittert beim Anblick eines Küchenmessers, die andere lacht, wenn dieses blutverschmiert vom Tranchieren auf dem Tisch liegt. Beinahe jeder hat selbst heute noch ein eigenes Gewissen und weiß im Grunde ganz genau was ethisch einwandfrei und moralisch nachhaltig ist… spätestens beim Vorspielen des Lebensfilmes. Solange braucht man aber nicht zu warten. Alles ist eine Sache des Ego, das sich verletzt, benachteiligt, zurückgewiesen oder sonst was fühlt. Oder das Vorteil aus einer Begebenheit oder Konstellation zu ziehen beabsichtigt. Doch zurück zum konkreten Fall. Hätte ich an Herrn Brüderles Seite gestanden und hätte mich unangenehm berührt gefühlt, hätte ich ihm das gesagt. Nach ein oder zwei Hinweisen wäre er sicher darauf eingegangen und es hätte sich eine möglicherweise spannende und gleichberechtigte wenn nicht gar freundschaftliche Diskussion entwickelt. So aber sind vielleicht mit einem Hintergedanken Daten gesammelt worden, die einem journalistischen Marktwert-Portofolio dienen. Und ganz nebenbei, während wir uns alle ergießen und Schaum schlagen übernehmen nichtgewählte Gouverneure in Europa mit Ermächtigungsgesetzen das Ruder… Führer der Vergangenheit hätten von einer solchen Entwicklung nur geträumt.

  18. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, sich blamieren zu dürfen und sich hinterher dafür zu schämen! Jetzt fordert doch nicht überall ein, die “armen” und “schwachen” Joeys dieser Welt vor sich selbst schützen zu wollen!
    Was passiert mit Kinden, die nur auf gepolsterten Spielplätzen rumtollen? Sie lernen ihre Grenzen nicht kennen und sind daher draufgängerischer.

    Wer 18 ist, kann selbst entscheiden, was er oder sie machen will. Auch und gerade, wenn er oder sie die Konsequenzen dabei nicht vollständig überblickt!
    Aus Fehlern lernt man und aus Schaden wird man klug. Ergo, ohne die Möglichkeit, Fehler zu machen und ohne Dschungelcamp bleiben wir alle dumm und naiv.

    Auch “wir Gebildeten” brauchen mal hin und wieder ein bisschen Pause vom Denken und IBES ist super, um das Gehirn mal ordentlich durchzupusten. Was das mit #Aufschrei zu tun haben soll erschließt sich mir immer noch nicht. Das ist auch eine Form von irgendnem ismus, Leuten zu unterstellen, bloß weil sie Busenblitzer und Sackzurschaustellung “goutieren” (schönes Wort), müssten sie direkt Frauen abwerten, erniedrigen und am besten noch begrapschen. So ein BULLSHIT! (beste IBES-Staffel ever)

    Ein bekennender IBES-Gucker

  19. Joey ist dumm.Aber an seiner Herzlichkeit können sich viele Intellektuelle mal ein Beispiel nehmen.Und natürlich wird er ausgenutzt werden,aber für einen Beikoch wird er viel erleben und am ende bleibt immer noch mehr auf dem Konto als in Billigjobs Sklavenarbeit zu verrichten.Und JA,die Sendung ist blöd,hohl…und verdient alle schlechte Bezeichnungen die einem so einfallen.Aber glauben sie dass diese Sendung Einfluss hat auf 80% der Leute? Wie oft soll ich mir noch auf phoenix die doku reinziehen die die Wiederholung von arte ist ,die wiederum schon bei zdfinfo zu sehen war und nachts auf zdfneo wiederholt wird…….Die wahre Krise ist die Krise des intelligenten bzw. intellektuellen Fernsehens das nichts zu Stande bringt. Dumme Sendungen gab es schon immer,ob TuttiFrutti oder der Preis ist heiss.Diese Dschungel-sendungen haben weniger Einfluss auf Geseelschaft als sie hier einem glauben machen wollen.Was für uns Männer die Tratschsendung Bundesliga ist oder Formel 1,das ist für Frauen die Tratschsendung Bachelor oder IBES wo sie einfach Hirn abschalten können und entspannen-denn es sind typische Frauensendungen und weniger Männersendungen,auch wenn einige Männer bestimmt schauen und einige wie ICH :)) dazu oft gezwungen werden.Die Leute schauen dass und Quatschen dummes Zeug–und nur die Idioten rufen dort an.Und wer vorher nicht schon ein Sexist war,den wird die Sendung nicht zu einem machen.Die Männer haben viele Fortschritte gemacht in den letzten Jahren-sie haben keine Angst mit dem Kinderwagen spazieren zu gehen oder sich um inder kümmern,waschen Wäsche,räumen Wohnung auf,kochen für Familie…..arbeiten wir weiter daran,das wird noch.Wer sich aber auch ändern muss sind Frauen,denn keiner bezeichnet so oft andere Frauen (Kolleginnen mit denen sie sich gerade nicht grün sind, Freundinnen ,Konkurrentinnen,Nachbarin..) als Schlampe oder Bitch als sie ,und sehr oft vor Männern.

