Danke

Am Dienstag abend postete ich auf Twitter dieses Foto, das ich auf der Pinnwand meines Supermarkts sah. Dass ein Kind dieses begehrte Sammelalbum verkauft, für das sich seit Wochen Kinder im Kassenbereich entleiben, machte mich aufmerksam. Der Wunsch, den Erlös in eine Geige zu investieren, fand ich extrem ungewöhnlich.

Wie schnell Twitter als Echtzeitmedium ist, haut mich immer wieder um. Es dauerte exakt 19 Minuten inklusive des Austauschs von Adressen und Bankdaten, bis das wertvolle Album bei seiner Besitzerin bleiben konnte – weil sich nicht nur ein Instrument, sondern auch Geld für die ersten sechs Geigenstunden fanden.

@rudolfanders versprach, eine Geige zu senden, @theQ_ffm und die @textzicke überwiesen Geld. Heute morgen konnte die achtjährige Geigenschülerin ihr Instrument und einige Geldscheine im Geigenkoffer entgegennehmen. Sie hat sich riesig gefreut und schickt Euch ein ganz großes DANKE!

14 Gedanken zu “Danke

  1. Oh liebe Leute, ihr diskutiert hier eifrig darüber, was die Spender oder Unterstützer dieser Aktion bewegt hat. Völlig unwichtig. Was mich am meisten beeindruckt, ist die Tatsache, dass ein Kind eine Geige haben möchte. Das kommt nun weiß Gott nicht alle Tage vor, dass ein Mädchen so viel Interesse und Begeistung für das selten gepflegte Kulturgut klassische Musik hat, dass es dafür bereit ist, sein Album abzugeben. Das ist die eigentliche Sensation. Ich wünsche dem Mädchen, dass es viel Freude mit der Geige und der Musik hat und damit vielleicht einen Lebenstraum verwirklicht.

  2. Chapeau!

    Vielen Dank an die Spender, ich ziehe den Hut vor euch. Dieses Kind wird mit Kunst aufwachsen und selbst wenn ihr Durst nach musischen Dingen auch vielleicht nur kurz sein wird, ist mir DAS hier tausend mal lieber, als den rotzenden „Diggeralders“ eine Zigarette nach einer Schnorr-Attacke zu geben und mich Beleidigen zu lassen, wenn ich erwähne das ich Nicht-Raucher bin.

    Klar gäbe es dringenderes „Leid“ in der Welt als das geschilderte. Aber auch geistige Nahrung ist wichtig.

  3. Ich finde die Aktion klasse, da gibts nichts zu diskutieren oder zu drehen.Es zeigt nur, was die Bereitschaft zum helfen für Auswirkungen haben kann.Man stelle sich vor, die Gesellschaft untereinander würde sowas überall praktizieren.Es wäre auf jeden Fall ein Weg, auch für Benachteiligte ein Stück Freude in dieser Welt zu schaffen.

    Bei meinem letzten Einkauf, stand eine Nonne im Kassenbereich und ich hatte beim warten Gelegenheit, zu beobachten wieviele Menschen achtlos vorbeigehen. Als ich sie dann Ansprach und fragte, wofür sie den Spenden sammle, sagte sie mir das dadurch Kinder aus mittelosen Familien an einem Ferienlager und anderen Freizeitaktivitäten teilnehmen können.Ohne zu zögern hab ich was in die Spardose gesteckt, nicht um mich selbst besser zu fühlen, sondern weil ich selbst Kinder habe und mir auch für alle anderen Kinder, die Möglichkeit wünsche am Leben teilzuhaben.Ohne grundlegende finanzielle Beschränkungen.

    Ich wünsche dem Mädchen viel Erfolg und Freude mit und an dem Instrument.

  4. Also ich habe mich sehr gefreut davon zu lesen, schöne Aktion. :)

    [Wo war Mara Meier eigentlich als für das Macbook von @hoch21 gesammelt wurde?]

  5. Hallo Mara,
    das ist schon ein bisschen Adorno proseminaresk, Dein Einwand, oder? Wenn das einer meiner Töchter gelänge fände die das nur grossartig und würde Geige und Album fortan wie einen Schrein hüten – und natürlich das Internet und die Welt. Was eine schöne Sache. Sieh es doch einfach so, als so ein kleines Wunder, was dieses Mädchen ein bisschen glücklich sein und an magische gute Kräfte glauben lässt.
    (wäre übrigens gerne meine olle Geige losgeworden (nicht aus China), beim nächsten mal bitte früher Bescheid sagen)
    Also Du hast nicht recht, kein bisschen.
    Viele Grüsse aus Deutschland heraus,
    Der Bartl

  6. Liebe Pia

    Will Euch die gute Tat nicht madig machen; ist/war nicht die Absicht.

    „Ein kleines bisschen Recht“? Mir wäre auch wohl, wenn ich nicht Recht hätte, kein bisschen.

    Schönen Sonntag und

    herzliche Grüsse nach Deutschland

    Mara

  7. Liebe Mara,
    ein kleines bisschen hast du Recht mit dem, was du sagst, aber nur ein bisschen, denn: Das Mädchen hat eine wunderbare Erfahrung gemacht, sie hat Selbstwirksamkeit erlebt. Sie ist einen Schritt gegangen, und ein sehender Anderer ist ihr dabei begegnet.
    Einer, der sein Erwachsensein eingebracht hat in einer wertschätzenden und zugewandten Weise. Der ihren Kinderwunsch eben nicht weggewedelt hat mit seinen 100er-Scheinen, nur um ein eigenes narzisstisches Bedürfnis zu befriedigen.
    Peter (und die anderen) haben auf wunderbare Weise das Ihre dazugetan, und dabei weder ihre Kreativität noch ihre Freiheit oder ihre Würde herabgesetzt. Im Gegenteil.
    Das Mädchen hat ein Instrument bekommen, ein wenig Geld für die ersten Stunden, und eine unbezahlbare Erfahrung.
    Und ihre ursprüngliche Handlungsoption, das Album zu verkaufen, steht ihr nach wie vor offen, wenn sie das immer noch möchte.

