Ringo

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Er war der fünfte Ersatz-Ringo der drittschlechtesten Beatles-Coverband der Welt. Das waren auf den ersten Blick nur mittelmäßige Werte, aber er war nicht unzufrieden. Insgesamt gab er seinem Leben sogar eine gute Drei. Sein Opa hatte immer gesagt: „Sei nie ganz vorne, nie ganz hinten, am besten ist es, wenn man unauffällig in der Mitte mitschwimmt.“ Sicher, sein Großvater hatte die meisten seiner Lebensweisheiten als Frontsoldat im Zweiten Weltkrieg gesammelt, aber er war schließlich irgendwie damit durchgekommen.

Und dann kam der Tag, an dem die vier anderen Ringos sich gegenseitig mit einem hässlichen Brechdurchfall angesteckt hatten und er das Solo am Ende von „Strawberry Fields Forever“ spielen musste. Es lief phantastisch, das Publikum im Irish Pub von Würselen tobte. Möglicherweise auch, weil alle schon sturzbetrunken waren, aber das war ihm egal. Der falsche George Harrison hatte längst seine Gitarre beiseite gelegt, nur er wirbelte vornüber gebeugt über seiner Basstrommel, als sei er der echte Ringo. Er wusste: Das ist sein Tag, so einen Tag würde er nie wieder erleben und tatsächlich sprach ihn unmittelbar nach dem Konzert ein Agent an.

Zwar spielte er nie wieder ein Konzert, aber er hatte Karriere gemacht. Vom fünften Ersatz-Ringo hatte er sich zum zweiten Ersatz-Keith Moon der achtbesten Who-Coverband hochgearbeitet. Es war ein wenig schade, dass der erste Trommler über eine blühende Gesundheit verfügte und nie krank feierte, aber er war ein rundum glücklicher Mann. Wie sein Großvater.

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