  20. Die neue Qualität ist: Es gibt keinen Schutzraum für Täter mehr. Denn jetzt wird sein Name öffentlich – nicht nur der des Spitzenpolitikers, sondern auch der des Exfreundes oder Chefs:
    [Hier stand der Name eines Internet-Prangers. Sorry, das veröffentliche ich nicht. PB]

    • Ach. Und wer gibt Ihnen das Recht zur Zensur? Schöne neue Welt, in der wir neben der Tagesschaue nur noch Anne Will und Roche & Böhmermann gucken dürfen.

  21. Deutschland Du Land der Humorlosen. Kreuzzug, Kulturkampf. Gerade weil Rainer Brüderle Humor hat, wird er jetzt fertiggemacht.

  22. Ach Du meine Güte. Weil ich schon mal das Dschungelcamp geguckt habe und dabei unverschämter Weise meine Zeit verschwendet habe, sollte ich auch lieber den Mund halten zu all den unschönen Dingen die mir so widerfahren sind? Thomas E. Schmitt und seine “merkwürdigen” Kommentare habe ich bisher nicht gekannt. Leute wie ich, die schon mal so Formate wie das Dschungelcamp gucken, kennen so intellektuelle Sendungen vielleicht gar nicht? Um so länger ich über das oben geschriebene nachdenke um so wütender werde ich. Ich bekomme das Gefühl, hier werden Opfer schnell in Schubladen gestopft. Ist ja auch so schön bequem.

  23. Ich frage mich, ob diese Sendung all die Gedanken, die man sich um ihr wirken macht, überhaupt wert ist. Vielleicht sollte man sich eher einen lieben Menschen schnappen und einen Spaziergang mit ihm machen.

  24. Jede(r) die/der in den Dschungel geht, ist doch volljährig, tut es sicher mit dem Wissen, was auf sie/ihn zukommt. Und jede(r) ist doch zumindest leicht exhibitionistisch. Wer sich mit dem Medien (gut bezahlt) einlässt, tut das doch mit voller Absicht. Oder werden die Protagonisten an den Haaren und in Fesseln in den Wald geschleift? Wo also ist das Problem?

    Ok, Joey dachte, das fände im Studio statt und war überrascht, dass der Dschungel echt war. ;-)

    Das einzige, was ich an dieser ganzen Debatte wirklich als Problem sehe, ist das, was auf den etwas linkischen Joey nun zukommt. Ob er dem gewachsen ist? Ja, er braucht gute und einfühlsame Berater. Gibt es die?

    Was ich und sicher auch große Teile der Nation NICHT brauchen, werter Herr Breuer, sind die Missionare, Bekehrer, Auguren und Aufschreier, die mir/uns täglich ich geschliffenen Worten und höchst akademisch angehaucht vorbeten, was falsch und richtig zu sein hat!

