Nachbilder

Was bleibt, wenn man die Augen schließt? Grob gesagt – das Gegenteil dessen, worauf man vorher konzentriert gestarrt hat. Mal angenommen, hier wäre das Bild eines weißen Schäferhundes auf schwarzem Grund zu sehen. Das betrachtet man einige Zeit bei gleißendem Licht und schließt dann die Augen. Auf den Innendeckeln der Augenlider ist nun ein im Schnee spielendes schwarzes Kätzchen zu sehen. Das klappt so extrem natürlich nur bei visuell sehr geschulten Menschen.

Für alle anderen ist es simpler: Das After Image ist der Nachgeschmack des Auges. Wer die Stäbchen und Zapfen seiner Netzhaut zu lange einem bestimmten Reiz aussetzt, dem prägt sich die negative Version dieses Bildes ein. Praktisch nutzen lässt sich das eigentlich nur in einer großen Yves Klein-Retrospektive. Wer die gelben Monochrome des Frühwerks nur lange genug anschaut, kann sich den Saal mit den berühmten blauen Bildern komplett schenken.

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