Tiefergelegt schreiben.

Heute morgen während der Inspektion in einer Autozeitung geblättert und erschrocken. Es hat sich seit dem Ford Capri nichts an der Sprache von Autojournalisten geändert. Im Spannungsfeld von Testosteron und Testarossa pflegen Autojournalisten Uralt-Stereotypen der onkelhaftesten Sorte. Mit einem kleinen Schnellkurs könnte man jeden Schülerzeitungsredakteur für die Marktführer im Motormarkt fit machen:

Breitreifen heißen immer Walzen und beim Motor bedient man sich beim „allseits bekannten V6-Aggregat aus dem Konzernregal“ und lässt Blechkleider von Altmeistern schneidern.

Fährt die Karre schnell auf Matsche, lässt sie auch auf schwierigem Geläuf die Muskeln spielen. Und kommt der Wagen aus Frankreich, bietet er natürlich „savoir vivre auf Rädern“.

Passender Textbaustein: „Die Sänfte trägt einen sicher durch jeden Pyrenäenpass“. Neigt das Fahrzeug dazu, in Kurven lebensgefährlich auszubrechen, umschreibt man das im Sinne des zahlenden Konzerns mit „launigen Heckschwenks“.

Motoren, deren Geräuschpegel unterhalb einer Baumaschine liegen, „wirken kultiviert und entfalten 217 muntere Pferdchen.“ Wichtig: Ist es ein Kleinwagen, empfiehlt sich die Formulierung „Giftzwerg“. Außerdem müssen Metaphern aus der Mottenkiste der Bildsprache her. So etwas wie „…hängt gierig am Gas wie Omis Kläffer am Halsband“ oder „…fällt das Drehmoment über die Hinterräder her wie eine Büffelherde”.

Sexistisch geht auch immer – gerade wenn die Formensprache beschrieben wird. Längst gibt es keinen Kofferraum mehr, sondern nur noch „wohlgeformte Hintern, die sich sanft hinter der C-Säule auswölben“.

Zum Schluss: Ein Kofferrauminhalt MUSS in Bierkästen gemessen werden. Sonst ist es kein seriöser Autotest.

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