    Gut, dass ich in den vergangenen sechs Jahrzehnten stets meine eigene Meinung hatte, sie vertreten habe, MEIN EIGENES Leben gelebt habe und nicht das, was andere von mir erwarteten – und gut damit gefahren bin. ;-)

  25. Spannend wird die ganze Diskussion ja dann, wenn man bemerkt, wer unreflektiert der Horde nachdackelt und wer sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzt und die vielfältigen Verflechtungen sieht. Peter Breuer gehört ganz klar zur zweiten Gruppe. Denn seien wir ehrlich: Die Medienwelt ist extrem stark auf Sexualität ausgerichtet. Sex sells – nicht nur im TV. Und der Bürger konsumiert. In der Regel sogar mit Begeisterung. Und denkt sich nichts dabei. Und merkt auch nicht, dass ihn diese Bilder unbewusst beeinflussen, seine Rollen- und Geschlechterbilder verändern und polieren. Und dann wundert sich noch jemand, dass dann und wann einer tatsächlich denkt, die Bilder aus dem TV entsprechen der Realität (oh ja, jeder der sich mit Medien beschäftigt, weiss, dass TV-Bildern eine extrem hohe Glaubwürdigkeit beigemessen wird) und schlimmer noch: Die Haltung der Darsteller und Moderatoren sei gesellschaftlich anerkannt. Sexismus also normal und üblich.
    Insofern verstehe ich Peter Breuer gut: Wer sich diese Sendungen unreflektiert ansieht und sich keine Gedanken über die unbewusste Veränderung der eigenen Geschlechterbilder macht, hat nicht die besten Karten, um sich zur Sexismus-Debatte differenziert äussern zu können. Denn wie es in vielen Bereichen heisst: Wer sich nicht klar ist, wie Objekte das eigene Verhalten beeinflussen, kann diese Reflektion nicht von anderen einfordern. Weil er sie nicht versteht.

    Deshalb also: Danke, Peter Breuer, für eine differenzierte und offene Sicht der Dinge in diesem Wald von Geschrei und Protest.

    • Wie Recht Sie haben!! Solche Sendungen verschaffen ja fast schon die Legitimation gemäß dem Motto: “Stell dich nicht so an, im Dschungelcamp machen die es auch nicht anders.” Zudem ich eine 14-jährige Tochter habe, ich versuche, ihr das Wertvolle ihrer Weiblichkeit zu vermitteln. Wir alle wissen, wie fragil Persönlichkeiten in diesem Alter sind. Aber ich denke, der Kampf gegen diese archaische Perversion ist vergebens. Habe mich gestern dann doch leicht frustriert abgemeldet.

    • Sehe in meinem Umfeld eher das Gegenteil: Den Medien wird jegliche Glaubwürdigkeit abgesprochen. “Ist doch eh alles gescriptet! Bauer sucht Frau, Schwer verliebt, Dschungelcamp, steht vorher alles fest was passiert!”
      Irgendwann kommt es noch so weit und jemand verdächtigt die Tagesschau, von vorne bis hinten von einem Autorenteam ausgedacht zu sein.

      Ja, ich mache mir Gedanken darüber. Nein, ich komme nicht zu den selben Schlüssen. Man muss nicht alles mit Polsterung ausstopfen, damit sich ja keiner weh tut. Fehler machen gehört zum Leben dazu, solange sie nicht das Leben kosten oder die Gesundheit gefährden.

      Und jetzt lasst mir bitte meine 45 Minuten tägliche Entspannung! Danach schau ich gerne wieder Wissenssendungen und Diskussionsrunden.

      • Stimmt, “jeder” jammert über die Qualität der Medien. Manchmal. Und trotzdem erhalten solche Medien sehr gute Einschaltquoten. Denn in der Regel sammeln sich jene mit ählichen Interessen und Wesensmerkmalen in einem Topf, was relativ homogene Meinungsbilder entstehen lässt. Und von diesen schliesst man dann auf die grosse Mehrheit. Kurz: Nur weil es in Ihrer Umgebung so aussieht, bedeutet das nicht, dass das die Meinung der Mehrheit ist. Die Einschaltquoten und viele Medienumfragen widersprechen diesem Bild. Zudem stimmt es nachdenklich, wenn solche Sendungen zwar als unglaubwürdig eingestuft (zumindest was die Authentizität betrifft), aber dennoch fraglos konsumiert werden. Es gibt auch angenehmere und sinnvollere Varianten zur täglichen Entspannung.
        Denn die unbewusste Beeinflussung durch Medienbilder ist kein hypothetisches Konstrukt, sondern vielfach untersucht worden.

