Onkel Paul

Beharrlichkeit und Bauernschläue katapultierten ihn aus der finanziellen Malaise seiner kleinbürgerlichen Herkunft heraus. Mit einem „Royal“ im Namen seines Wurstimperiums hatte er sich gleichsam geadelt und fuhr im Bentley zu den Empfängen der besseren Gesellschaft. Dort empfand man ihn trotz der Anerkennung für seinen über Jahrzehnte erarbeiteten Wohlstand als Fremdkörper.

Seine maßgeschneiderten Anzüge kopierten die protzigen Schnittmuster einer längst vergangenen Epoche und sein brüllendes Gelächter erschien nur als Vorwand, die hervorragende prothetische Versorgung seiner Molaren zu dokumentieren.

Die Kinder allerdings liebten „Onkel Paul“, wie er sich gerne selbst nannte. Sie mochten die unverstellte Freude, mit der er den Rauch seiner Zigarren zu Herzkringeln blies und sie kreischten vor Vergnügen, wenn er zur vollen Stunde an seiner armdicken Kupferkette zog und aus seiner Uhrentasche eine echte Schwarzwälder Kuckucksuhr zu Tage förderte.

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