Ein feinmaschiges Netz von Versorgungsleitungen und asphaltierten Wegen liegt über dem Land. Und trotzdem gibt es einige wenige Menschen, denen es gelingt, sich der geometrischen Ordnung der Dörfer und Städte zu entziehen. Nicht am Rand, das wäre zu auffällig. Sie finden treffsicher die toten Winkel, die Stille zwischen den sirrenden Kabelsträngen und dem letzten Stück Wildwuchs zwischen planvoll kultivierten Landschaften.

Wallys Reich lag hinter einer Windschutzhecke im Grünland eines Landwirts. Nicht einsehbar von der entfernten Landstraße und ohne erkennbaren Trampelpfad zu ihrer Hütte. Ganz selten sah man sie von weitem, in ein Lodencape gehüllt und von ihrem Schäferhund begleitet. Die Leute im Dorf tuschelten über ihren muffigen Geruch und die Zahl der Katzen, die sie angeblich in ihrem Verschlag hielt.

Der Geruch ungewaschener Kleidung stand tatsächlich in ihrer Behausung, aber als ich sie besuchen durfte, bemerkte ich nur eine einzige große Perserkatze, die sich auf der schmutzigen Wolldecke ihres Sofas in der Sonne räkelte. Neben einer durch und durch in sich ruhenden Person, deren Besitzstand in einen einzigen Koffer gepasst hätte. Ein paar Bilder, wenige Haushaltsgegenstände, die wohlsortiert und abgenutzt an ihrem Platz lagen.

Sie wusste um das Getuschel hinter ihrem Rücken und es interessierte sie nicht. Weil sie sich sicher war, mit über 70 Jahren ihren Lebensentwurf gefunden zu haben. Wally hatte das Leben von vielen Seiten kennengelernt und fand, sie habe alles gehabt: Ein Studium an einer renommierten Kunstakademie, danach eine glückliche Ehe mit Kindern. Zwischendurch ein Weltkrieg und Not, aber das tat sie als Betriebsunfall ab. Ihr Mann war nun seit Jahren tot, die Kinder auf der ganzen Welt verteilt. Mit ihrer winzigen Rente erfüllte sie sich jetzt den Traum ihres Kunststudiums: Ein kleines Stück Land, dem sie mit ihren Händen eine Form geben konnte. Hinter dichten Hecken versteckt und jedem bürgerlichen Maßstab entzogen.