      • “Es gibt auch angenehmere und sinnvollere Varianten zur täglichen Entspannung.”
        Darf ich das vielleicht noch selber entscheiden, womit ich entspanne? Oder wird das neuerdings vom Entspannungszentralkomitee vorgegeben?

        Die Stärke liegt doch nicht darin, alles zu meiden, was mich beeinflussen könnte sondern darin, selbst bei angeblich so subtil und perfide und nicht bemerkbar wesensverändernden Massenmedien seinen Prinzipien nicht untreu zu werden.

  26. Peter Breuer verkündet ja absolut keine Neuigkeiten mit seinen Erkenntnissen. Wer diesen Beitrag als Augenöffner benötigt, hat wohl viele Jahre dem märchenhaften Dornröschen Gesellschaft geleistet.

    Was mich an dieser Diskussion stört, ist die Tatsache, dass dem mündigen Bürger wieder einmal indoktriniert wird, wie er sein mediales Konsumverhalten einzuordnen hat.

    Genau so, wie mich die Medien “belehren” wollen, was gut für mich ist, wollen mich auch Leute wie Breuer belehren, was das Richtige ist. Ich gewinne beiden Haltungen wenig ab, denn ich entscheide selbst, was mir zu gefallen hat und was nicht. ;)

    Können wir die Welt nicht einfach dabei belassen, dass sie dem einen so gefällt, dem anderen eben etwas anders und dass die Ansprüche der Menschen indivuell verschieden sind?

    • Es mag nicht unbedingt eine Belehrung sein, eher noch ein Anstoss zum Nachdenken. Denn zu viele konsumieren ohne sich Gedanken dazu zu machen. Welche Entscheidung zum Konsum er dann trifft, ist seine persönliche. Aber Gedanken sollte man sich vorab machen!

      • Die meisten Konsumenten wollen ja überhaupt nicht informiert, sondern unterhalten werden. Deshalb nennt man das wohl Unterhaltungsfernsehen und nicht Bildungsfernsehen. ;)

        Ich wundere mich auch darüber, wie hier Sexismus unterstellt wird bzw. quasi als “das Böse” abgestempelt wird. Besteht nicht unser ganz normales Menschenleben aus jeder Menge Sex(ismus)? Täglich, im Kleinen? Da wird es stillschweigend hingenommen, ja oft erwartet, weil das Leben sonst ja so dröge wäre. Oder das Spiel zwischen den Geschlechtern etwas Würze braucht.

        Zeigen die Medien dann einmal, wie wir Menschen im Grunde wirklich sind, wird aufgeschrien. Zumindest von denen, die sich offensichtlich gerne in lehrmeisterhaften Diskussionen um die hehren Ziele der menschlichen Existenz ergehen.

        Leute, wir sind und bleiben das, was wir schon immer waren. Daran wird sich durch Moralisieren auch wenig bis nichts ändern.

        Ich persönlich sehe in dieser Welt übrigens wichtigere Diskussionthemen neben Belanglosigkeiten wie Joeys unterentwickelter Persönlichkeit und Möpse zeigenden Z(ufalls)-Promis.

        Reden wir mal über die Gewalt, die uns die Medien täglich zeigen (müssen), weil es Menschen gibt, die sehr weit unter den Moralvorstellungen leben und agieren, mit denen wir den RTL-Dschungel messen. Wo Kinder verrecken, Frauen vergwaltigt und verstümmelt werden, wo Menschen Dreck fressen müssen oder elendig verhungern. Wo Großkonzerne im Kooperatiom mit korrupten Politikern ganze Länder und Völker ausbeuten … und …

        Da können wir mal jammern, uns Gedanken darum machen, was los ist mit unserer Welt!

        Dschungelcamp? Pfffff!

