Labskaus for the win

Labskaus

Ein Pflichttermin als 18jähriger Lokalreporter war für mich die Jahreshauptversammlung der Marinekameradschaft. Allein die Zeile: „und spannen Seemannsgarn bis tief in die Nacht“, brachte 30 Pfennig Zeilengeld. Mythischer als das Seemannsgarn der alten Männer war allerdings der Labskaus. Etwas anderes stand nicht zur Auswahl. Ich nahm regelmäßig ein Kölsch und verabschiedete mich höflich, aber bestimmt.

Inzwischen wohne ich drei Jahre in Hamburg. Immer wieder überlas ich den Labskaus auf den Speisekarten, ahnte zwar inzwischen dunkel die Zutaten, die ich einzeln alle mochte, wollte aber lieber die Finger von etwas lassen, das optisch… Ach egal.

Am Wochenende war es soweit. Mein erster Labskaus. Ein Erweckungserlebnis, ein Gedicht, ich habe mein bisheriges Leben umsonst gelebt. Ich brauche Sprühdosen, um „Labskaus for the win“ und „Labskaus, ich will ein Kind von Dir“ an Häuserwände zu sprayen. Es ist dieser zarte Schmelz des Rote Bete getränkten Kartoffelbreis, die irritierende Säure von Gurken (waren es Gurken oder nicht vielleicht doch sogar Sardellen?), der nur ganz leicht vorhandene Fleischgeschmack, der sich ganz und gar unkoscher mit den Rollmöpsen mischt.

Da ich mich nur ungern an Rezepten orientiere, habe ich es heute einfach so nachgekocht, wie ich es in Erinnerung hatte. Das Ergebnis war köstlich.  Aber vielleicht übertreibe ich auch nur, weil ich so im Labskaus-Fieber bin.

Freestyle-Gedenklabskaus in Erinnerung an die inzwischen aufgelöste Marinekameradschaft
Für 2 Personen

8 Kartoffeln
½ Dose Corned Beef
4 mittelgroße Gewürzgurken
1 Glas Rote Bete
1 Zwiebel
3 Stengel glatte Petersilie
3 Rollmöpse
Kapern

Die Kartoffeln schälen und in Salzwasser gar kochen. Währenddessen die Zwiebel, die Gurken und die Rote Bete möglichst klein würfeln. (Je mehr Schnittflächen die Zutaten haben, desto besser geben sie ihr Aroma frei.) Die Petersilie ebenfalls fein hacken. Butter in einer großen Pfanne auslassen und die Zwiebelwürfel glasig dünsten. Die inzwischen fertig gegarten Kartoffeln stampfen oder durch eine Presse drücken.

Das Püree über die ausgelassenen Zwiebeln geben und die anderen Zutaten – zerdrücktes Corned Beef, Rote Bete und ein wenig Rote Bete-Saft, Gurken und Petersilie – langsam unterheben. Behutsam salzen (das Corned Beef ist selbst salzig) und pfeffern. Mit Rollmöpsen, einer Gurke und ein paar Kapern garnieren. Nicht auf Instagram hochladen und am besten gar nicht fotografieren. Mein Bild des fertigen Gerichts, mit einer Kompaktkamera erstellt, zeigt die Probleme anschaulich auf.

Dazu serviert man eine Dose kaltes Pils ohne Glas.

zutaten

rotebete

puree

pfanne

12 Gedanken zu “Labskaus for the win

  1. Und wo ist das Spiegelei?? Oder haben meine Geschmacksfäden mir so den Blick verschleiert, daß ich es überlesen habe? Ansonsten gilt bei Labskaus: reinlegen.

    Schönes Blog übrigens. Eben entdeckt. (Pünktlich zum digitalen Mittagessen, sozusagen)

  2. Obwohl ich aus dem südwestdeutschen Raum komme, ist Labskaus eines meiner Lieblingsgerichte. Und dem Verfasser hoch anzurechnen ist, daß er zur Beschreibung dieser Köstlichkeit nicht ein einziges mal das Inflations-Adjektiv „lecker“ verwendete.

  3. Sehr schöne Farben, das sieht man selten.
    Die Kapern sind vermutlich einem Sinn für ausgewogenes Grün geschuldet und wären eigentlich akzeptabel, wären sie nicht echte Mittelmeerregionsgewächse, sondern die typisch deutschen „falschen Kapern“ unserer Urgroßmütter, nämlich in Salzessig aufgekocht und eingelegte Löwenzahn- oder Gänseblümchenknospen.

  4. Die Ansicht ist ungewöhnlich, aber es schmeckt wirklich lecker! Variabel, weil auch ohne Fleisch/Corned Beef, also vegetarisch, möglich! :)

  5. Für meine Frau – in Hamburg geboren und aufgewachsen – ist Labskaus der Alptruam ihrer Kindheit. Ich hatte vorvergangene Woche das Vergnügen, zum ersten Mal Labskaus zu essen: in einem Lokal während des Urlaubs stand das Gericht zur Auswahl, und weil ich neugierig bin, habe ich es bestellt. Ich kann Deinen Eindruck nachvollziehen: Mir – so tief im Süden aufgewachsen, daß man bei gutem Wetter leicht bis in die Schweiz schauen kann – hat der Labskaus geschmeckt.

    Leider wird es mir kaum gelingen, meine Frau zum Labskausessen oder gar -kochen zu überreden. So muß ich eben warten, bis ich mal wieder im Norden bin – und das kommt gottlob oft genug vor.

  6. Es fehlt eine windschiefe Kate und eine Schürze, die von Rote-Bete befleckt ganz furchterregend aussieht.
    So ist der Norden doch sehr schön!
    Es klingt: SAULECKER!

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