  8. Carissima!

    Natürlich ist daran nichts „Verwerfliches“. Weder zweifle ich an der guten, an der allerbesten Absicht der Twitter-Community, noch finde ich es selbstbeweihräuchernd, wenn sich wildfremde Erwachsene spontan die Hände reichen, eine Kette bilden wie virtuelle Feuerwehrleute und durch dieses Moment der Community-Rührung die eigene Gefühlswelt reanimieren. Das zeugt von Sehnsucht und Spontaneität, nichts anderem.

    Rette eine(n), rette die Welt. Tu was! Hier. Jetzt. Vor deiner Haustür. Handeln, wenn sich Gelegenheit bietet. Ja, dafür habe ich Sinn.

    Nur: Das Kind hätte das nicht gebraucht. Es weiss sich selbst zu helfen, ist tüchtig, kräftig, herrlich altmodisch, finden wir. Wir Sentimentalen denken uns vielleicht dazu: unverdorben.

    Es will eine Geige. Ist opferbereit für Musik und Rhythmus, für die Kunst (Soll es denn anders sein?). Was für eine Metapher! Eine Leinwand für unsere Wünsche nach Intensität und Wahrheit – im Supermarkt, gleich bei der Kasse im Angebot?

    Schlimm, dass wir uns keinen Anteil an der kindlichen Geste und Poesie kaufen können, dieses Wissen aber abwehren, indem wir uns in die Welt des aktiven Kindes einbringen durch ein Geschenk, für das das Kind keinen Gegenwert erbringen muss. Wir fühlen uns beschenkt und wollen einen sichtbaren Gegenwert dafür abliefern.

    Bestaunen wir gemeinsam die Haltung des Kindes! Lass uns hoffen, Lilian, dass wir unseren Kindern eine solche Haltung nicht verwehren, indem wir ihnen ihre Wünsche gleich abkaufen.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz (deshalb kein scharfes „S“…)

    Deine Mara

  9. Liebe Mara,

    ganz, GANZ im Grunde hast Du Recht, was die bewundernswerte Leidenschaft dieses Mädchens angeht. Trotzdem finde ich nicht, dass hier etwas versäumt wurde. Das Kind hat durch die ganze Aktion von Peter genug Bestätigung erfahren, um daraus fürs Leben zu lernen. Es ist hier nicht so, dass wir ein kindliches „Leid“ (denn das stimmt, es ist keins) nicht ertragen konnten und deshalb schnell mit Geld und Geige zupflasterten. Vielmehr hat das Mädchen erlebt, dass seine THEORETISCHE Opferbereitschaft (die es ohne Zweifel in die Praxis umgesetzt hätte) maximal gewürdigt wurde – so sehr, dass man ihm ermöglichte, die Sammelbilder trotzdem zu behalten.
    Kennst Du Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“? So ähnlich.

    Ich würde jederzeit noch eine weitere Geigenstunde bezahlen. Vielleicht möchten ja auch noch andere …? Daran ist nämlich nichts, rein gar nichts Verwerfliches und beweihräuchern möchte sich dadurch auch niemand.

    Herzliche Grüße!
    Lilian

  10. Das ist auf den ersten Blick erfreulich, aber das Erfreulichste daran ist und bleibt die Initiative und die Leidenschaft des Kindes mit der grossen Seele.

    Weil Erwachsene die Poesie der kindlichen Verzweiflung und Leidenschaft, diese totale Hingabe an einen Wunsch nicht verkraften können, ihn für tragisch halten (, was er nicht ist, er zeugt von Energie und Liebe) musste sofort die Geige aus China her und ein paar Geldscheine.

    Das ist inadäquat – gemessen am Impetus, an der Kraft des Kindes -, wenn auch gut gemeint. Es wäre besser gewesen, dem Kind das Angebotene abzukaufen, den Betrag grosszügig aufzurunden, das Erde-Buch dann, von mir aus heulend, einzurahmen und hinten am Bild den wunderbaren Zettel mit dem Aufruf zu befestigen. Als Mahnmal für unsere Abgeschliffenheiten.

    Das wurde hier verpasst.

    Nichts für ungut!

    • ‚inadäquat – gemessen am Impetus‘

      BS! das kind hat sich mit anbringen des zettels von seinem album getrennt.
      das war der wichtige moment.

      der rest war ein gluecklicher zufall. jemand knipst und postet das. leute finden das niedlich/ruehrend/etc und helfen aus.

      glueck.

      goennen wir der kleinen das.

      sie freut sich. die leute freuen sich. win-win.

      sie wird clever genug sein, zu wissen, dass das mit dem naechsten zettel wohl nicht so laufen wird.

    • Mara, deine Herabwürdigung der Empathie anderer Menschen für dieses Mädchen erschreckt mich.

      Geige aus China. Nicht verkraften können. Mahnmal für Abgeschliffenheit.
      What.The.F…?! Da fällt einem ja alles aus dem Gesicht…

      Nicht jedes Opfer muss zwangsläufig auch gebracht und bis zum bitteren Ende durchgezogen werden, um einen Menschen wachsen zu lassen. Von recht haben kann bei dir keine Rede sein. Aber wirklich null.

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