  27. Das solche Sendungen so gut wie keinen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben bewiest Herr Breuer selbst :”Er wird eine kurze Zeit in großen Autos gefahren werden, von Termin zu Termin, von Lanz zu „Explosiv“ zur Möbelmarkteröffnung zur Kirmes im Hunsrück. ” —-in den USA oder England wäre er ein Star,so wie fast jeder Gewinner vom englische DSDS oder Amerikanischen Top Model …usw.Bei uns in Deutschland werden solche Leute niemals Stars der 1Kategorie,und das liegt daran dass wir solche ”produzierten Stars’ einfach nicht ernst nehmen.
    Der Gewinner von DSDS schafft es nie ernsthaft in die Musikwelt der ”Erwachsenen” ,er ist ne weile Bravo-Teenie-Star und spätestens nach 2 Jahren braucht die neue Generation der 15jährigen einen neuen Superstar -denn die alten 15Jährigen sind dann 17 und mit dem Alter ändert sich der Musikgeschmack usw. und damit ist die Karriere des DSDS Stars vorbei da wie gesagt er keinen Durchbruch schafft in die Musikwelt der ”Erwachsenen” die sich von solchen Quatsch nicht beeinflussen lassen bzw. es lächerlich finden.Schauen sie doch mal in die USA wo Hulk Hogen-dessen Kinder mit 18J nicht rechnen können und zu blöd sind ein Konto zu eröffnen-ernsthaft zum Vater des Jahres gekürt wurde,oder die ”Stars” von Jersey Shore die sich in der was weiss ich wievielten Staffel dumm und dämlich verdienen—-das wären bei uns Stars der Kategorie C und nach 2 Jahren weg vom Fenster-dort sind es Stars der teens,der Twenties ,der Erwachsenen ,der Midlifer……also von der ganzen Gesellschaft als Stars geachtet-wobei auch es gerade in England und den USA seit einer Weile ein Umdenken gibt bzw. die Leute haben langsam die Schnauze voll mit Prominews und Lobhudelei von Superstars belästigt zu werden als wären dies die Eliten der Gesellschaft.
    In ein Justin Bieber Konzert geht in Amerika die ganze Familie abfeiern ,vom Teenie,Mutti,der 20jährigen Schwester……bei uns gehen nur Teens hin-die Eltern höchstens um irgendwo zu warten bis Konzert zu ende geht und man die Kinder nach Hause nimmt.
    Und genau dieser Unterschied zwischen Deutschland und England+USA zeigt dass unsere Gesellschaft vom Fernsehen gar nicht so beeinflusst ist wie sie glauben und uns glauben machen wollen.
    Auch wenn das TV uns versucht wie in USA zu beeinflussen bzw. zu verdummen-wir wissen das,wir konsumieren es,schalten für ne weile das Hirn aus…und dann schalten wir es wieder ein.Unsere Gesellschaft ist gar nicht so doof wie sie glauben und es ihr unterstellen

  28. Ich dachte, hier gibt es wirklich etwas interessantes zu lesen und vielleicht auch zu diskutieren, aber da habe ich mich wohl geirrt. Wo sind nur die Menschen geblieben, die denken können?? Wenn ich so einen Artikel schreibe und dieses Camp dazu benutze, politische Probleme zu erörtern, dann bin ich nicht besser als alle anderen,die dieses Hirnzerfressende Junglecamp ansehen und Kohle damit verdienen. Soviel wie in diesem Artikel habe ich bis jetzt noch nicht darüber gelesen und ich wollte es auch nicht. Ich habe ein einziges mal gesehen was da mit Menschen gemacht wird und mich dermaßen geekelt, dass ich davon nichts wissen will. Wenn alle, die davon nichts halten, sich auch nicht darum kümmern würden – also es totschweigen würden, würden die Einschaltquoten in den Keller sinken und diese Sendung würde es nicht mehr geben. Aber so, schaut sich jeder diesen Mist an, weil er ja mit reden können muss, und verhilft diesem Dreck weiter zu leben. Ich nenne es”Das Bildzeitungs-Phänomen” Und ja natürlich gibt es auch eine Verbindung zwischen diesem Junglecamp und dem aktuellen Tagesgeschehen und den politischen Diskussionen, denn hier geht es schlicht weg um das liebe Geld, wer die meisten Leser hat, verdient am meisten. Und es ist leider auch nicht erst seit heute so, dass es weniger intellektuelle Menschen gibt. Das wäre mal ein Thema, dass man im wahrsten Sinne des Wortes tot schweigen kann, was natürlich für “den Aufschrei” nicht gilt.

