Urban

stefan01

Es gibt Menschen, die eine Stadt zu einer Stadt machen. Weil sie nicht nur wohnen, sondern in ihr Umfeld eingreifen, es gestalten und es ein Stück besser machen. In einem Zelt unter Brücke lebt Stefan. Sein Besitz passt auf ein Fahrrad und kann sich jederzeit und überall zu einer kleinen Siedlung entfalten. Stefan ist kein Kaputtwohner, er braucht nicht viel und dort wo er ist, ist es besser als zuvor. Natürlich weiß er, dass der kleine Briefkasten am Brückenpfeiler von der Post nicht beachtet wird. Die Postkarte, der er sich selbst schickte, kam nicht an. Aber der Kasten ist ein Fanal seiner Grundanständigkeit.

Stefan aus Frankfurt-Seckbach mag Ordnung und liebt Pflanzen: Rund um sein Zelt stehen Pflanzen in Kübeln, die Gießkanne ist gut verstaut. Dass die einst verwahrlosten Beete gepflegt sind und blühen, das ist sein Werk. Inklusive der Sonnenuhr, deren Ganggenauigkeit er so penibel kontrolliert wie den Fahrplan der Dampfschiffflotte, deren Kapitänen er zuwinkt. Gäbe es keine Menschen wie Stefan, Städte wären nur noch genormte Betonensembles, in die man einpendelt, um zu arbeiten oder Massenware aus China zu kaufen. Und es gäbe niemanden, der in dem von beamteten Stadtplanern als „Straßenmöbel“ georderten Gartengestaltungselement „Großschachspiel“ den gestohlenen Bauern durch einen weißen Kunststoffbecher ersetzt.

stefan03stefan02stefan04

Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s