Magic Bus

 

Der Drummer ist verrückt und er weiß es selbst. Hart und klackend gibt er mit einem Drumstick und einem Holzblock vor, welcher Beat siebeneinhalb Minuten lang durch die Aula der Leeds University dröhnen wird. Von der Seite der Bühne betritt sein Gegenspieler die Bühne. Todernst schlägt er die tiefste Saite an. Wie ein Schuss peitscht der dumpfe Bass aus den Marshall-Verstärkern über die Köpfe, bricht sich und mischt sich als Echo mit der nächsten angerissenen Saite. Percussion, Schuss, Percussion , Doppelschuss. Bei diesem Riff wird es bleiben, er ist der Dieselmotor des Magic Bus.

„I don‘t want to cause no fuss, but can I buy your Magic Bus?“ Viel zu oft hat der Sänger die Zeilen schon gesungen, aber der stampfende Rhythmus des Saales hat ihn längst erfasst. Die Wildlederfransen seines offenen Hemdes sind nur noch verwischte Spuren, der Trommler droht, von der Rampe in die Stuhlreihen zu stürzen. Und der Gitarrist mit der großen Nase, der mit kreisenden Armen über die Saiten fährt, beginnt mit ihm zu spielen. Der Text ändert sich, der  verdammte Bus kann jetzt verkauft werden. Und zwar für einhundert englische Pfund. Der Saal dampft. Das hier war nie Beat. Das ist Rhythm’n’Blues. Die Mundharmonika liefert sich ein Scharmützel mit der übersteuerten Gitarre. Live ist kein Hintergrundgeräusch, live ist das Spiel der Band, die an diesem Abend ihren Zenit erreicht hat.

The Who, Live at Leeds, 14.2.1970

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