  29. Einige beschweren sich hier über Bevormundung und damit Zusammenhängendes.
    Einige beschweren sich hier darüber, wer Dschungelcamp gucke, der dürfe sich nicht über selbst erlebte sexuelle Belästigung beklagen.
    Einige beklagen die Vernachlässigung der wirklich schlimmen Probleme auf dieser Welt.
    Und einige nehmen die Teilnehmer im Dschungelcamp in Selbstverantwortung, da sie ja schließlich freiwillig dort waren.

    Das sind ja alles berechtigte Meinungen,
    aber darum geht es in diesem Blog doch hauptsächlich gar nicht.

    Die Grundaussage ist meinem Verständnis nach folgende:
    Es geht hier nicht um jene, die wirklich sexuell belästigt wurden; es geht hier nicht um jene, die selbst entscheiden wollen und dürfen, was sie im TV ansehen; es geht hier nicht um die leider existierenden schrecklichen Gewalttaten auf der ganzen Welt; und es geht hier auch nicht um den Schutz der Campbewohner.

    Sondern es geht um jene, die gleichzeitig das Wort (und nur das Wort) ergreifen gegen Sexismus und sich gleichzeitig mit selbigem im TV freiwillig unterhalten lassen, sprich: sie genießen einerseits das, worüber sie sich andererseits in öffentlichen Beiträgen zum Thema Sexismus entrüsten.
    Auf diesen Widerspruch soll hier m.E. hingewiesen werden und hoffentlich den ein oder anderen zum Nachdenken bewegen.

    Dann könnten die unzähligen Beiträge im Netz zur aktuellen Diskussion auf die wirklich Betroffenen und auf die aufrichtigen Gegen- oder Fürsprecher von Sexismus stark reduziert werden.

    Zugegeben: Nicht jeder Konsument von Dschungelcamp oder Sendungen mit ähnlichem sexistischen Inhalt, ist sich dessen bewusst, was er sich da eigentlich reinzieht, denn das TV ist bestens geeignet sich berieseln zu lassen ohne dabei groß nachzudenken (wie einige hier ja schon offen bekannten “Hirn abschalten“).
    Wenn solche TV-Konsumenten dann etwas gegen sexistisches Verhalten sagen, so kann das durchaus ernst gemeint sein, da sie einfach nicht mit einem wachen Geist Fernsehen.

    Solche sollen hier aber ja mal aufgerüttelt werden. Allerdings stelle ich fest, dass dies in ein anderes Thema hineinführt: Kann man Medien völlig neutral konsumieren? Sowohl in der Empfängerrichtung, d.h. ich erfahre keine Beeinflussung vom Medium, als auch in der Senderrichtung, d.h. was ich konsumiere sagt nichts über mich selbst aus.
    Ich stimme Beidem nicht zu. Aber das ist ja wie gesagt ein separates Thema, nicht wahr?

    • Wenn man dem Bericht tatsächlich entnehmen könnte, worum es dem TO wirklich geht, gäbe es wohl kaum so viele konträre und – angeblich vom Thema abweichende – Kommentare und Meinungen.

      • mir sind vor allem kommentare aufgefallen, die eindeutig von falsch verstandenen text herrühren! der bericht ist gut und zeigt eine perspektive, mit der es sich zu beschäftigen lohnt.

  30. Das ist schon sehr an den Haaren herbei gezogen, das Dschungelcamp mit sexueller Belästigung oder gar mit GEWALT GEGEN FRAUEN, das das eigentliche Thema sein sollte, gleichzusetzen. Im Dschungelcamp ist man freiwillig und gut bezahlt. Basta.

