Heißmangel

marlowe

Freitagabend. Das Telefon klingelte so träge wie der Eiswürfel in meinem Bourbon. Ich nahm den Hörer ab. „Marlowe, Philip Marlowe hier.“ Die Frauenstimme war angstverzerrt, sie rief aus einer Telefonzelle an, das hörte ich noch vor ihrem ersten Satz an den singenden Reifen im Hintergrund. Wahrscheinlich einer der großen Freeways.

„Mr. Marlowe, es geht um einen Mord.“ „Momentchen“, stoppte ich sie sofort. „da sind sie bei mir völlig falsch. Ich stehe zwar noch als Detektiv in den gelben Seiten, aber ich habe eine Umschulung gemacht. Vom Arbeitsamt bezahlt. Mediengestaltung und so. Also Lady, wenn sie da mal was haben, Briefbögen, Visitenkarten, diese Sorte Zeug, dann bin ich ihr Mann.“

Sie keuchte am anderen Ende der Leitung. Das war nicht das, was sie hören wollte. Aber die Dame wusste mich zu überraschen. Das gefiel mir.

„Also hören sie zu. Das ist jetzt zwar nicht der optimale Zeitpunkt für so etwas, hier liegt eine Leiche und ich wate sprichwörtlich im Blut. Aber andererseits – wo ich sie schon am Telefon habe: Ich brauche einen DIN-lang-Flyer für meine Heißmangel. Was würde so etwas kosten?“

„Now you’re talking, kleine Lady. Ich bin in fünf Minuten an jedem Punkt dieser verdammten Stadt. Und fassen sie die Leiche nicht an, ich kann es mir ja mal angucken.“

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