Mark

Ich öffnete eine kleine Dose Tomatenmark und bog vorsichtig den scharfkantigen Blechdeckel zurück. In der Mitte des Inhalts ein sauber hineingedrücktes Herz. Keine Luftblase, kein Zufall, sondern eine negativ ausgeformte Kleinskulptur – mitten im Mark. Ein glückhafter Tag.

Aufgeregt suchte ich die Blechdose nach Indizien ab. „Doppio Concentrato die Pomodoro“ und ganz winzig, eine Telefonnummer aus Sarno, einem kampanischen Kaff. Mein Gespräch mit der Qualitätssicherung, gebrochenes Englisch auf beiden Seiten, war kurz. Der Vorfall sei ihnen bekannt, die betreffende Mitarbeiterin längst gefeuert.

Sie habe nicht nur meine Dose verziert, insgesamt seien etwa 1000 Tomatenmarkdosen mit einem Herz in den Handel gelangt. Schlampe.

3 Gedanken zu „Mark“

  1. Die verletzte Eitelkeit zieht auch bei gebrochenen Tomatenherzen besonders harte Schlüsse. Möge sich ein solitär-persönlicher Salatkopf mit Herzblatt finden! Man muss es ja keinem mitteilen oder mit keinem teilen. Außer mit dem eigenen Gefallen an der heimlichen Botschaft.

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