    In diesen #aufschrei-Debatten kommt viel durcheinander. Und ich hoffe stark, dass alle Beteiligten ihre Hausaufgaben gemacht haben, die Sache mit ihren Eltern aufgeklärt und einigermaßen verarbeitet haben, damit der Blick auf die Realität nicht zu stark seltsam eingefärbt wird …

    • Vielleicht mal eines zum Verständnis: Ich habe den Text als jemand geschrieben, der das Dschungelcamp in voller Länger erst ein einziges Mal gesehen hat. Und zwar beim Finale. Was mich daran schockiert hat, habe ich beschrieben. Natürlich ist man im Dschungelcamp freiwillig. So freiwillig, wie man eben Schulden durch gefilmte Kakerlaken-Mahlzeiten abträgt. Oder so freiwillig, wie man eine Kamera braucht, um seine Karriere wieder ans Laufen zu bringen.

      Der Link zwischen dem Machtmissbrauch, um den es zu Anfang der #aufschrei-Debatte ging und der medialen Macht, die diese Zwangslagen ausbeutet, scheint mir nicht gut gelungen zu sein. Was definitiv falsch formuliert war und woran sich viele reiben, war mein oberlehrerhafter Ton, mit dem ich aber niemandem das Recht absprechen wollte, sich am #aufschrei zu beteiligen. Es sollte nur ein Denkanstoß sein, der darauf hinweist, wie sich Mechanismen ähneln und wie die Gier nach sexualisierten Bildern und gezeigter Demütigung für Quote sorgt. Mehr nicht.

      Leider bin ich damit zwischen alle Fronten geraten. Zumal ich unterschätzt habe, wie viele Leute diesen Text lesen würden. Nie hatte ich vor, tatsächlichen Missbrauch zu verharmlosen oder irgendjemand den Mund zu verbieten. Was die Diskussion für mich mittlerweile unerträglich macht, ist die Geschwindigkeit, mit der zur Zeit diejenigen Frauen und Männer gegeneinander aufhetzen lassen, die eigentlich im realen Leben ein aufgeklärtes und repressionsfreies Miteinander pflegen können. Das tut mir wirklich leid.

      Ich finde die Lagerbildung unerträglich, die keine Meinung der Gegenseite auch nur hören will und in 140 Zeichen dämonisiert. Die Possenreißer, die Beißreflexe, die Pranger, den unreflektierten Hype und die Verwertungsmaschine, die jetzt am Kiosk und im Fernsehen Kasse macht. Außerdem möchte ich Dir und allen, die sachlich kommentiert haben, danken. Man kann über einen nicht so gut gelungenen Text sprechen. Und zwar am besten dort, wo er stattfindet. Dafür wurde die Kommentarfunktion von Blogs erfunden.

      • Zitat Peter Breuer: ” … Vielleicht mal eines zum Verständnis: Ich habe den Text als jemand geschrieben, der das Dschungelcamp in voller Länger erst ein einziges Mal gesehen hat. Und zwar beim Finale. … ”

        Jetzt muss ich aber herzhaft lachen!

        Da schreibt einer seitenlange Abhandlungen über eine Sendung, die er nicht einmal richtig kennt. Bravo! Das nenne ich mal “fundierten Journalismus”.

        Neee, ach sooo, das war ja nur der Aufhänger für eine philisophische Abhandlung über Sexismus und Gewalt. Sorry … ;-)

        Über die “medial-sexistische” Gewalt, von wem auch immer ausgeübt und wie sich dann darstellen und auswirken möge, kann man natürlich in jeder Lebenssituation trefflich streiten. Und viel Wahres oder Tinnef darüber schreiben.

        Vorschlag: Diskutieren wir doch mal über Gewalt, Sexismus und andere verwerfliche Dinge, die wir z. B. im täglichen Kinderprogramm auch der etablierten, mit Zwangsabgaben geförderten Sender, erleben dürfen (die Maus mal ausgenommen) oder über dergleichen in Mickymausheftchen und Konsorten.

        Wenn man sich über etwas auslassen will, findet man(n) immer ausreichend Ansätze, vielfältige (genehme) Auslegungen und stets Argumente, auf der/die Eine oder Andere allzu gerne anspringt.

        Das ist wie Handlesen, irgendwas “Wahres” trifft man immer.

