Vernissage

„Guten Tag, wir haben uns noch nie gesehen, aber ich möchte Ihnen etwas unterstellen: Sie haben ein Leben lang darauf gewartet, bei einer Ausstellungseröffnung auf dem kleinen Stühlchen hinter der Besuchermenge  sitzen zu dürfen. Offiziell natürlich, weil sie nicht so lange stehen können. (Zwar glaubt man Ihnen, aber Sie sind so fit wie eine 55jährige.) In Wirklichkeit ist das hier die willkommene Gelegenheit, endlich mal die Reden auszulassen und sich danach ganz den Bildern und dem Sekt zu widmen.

Ich könnte Ihnen auf den Kopf zusagen, dass sie als Kind Huckleberry Finn lieber als Nesthäkchen mochten. Natürlich schneiden Sie vor dem Spiegel manchmal Grimassen und lachen mit Schluckauf, wenn Sie mit ihren furchtbar langen Schnallenschuhen eine Charleston-Figur ausprobieren. Vielleicht ist das alles nur Unsinn, aber ich habe mit führenden Faltenexperten gesprochen: Diese wunderbaren Krähenfüße in den Augenwinkeln muss man sich so hart erarbeiten, dass man es nur mit einem kindlichen Gemüt schafft.“

Foto: Vernissage anlässlich der Wiedereröffnung Von-der-Heydt-Museum 25. März 1990

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