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Ein dunkles Zimmer, holzvertäfelt und von billigen Kerzen dunkelgerußt. In Decken gehüllt siecht sie dahin und jammert leise. Hätte sie nur nicht diesen hochdosierten Eiweißdrink aus dem dubiosen Strukturvertrieb in ihren Kakao gerührt. Der blinde Glaube an das Versprechen ewiger Jugend hatte sie zu einem Pflegefall gemacht. Kaum je wieder würde sie einen Kugelschreiber heben können, um ihre Unterschrift unter die Bestellung eines Patent-Präparates setzen zu können.

Am Tisch sitzt er und starrt dumpf auf einen Stapel Bauteile, die er in Heimarbeit zu selbstfliegenden Wespen montiert. Vorgefertigte Sensoraugen, ein zweiter Teil mit dem Flügelwerk und ein dicker gelbschwarzer Rumpf, in den er ein simples Motörchen und einen Batteriekasten hineinschraubt. Neben ihm ein grauer stabiler Karton, in den er die fertigen Wespen stapelt.

Von Zeit zu Zeit schlurft er zu ihrer Liege, gießt ihr schweigend einen Kräutertee ein und vertreibt die elektronischen Wespen, die knarrend Proberunden durch die Stube fliegen und sich mangels Widerstand um ihren bewegungslosen Wolldeckenkörper sammeln. Sie hatten sich ihr Leben einmal anders vorgestellt, aber ihre unbedarften Antworten auf Gewinnspiele, wunderliche Medizinprodukte und obskure Jobangebote hatten sie hilflos und müde werden lassen.

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