Hinter Glas

Es ist der Sommer deiner großen Sonnenbrille. Sie ist so groß, dass du im Augenwinkel die Haarsträhne über deinem eigenen Ohr sehen kannst. Die Brille mildert die Kontraste und lässt Regenfronten als heitere Cumuluswolken erscheinen. Dein Kopf bleibt ruhig und hinter dem braunen Glas ist dein neugieriges Augenspiel nicht zu sehen.

Die Brille macht dich unsichtbar und das ist dir recht. So nimmst du unbemerkt einhundert Details in der Minute wahr, baust sie in kleine Geschichten ein, formulierst und verwirfst. Zu viel Material, um alles zu verarbeiten. Aber es ist Teil deines Plans, möglichst viel von dieser Welt zu verstehen und dich eines Tages selbst mit dem großen, alles erklärenden Roman zu überraschen. Wenn du die Augen ganz leicht zusammenkneifst und nur auf die spiegelnde Innenseite der Gläser achtest, kannst du schon einen Blick auf die Protagonistin werfen. Sie ist eine starke, sich entwickelnde Figur.

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