Where is the love?

 

Die Kerze tropft auf das karierte Tischtuch, der Teller mit den Muschelschalen ist übervoll und der Pinot ist mal wieder schneller leer geworden als die Wasserflasche. Es ist spät, wir sind die einzigen Gäste und Pietro bringt den obligatorischen Grappa Julia an den Tisch. Umgefüllt in eine von den grotesk hohen Flaschen, deren Inhalt viermal so teuer ist.

Während wir schon zahlen, wechselt der Pizzabäcker die Italo-Pop Vol. 3 gegen seine eigene CD. „You gotta have love just to set it straight, take control of your mind and meditate” spricht ein heiserer Hip-Hopper in sein Mikrofon. Atemlos, rhythmisch, jedes zweite Wort ein kurzer Herzschlag, jede Atempause ein starker Beat. Irgendetwas scheint politisch nicht in Ordnung zu sein mit dem System der USA, es wird von der CIA und einigen verfeindeten Gangs unterwandert. Aber die Aufforderung zur Revolution durch Liebe klingt viel ehrlicher als all die Pupos, Zuccheros und Cutugnos, die wir beim Essen hörten.

Dann kommt der Refrain. „Father father father help us” bittet eine Sängerin im Melodiepart und wird gleich wieder unterbrochen von dem aufgeregten Schwarzen, der Selbstsucht und fehlende Gleichheit der Gesellschaft geißelt. Irgendwann stimmen drei Rapper und die Sängerin die Frage nach dem Verbleib der Liebe an. Mit „Where ist the Love?” gehen wir in die kalte Nacht und überlegen, ob wir uns nicht am Feuer einer brennenden Mülltonne küssen sollten.

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