Schwarz-weiß

Die Extreme sorgen für die prägenden Momente. Nicht der gleichförmige Strom einer mittelmäßig geordneten Existenz setzt alle 100 Billionen Synapsen in Bewegung, sondern die durch partielle Blindheit ausgelöste Euphorie oder der Marianengraben der Enttäuschung. Lebensratgeber haben deshalb Umschläge mit knallbunten Marienkäfern und auf dem Klappentext steht nie: „Kennen Sie dieses wohlige Gefühl, mit einigermaßem sattem Bauch bei 21 Grad Zimmertemperatur ein Herrenhemd zu bügeln, während Grey’s Anatomy läuft?“ Nein – es muss ja immer gleich Glück sein oder mindestens ein Flow-Erlebnis, das selbst die Hausarbeit zur Endorphindusche macht.

Viele der extremen Momente sind ballaststoffreich. Das klingt zunächst gesund, ist aber nicht unbedingt leicht verdaulich. Mit Mike Tyson etwa würde niemand die Stunden des Seilspringens in einer stinkenden Turnhalle verbinden. Die 50.000 Schläge gegen einen Sandsack und die vielen Kilometer auf Joggingschuhen. Woran man sich erinnert, sind triumphale Titelkämpfe, seine enormen Schwierigkeiten mit dem verdammten Testosteron und an das abgebissene Ohr von Evander Holyfield. (Das war übrigens am 28. Juni 1997. Keine Ahnung, warum ich gerade heute darauf komme.) Er hat die Pole von sehr reich bis sehr pleite ausgelotet, ist gefeiert und gehasst worden und möglicherweise wünscht er sich in den hellen Augenblicken seines durchgeschüttelten Gehirns, er wäre einfach nur ein bisschen gemocht worden, weil er seine Sneakers so cool schnüren kann.

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