Emile

emile

Filmskript:
Schwarz-Weiß
Provence
Früher Morgen

Der junge Pastor Emile greift ins Weihwasserbecken, kämmt mit den nassen Händen sein langes Haar nach hinten und zieht eine zerknitterte Maiszigarette aus der Soutane. Er entzündet sie an einer Opferkerze, läuft mit der brennenden Kippe aus der Kirche und fährt auf einer Triumph Bonneville ohne Helm Richtung Küste. (Musik: Jane Birkin, L’Aquoiboniste) Am Strand trifft er Eloise, die bildhübsche Haushälterin des alten Prälaten. Sie küssen sich leidenschaftlich.

(Ab hier sollte Éric Rohmer übernehmen und ein ca. 80minütiges, sehr zähes Gespräch der beiden am Strand drehen, in dem sie über die Konflikte dieser verbotenen Liebe sprechen und dabei auf Grashalmen kauen. Leider verstarb Éric Rohmer noch vor Beginn der Dreharbeiten.)

Mein Part wäre dann lediglich noch das Skript der Schlussszene gewesen – eine tragische Verfolgungsfahrt, in der der junge Pastor mit dem Motorrad dem schwarzen Citroën des Prälaten hinterherjagt, um ihm seine Liebe zu Eloise zu gestehen. Showdown: Die Soutane verfängt sich in einer Kurve in den Speichen des Motorrads, Emile stürzt schwer. Der Citroën des Prälaten bremst, Eloise läuft ein Stück zurück zur zerstörten Triumph Bonneville und küsst neben einem Kilometerstein mit einer weißen 2 den sterbenden Emile. (Musik: Irgendwas von Vangelis)

Ein Gedanke zu „Emile“

  1. Ein schöner Einstieg in den Morgen.
    Ich hoffe doch sehr, dass der Citroën eine schwarze Göttin ist und auf dem Beifahrersitz Roland Barthes‘ Aufsatz über diese vierrädrige Kathedrale der Neuzeit liegt. Mein Onkel fuhr in den 60ern eine DS, und wenn er zu Besuch war, haben wir Kinder mit offenen Mündern die hydropneumatische Federung wie eine Epiphanie bestaunt.

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