Mon Chéri

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Nur selten haben Journalisten die Gelegenheit, das Mon Chéri-Werk im Piemont zu besuchen. Sieht man die Packungen im Supermarkt liegen, macht man sich keine Vorstellung, unter welchen Manufakturbedingungen die greisen Ferrero-Schwestern ihre herrlichen Pralinen fertigen.

Der malerische Fabrikbau liegt im Arnas-Tal im Schatten knorriger Kirschbäume und wer die Backsteinhallen betritt, sieht nur ältere Damen, die in Vierergruppen an jeweils einer Praline arbeiten. In vorgefertigte Halbschalen aus feinster Schokolade gießt eine weißhaarige Signora behutsam ein Quantum Kirschlikör und eine zweite legt Kirschen, die sie an ihrer Kittelschürze blank poliert, in das Schälchen.

Sobald sich die winzigen Likörwellen beruhigt haben und die Kirsche ruhig in der Flüssigkeit lagert, treten rasch zwei andere Frauen an die Werkbank, verschweißen die Praline mit einem Schokoladendeckelchen und verpacken sie liebevoll in das weltbekannte Glanzpapier. Es ist ein kleines Wunder, dass diese traditionelle Handwerkskunst zu einem vergleichsweise moderaten Preis in unsere Ladengeschäfte findet. Aber die Arbeit mit Senioren sei eben konkurrenzlos günstig, versichert Lollo Ferrero und schiebt sich lächelnd eine Praline in den zahnlosen Mund.

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