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„Mein Gott, blendet das!“, war ihr erster Satz am Tisch des Restaurants, unmittelbar nach der Begrüßung. Mir war nicht aufgefallen, dass die Lampe zu grell sein könnte und auch nach ihrer Beschwerde fand ich die 15 Watt Funzel in dem kleinen Lampenschirm nicht unangenehm. Aber sie winkte schon nach dem Kellner und forderte ihn auf, die heiße Birne mit einem Handtuch herauszudrehen und stattdessen eine Kerze zu bringen. „Ist doch auch viel gemütlicher.“

Das Wasser zu warm, der Rotwein zu kalt, der Spinat Tiefkühlware und die Kalbsleber zu zäh, irgendwas war dann immer nicht ganz so wie es sollte. Aber der Abend, der Abend war schön, sagte sie und mit Küsschen links und rechts verschwand sie, während Kellner und Koch ihr eingeschüchtert hinterherwinkten.

Im Laufe der Zeit habe ich viele Leute kennengelernt, deren Lebenszweck es ist, für die Optimierung ihrer Umgebung zu sorgen. Kapriziöse Wesen, autoritäre Stänkerer oder verwöhnte Prinzen. Und nie geht es nur um ihre persönliche Wohlfühlzone, immer geht es in erster Linie um die Druckwelle, mit der sie ihr Umfeld in Aktion versetzen wollen und die Servicewüste Deutschland beklagen. Wenn man nichts kann, kann man schließlich immer noch Umstände machen.

Vielleicht bin ich zu wenig ehrgeizig, zu faul oder schlicht zu gleichgültig, um es mir gutgehen zu lassen, habe ich mir lange gesagt. In den vielen Momenten, die mir peinlich waren, weil Dienstleister wie Dienstboten behandelt wurden. „Siehst du – jetzt ist es perfekt“, wurde ich belehrt und musste dann pflichtschuldig zugeben, dass der Aufwand zwar groß war, sich aber eine minimale Verbesserung eingestellt hatte. Inzwischen kann ich besser für mich sorgen und halte solche Menschen von mir fern. Ich genieße das mit einem wunderbaren Chardonnay, der ein Grad zu warm ist.