Hotel

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Hotels sind wunderbare Orte. Der Reisende kommt spätabends an und wird an der Rezeption weder gefragt, woher er kommt, noch wohin er geht. Es ist im besten Falle das perfekte Gegenleistungsgeschäft. Die Dinge sollen in Bewegung bleiben, es ist ein Tausch Geld gegen Schlaf. Läuft es gut, ist es das stille Einvernehmen, sich höflich, aber kurz zu begegnen und den knappen Moment des Vorübergehens so angenehm wie möglich zu gestalten. Todmüde rollt man den Koffer vor das Bett, der Kulturbeutel wird im Bad vor den Spiegel gelegt und treppab surrt der Aufzug, um noch ein Schlafbier zu kaufen.

Im Halbdunkel der Bar sitzen noch einige andere Nachtfalken, die über den Rand des Glases in die Stadt oder den nächsten Tag starren. Oder Paare, die sich aneinander und auf einen neuen Tag miteinander freuen. Mit der Flasche, auf der jetzt ein Glas steckt, steigt man wieder in den Aufzug, hängt seine Kleider gerade auf die Bügel und trinkt nur ein- oder zweimal an dem viel zu teuren Bier und lässt es schal werden, weil man morgen noch einen weiten Weg vor sich hat oder sehr früh sehr wach sein muss.

Beim Frühstück ein Kaffee, ein Brötchen, ein Ei. Ein kurzer Blick auf die, die alles leerfressen, was sie glauben, es bezahlt zu haben. Das hier war ein fairer Deal, kein Wettbewerb. Es war wie das Leben – ein Kommen und Gehen und kein Zahlen und Raffen. In der Tiefgarage springt der Motor mit einem Ruck an. Weiterleben.

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