Blocker A.D.

Die Ad-Blocker Kampagne der Verlage hat die Gemüter erhitzt. Zu Recht. Weil sie plump und vermeidbar war.

Wer lässt sich schon gerne sagen: Mach Dein Leseerlebnis unlesbarer, schalte bitte das bunte Geflicker am Rand wieder an, weil unser Qualitätsjournalismus neben dem bunten Geflicker nur durch das bunte Geflicker zustande kommt.

Allerdings habe ich Frank Patalongs Blogbeitrag zu diesem Thema anders als Felix Schwenzel nicht als Publikumsbeschimpfung wahrgenommen. Eher als zu einfache Lösung eines nicht so einfach lösbaren Problems.

Klar ist: Das Tracking von Lesern durch Anzeigenwerbung ist unangenehm. Niemand, der sich im Netz bewegt, ist willens, all seine Logins in Netzwerke abzuschalten, um sich bei seinen Reisen durch das Netz nicht von dem geschnürten Sneaker verfolgen zu lassen, den man am Ausgangspunkt der Reise einmal ganz okay fand.

Andererseits ist es aber auch durchaus verständlich, dass Verlage mit ihren Webangeboten Geld verdienen wollen. Aus all den Gründen, die Frank Patalong benennt. Ich bin da ein bisschen konservativ und möchte nicht den Kopfhörer eines Bloggers als achtes Weltwunder empfohlen bekommen, nur weil der ihn als milde Gabe eines Herstellers bekam und werbefrei geil findet. Oder den Leihwagen, die Hose, die Kamera oder was auch immer.

Journalismus handelt von dem, was gerade in der Welt geschieht. Das möchte ich von Menschen erfahren, die Geld von ihrem Verlag für Geschichten bekommen und die wunderbare Freiheit haben, sich nicht dafür interessieren zu müssen, wer ihre Recherchen, ihre Schlussfolgerungen und ihren Text bezahlt. Oder von Leuten, denen ich ich glaube, dass sie aus eigenem Antrieb und eigenem Interesse sprechen. Nur dieses unbefangene Arbeiten führt zu unparteiischen und wirklich freien Geschichten. Diese Trennung von redaktionellem Inhalt und eingeworbenen Anzeigen ist die Essenz des Journalismus und sie hat sich auf eine Art bewährt, die ich nicht missen möchte. Sollte das in Zeiten des Data Minings dazu führen, dass meine Suche nach Gaspipelines zu einem Text führt, der mit Erdgas-Werbung flankiert ist – das weiß ich schon zu lesen.

Die Bereitschaft der Netzbenutzer, diese journalistischen Angebote tatsächlich zu bezahlen, ist vorerst nur ein Lippenbekenntnis. In der Unkenntnis der dafür notwendigen Summen ist es naiv, den Verlagen einen fiktiven Betrag als Agreement anzubieten.

Was bei dieser Sache unverständlich bleibt, ist der fehlende Konsens zwischen den darbenden Verlagen.  Warum, SPON, FAZ oder Sueddeutsche, tut ihr euch nicht zusammen? Warum arbeitet ihr nicht an einem gemeinsamen Konzept mit all den verlegerischen Regionalgrößen, die entweder wirtschaftlich erfolglos alles umsonst anbieten oder reichweiten-killend alles erfolglos hinter Paywalls verstecken?

Es muss einen dritten Weg geben – neben dem Almosen-Geflattere der TAZ und der Boulevardisierung durch einen massiv werbefinanzierten ZweitSPIEGEL im Netz. Einen Weg, der uns mit Informationen versorgt, die wir fair bezahlen werden und der uns mit Nachrichten versorgt, die uns interessieren, schmerzen, die uns aufregen, denen wir zustimmen, die wir ablehnen und über die wir sprechen. Die Bereitschaft, für unabhängigen Journalismus zu bezahlen, haben wir. VERSPROCHEN!

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