      • Sicherlich nicht. Aber ich bezweifele, dass Sie es verstanden haben und ich bezweifele sehr, dass Ihre konstruierten Zusammenhänge und Ableitungen auch nur halbwegs fundiert sind.

        Und ich wiederhole das, was ich schon einemal schrieb: “Wir brauchen keine missionare … ” – und bestimmt keine Leute, die aus jeder Mücke einen Elefanten machen.

        Ich warte jetzt auf Ihre Essays zum Thema “Gewalt in Mickeymausheften und Tom-und-Jerry-Filmen”. Da geht es ganz anders her als im Dschungelcamp. ;-)

    • Nach meinem Verständnis geht es hier um die Betrachter (und Genießer) des Dschungelcamps, die gleichzeitig ablehnende Kommentare zum Sexismus veröffentlichen. Diese sollten sich wohl möglichst mal hinterfragen, ob das so zusammen passt (ich drücke das hier mal ganz einfach aus). Ich kann überhaupt nicht erkennen, dass Peter Breuer bezüglich Dschungelcamp von sexueller Belästigung spricht. Sondern vielmehr von der Zurschaustellung sexistischer Inhalte und deren Akzeptanz durch den Zuschauer. Zudem finde ich es wichtig zu beachten, dass in der öffentlichen Diskussion neben Berichten über sexuelle, körperliche Gewalt auch sehr viel und oft über Sexismus auf der verbalen und visuellen Ebene berichtet wird. Diese Ebene ist m.E. beim Bezug zum Dschungelcamp hier gemeint.

  31. apropos “Brüderle-Attacke”….Ich kann es nicht fassen ! Hier wurde eine Diskussionswelle von ach so hochintelligenten Menschen losgetreten…, wegen einer Harmlosen, alltägliche Situation an einer Bar, bei der Millionen andere Frauen ganz einfach mit einer schlagfertigen Antwort den Ball zurückgeschossen hätten….Herr Brüderle kennt wohl die potentiellen Wähler in Deutschland sehr gut, und der Plan von ihm und der Dame scheint aufgegangen zu sein……

    • “Millionen anderer Frauen hätten ganz einfach schlagfertig zurückgeschossen” – wenn Sie sich da mal nicht verkalkulieren….
      die Einschätzung ob so etwas harmlos ist, geht doch wohl sehr auseinander, bloß weil dies für SIE so ist, heisst das noch lange nicht, dass dies für alle so ist. Ich wollte nicht auf diese Art angesprochen werden. Ein menschlicher respektvoller Umgang sieht für mich anders aus.
      Außerdem geht es schon längst nicht mehr um Brüderle, sondern um etwas viel Größeres, Weitreichenderes, das Gott sei Dank von einer ganzen Menge “ach so intelligenter” Menschen auch erkannt und diskutiert wird.

  32. @Peter Breuer
    ich finde Ihre geäußerten Ideen spannend und von der Tendenz richtig und wichtig.
    Ich habe den entsprechenden so sehr kritisierten Satz ehrlich gesagt überhaupt nicht als allgemein gemeint angesehen, sondern eben nur in Bezug eben auf solche Schreiber, wieder der dort zitierte, der dies ja schon selbst als Vorlage benutzt hat, um sich ordentlich in übelsten Zoten zu ergehen, sich geradezu darin zu baden – die ich persönlich auch sehr geschmacklos und abwertend finde.

    Und ich persönlich mag auch solche um jeden Preis nach Sensationen heischenden Sendungen nicht.
    Und wenn ich höre, dass nach neuesten Untersuchungen unter Studenten die Empathiebereitschaft im Vergleich zu ihren Kommilitonen von vor 20 Jahren um 40% abgenommen hat (ich weiss leider nicht mehr in welchem Medium ich dies hörte), dann zeigt dies einen anderen Aspekt, der warscheinlich in irgendeiner Form mit derartigen Phänomenen in Zusammenhang steht.

    Natürlich gibt es Sexismus schon viel länger, als es solche Entwicklungen in den Medien gibt, aber ich denke auch, dass diese Entwicklungen zumindest auch nicht gerade dazu beitragen, zu einem respektvolleren Umgang unter uns Menschen zu finden.

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