Gehirn und Kochen

Vor über zwei Millionen Jahren verdoppelte sich die Größe des menschlichen Gehirns im Vergleich zu unseren Primatenkollegen. Gebracht hat das erstmal nichts, weil es unsere Spezies vorzog, weiterhin mit Steinen nach Tieren zu werfen und deren Fleisch roh und ohne Gemüsebeilage vom Knochen zu nagen.

Erst die Erfindung des Kochens vor 150.000 Jahren, sagt der Biologe Philipp Khaitovich [Genome Biology 2008, 9:R124], habe mit der optimierten Nährstoffversorgung ein paar raffiniertere Programme auf die große Festplatte gespielt. Bessere Werkzeuge und schicke Klamotten wurden erfunden und künstlerische Fertigkeiten entwickelten sich. Vermutlich waren es Formen früher Tellerdeko und die Frage, ob eine einzelne Kapstachelbeere neben einem Wildschwein nicht lächerlich wirkt.

Inzwischen hat die Evolution ihren Höhepunkt erreicht. Unser Gehirn ist in der Lage, Webadressen von Sushi-Lieferdiensten problemlos abzuspeichern. Selbst im Bioladen werfen anthroposophische Frauen in bodenlangen Filzgewändern Convenience-Food in Demeter-Qualität in die Einkaufskörbe. Das Kochen verschwindet, es ist eine Entwicklung zurück zu unseren Wurzeln: Wir ziehen uns kalte Fische rein und verbrennen Rauke-Pizza in Hightech-Öfen. Und wenn man die Geländewagen vor dem Bioladen parken sieht, möchte man sogar glauben, dass das Gehirn wieder schrumpft.

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