Adams Apfel

Vor zwei Jahre fanden Paläoanthropologen nördlich von Addis Abeba eine 4,4 Millionen alte Frau. Sie hatte unrasierte Beine, ungewöhnlich lange Zehen und einen lieben Mann, der weniger aggressiv war als diese unkultivierten Affen, die sich ein paar Jahre zuvor noch um Damen wie sie geprügelt hätten.

Zwar lebte sie teilweise auf Bäumen, klammerte sich aber nicht an den Zweigen fest, sondern spazierte grazil auf Ihnen herum und verfiel auch auf festem Boden nicht in einen äffischen Knöchelgang. Friedemann Schrenk, der am Frankfurter Forschungsinstitut Senckenberg als Professor für Paläobiologie arbeitet, stellte 2009 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung fest, dass der aufrechte Gang des Menschen nicht in baumlosen Steppen entstand. Immer seien es die lichten Buschlandzonen am Rand von Regenwäldern gewesen, wo der Affe zum Menschen wurde.*

Offenbar ist die Entscheidung zum aufrechten Gang also nicht die metaphorische Haltungsfrage, die Moralisten so gerne darin sehen. Es scheint lediglich ein pragmatischer Evolutionschritt zu sein. Warum sollte man sich mit krummem Rücken nach einem faulen Äpfelchen im Gras bücken, wenn man ebensogut mit gestrecktem Oberkörper nach der knackigen Frischware am Baum greifen kann?

*SZ, 2. Oktober 2009

Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s