Post

iggy

Zwei leichte Maxibriefe unter dem Arm mit der schmerzenden Schulter, einen zerrenden Foxterrier an der rechten Hand und viel zu dünn angezogen. Plötzlich klingelt das Telefon in der rechten Jackentasche und es ist der Anruf, auf den man zuhause so lange erfolglos gewartet hat, bis der Hund aber nun wirklich dringend raus muss.

Die Hundeleine an die linke Hand wechseln und sich über einen schmerzenden Spurt des Hundes ärgern, aber hilflos sein, weil man das Telefon nun mit rechts ans Ohr hält, verbindlich spricht und die Briefe ebenfalls nun unter dem rechten Arm klemmen.

Von einer älteren Frau verständnislos angeglotzt werden, weil man auf der Straße mit Hund und Kram unter dem Arm telefoniert. Im selben Augenblick krümmt sich der Hund und verrichtet ein Monstergeschäft vor einer gepflegten Einfahrt. Natürlich ausgerechnet jetzt nicht eines dieser pflegeleichten, knallharten Gebilde, sondern eher die weichere Variante.

Telefon nach links auf die Hundeseite, rechts die Briefe mit dem Oberarm fester an den Körper pressen und gleichzeitig mit der rechten Hand in der linken Jackentasche nach einer Hundetüte kramen, sie mit den Fingern aufdröseln und sich bücken. Merken, dass die Tüte einen Riss hat und drei Finger voll Scheiße sind, sie aber nicht abwischen können, weil man links Hund und Telefon hat und rechts dank der Briefe relativ unbeweglich ist.

Telefonat einigermaßen würdig beenden, verständnislose Frau wütend zurück anglotzen, Hund an Zaun ketten, Briefe oben auf kahle Hecke legen, Tempos suchen, Finger notdürftig saubermachen, sich sammeln und in nächstes Café gehen, um auf der Toilette gründlich die Hände zu waschen. Aus Dankbarkeit über die Waschgelegenheit wenigstens einen Kaffee bestellen.

Nach einer halben Stunde atemlos mit dem Hund zurück zur Hecke rennen und froh sein, dass die Briefe noch obendrauf liegen.

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3 Gedanken zu “Post

  1. Genau so ist das mit einem Hund, mit Briefen, mit würdevollen Gesprächen und mit glotzenden Frauen. So und nicht anders. Und wenn es anders wäre, wäre es nicht gut.

  2. Jetzt weiß man gar nicht was schöner ist. Der Text… oder das Bild.
    Ich entscheide für die Rolle des Foxterriers in der Geschichte!

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