Pesto-Test

 gesamt

Das ist brillant, aber leider nicht von mir, sondern von Jess. Dem Freund von Harry, dem Freund von Sally. Und als Gegenstand der Betrachtung wäre es natürlich zeitgemäßer über eine Salsa zu schreiben, diese Olivenpampe, die seit einiger Zeit zu allem gereicht wird, was alleine armselig aussähe.

Aber als Kind der 80er liebe ich Pesto und finde nichts schöner als das Aroma der ätherischen Öle, die beim Verarbeiten des Basilikums aus dem Mörser steigen. Die aphrodisierende Wirkung spielt dabei für mich nach zwei Tellern Nudeln keine Rolle mehr. Wichtiger ist der Mix aus Pecorino, frisch geriebenem Parmesan und leicht angerösteten Pinienkernen. Die Zugabe von Olivenöl, Salz und Knoblauch variiere ich dabei von Mal zu Mal. Freestyle eben.

Nun habe ich aber nicht immer Lust und Zeit, mein Pesto selbst anzurühren und finde gleichzeitig, dass Menschen, die ihre Kinder mit Ketchup und Spaghetti abfüttern durchaus Bekanntschaft mit der Supernanny oder wenigstens Jürgen Dollase machen sollten. Die Alternative: Fertigpesto aus dem Supermarkt. Allein mein EDEKA führt fünf verschiedene Sorten. Leider bin ich nicht markenbewusst und kaufe grundsätzlich, was mir zuerst unter die Finger kommt. Das führt zu Enttäuschungen. Also habe ich die fünf vorhandenen Sorten zur Simultan-Verkostung beschafft. In der Absicht, vom Siegerprodukt eine Palette zu bunkern. Die Kandidaten sind: Barilla / Pesto alla Genovese, außerdem die Marken Sacla, Bancetto – ebenfalls mit dem klassischen Genovese-Rezept. Dazu noch Bertolli mit einer Pesto verde und Buitoni mit einer Pesto Basilico.

buitoni

1 Buitoni / Pesto Basilico

Öffnet man das Glas, findet man gleich unter dem Deckel eine homogene grüne Struktur. Kein abgesetztes Öl, sondern einen angenehmen Grünton, der knapp unter dem Deckel endet. Der erste Eindruck: Das Pesto ist würzig, aber nicht überwürzt und die Textur des Basilikums ist auf der Zunge spürbar. Die Konsistenz ist relativ sämig – offenbar durch die Zugabe von Cashewkernen. Gleichzeitig schmeckt man sowohl den Parmesan, als auch die Pinienkerne heraus. Gar nicht übel für den Anfang.

Bancetto

2. Bancetto / Pesto alla Genovese

Das Pesto schwimmt im Öl, ist leicht suppig und das Aroma des Öls ist nicht wirklich frisch, sondern ein wenig ranzig. Angenehm dagegen das Basilikum, dessen Struktur sehr deutlich auf der Zunge zergeht. Der Grana Padano ist kaum wahrnehmbar, wogegen die Cashew-Kerne als „Sättigungsbeilage“ dominieren. Ein wenig zu viel Salz und – wie anfangs erwähnt – deutlich zu viel Öl. Der Gesamteindruck ist sehr mäßig und über das Aroma von Pinienkernen würde man sich wirklich freuen.

bertolli

3. Bertolli / Pesto Verde

Schon nach der ersten Löffelspitze möchte man aufgeben. Mit einer Packung Jodsalz wäre man billiger davongekommen. Das Pesto selbst hat die Konsistenz eines Hipp-Glases, jedes changierende Geschmackserlebnis wurde zu Brei püriert. Einem Brei, der leider enorm versalzen ist und seine 2.5 Prozent Pinienkerne unter einer buttrigen Paste versteckt. Allerdings: Sehr fein auf schwach gesalzenen Nudeln verteilt, war das Pesto durchaus genießbar und der feine Umgang mit sehr frischem Olivenöl ist lobenswert.

Sacla

4. Sacla / Pesto alla Genovese

Das Design des Etiketts lässt vermuten, die Gläser würden in einem Schuppen neben einer Mailänder Mautstation von der Resterampe verhökert. Jedoch nach einem kräftigen Knacken enthüllt es – echt gutes Pesto. Zwar kräftig gesalzen, aber mit einem Meersalz, dessen kristalline Struktur noch zu spüren ist. Mit Basilikum-Blättern, die noch eine pflanzenähnliche Kraft auf der Zunge entfalten und – wie wohltuend – ohne Cashew-Kern-Paste, sondern mit echten Pinienkernen. Das Olivenöl ist frisch und der Käseanteil zum ersten Mal angenehm deutlich als eigene Note vernehmbar.

barilla

5. Barilla / Pesto alla Genovese

Sorry Barilla. Das mag 100 % Naturale sein, aber es schmeckt wie versalzende Schuhcreme. Das Olivenöl ist eine untrennbare Verbindung mit allen anderen Zutaten eingegangen und statt texturiertem Pesto entpuppt sich die Mischung als pastose Pampe. Zu hell, zu klein gemörsert und ohne jede Chance, im zweiten oder dritten Moment ein neues Geschmackserlebnis zu entfalten. Zu salzig, zu pampig und der Käse wird zum Emulgator einer gleichförmigen hellgrünen Masse. Das geht gar nicht.

Das Urteil fällt eindeutig aus: Wenn die Zeit zu knapp für frisches Pesto ist – gehen nur Sacla / Pesto alla Genovese und Buitoni / Pesto Basilico. Der Rest scheidet sofort aus. Einen Ketchup-Test wird es übrigens nicht geben. Sorry.

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