Schami

Mein Lieblingstaxifahrer Schami ist Perser. Nie hat er schlechte Laune und wenn das Lokalradio behauptet, in Hamburg scheine zur Zeit die Sonne, obwohl es in Strömen regnet, lacht er Tränen. Er beugt sich dann über das Armaturenbrett, dreht den Kopf in den Himmel und zeigt nach oben. „Kann natürlich sein, Radiostation ist 400 Meter weit weg. Für Wetter ist das viel.“

Wir unterhalten uns über den Besitzer unserer gemeinsamen Tankstelle. Schami sagt: „Ein dummer Mann“. Ich will mir über die Intelligenz des Mannes kein abschließendes Urteil erlauben, weise aber darauf hin, wie unfreundlich ich ihn finde. „Eben“, sagt Schami, „aber ich habe ihn gebrochen“. Gebrochen ist ein ungewöhnlich starkes Wort für meinen Taxifahrer, ich hake neugierig nach.

„Weil er immer so unfreundlich war, bin ich eine Zeitlang oft zu ihm gefahren. Ich habe mir das Wasser für die Scheibenwaschanlage nachfüllen lassen, den Ölstand kontrollieren und den Reifendruck messen lassen. Jedes Mal habe ich ihm viel zu viel Trinkgeld gegeben. Mal fünf Euro, manchmal sogar zehn.“ „War er nun freundlich?“, frage ich. „Genau“, sagt Schami. „Und als er endlich richtig freundlich war, bin ich nicht mehr zu ihm gefahren. Wir haben uns dann zufällig in der Stadt getroffen und er hat mich darauf angesprochen. Da habe ich ihm gesagt, dass er ein dummer Mann ist. Freundlich muss man sein, bevor man ein Trinkgeld bekommt. Nicht hinterher.“

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