Zum Totlachen

Bekanntlich umfasst das menschliche Gefühlsleben nur fünf Emotionen, nämlich „Lachen“, „Weinen“, „Wut“, „Staunen“ und das erst später entdeckte und deshalb mit einem englischen Namen versehene „Wow“.

Ein deutsches Medium, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte, um nicht schon wieder in die Tastatur brechen zu müssen, nutzt diese fünf Gefühlszustände, um das Feedback seiner Leserschaft einzuholen. Kochen die Emotionen nicht hoch genug, kann bei einem zweiten Text eventuell noch nachgebessert werden. In den letzten Wochen fehlen die Voting-Buttons sogar oft. Mal, weil das Ergebnis dem Duktus des Textes folgend grotesk in Richtung „Wut“ ausschlagen könnte, mal aus einer Art Restpietät heraus, weil die Redaktion Angst hat, unter einem spektakulären Unfall zu häufig das „Wow“ zu finden.

Anders bei der Todesstrafe. Sucht man nach entsprechenden Texten, findet man schnell eine große Auswahl – die Thematik ist in einer Zielgruppe beliebt, die den kurzen Prozess einer langen juristischen Auseinandersetzung vorzieht.

Ich habe willkürlich sieben Stichproben gezogen und in fünf von sieben Fällen dominierte bei diesen Texten die Emotion „Lachen“. Unter anderem bei einem 43-minütigen Todeskampf. Das zeugt angesichts der Endgültigkeit der vollzogenen Strafe von einem ungebrochen sonnigen Gemüt in der Leserschaft und macht ein bisschen Mut, dass die Menschen, die diese Nachrichten lesen, auch die Klippen ihrer täglichen Arbeit mit einer gesunden Portion Humor meistern.

Lachen1 lachen2 lachen3 lachen4 lachen5 lachen6 Lachen7

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11 Gedanken zu “Zum Totlachen

  1. Zeigt das nicht einfach, wie oberflächlich die Leser über die Artikel fliegen? Es geht bestenfalls um Unterhaltung, jedenfalls nicht um emotionale Auseinandersetzung. Wir sollten nicht zu ernst nehmen, was Menschen so auf die Schnelle im Internet klicken (und schreiben), glaube ich.

  2. Ich verstehe schon im Ansatz nicht, warum die Leser dieser „Zeitung“ überhaupt ihre, wie auch immer gearteten Gefühlszustände zu den gelesenen Beiträgen rückspiegeln? Was motiviert Menschen ihre „Meinung“ auch zum noch so kleinsten Unthema abzugeben? Würden diese Personen auch ihre Meinung kund tun, wenn es keine Anonymität gäbe und sie mit ihrem Namen dafür einstehen müssten? Wohl kaum. Und wie Herr Floyd bereits schrieb, es bleibt grausam.
    Traurig ist es sowieso.

  3. Grausam. In irgendeiner Ecke steckt vielleicht ein kleines Reststück Empathie fest, das nicht raus kann. Ich weiss es nicht. Die Themen sind ja austauschbar, der geneigte Bild-Leser, falls es ihn gibt, leider nicht. In aller Regelmäßigkeit lassen die Reaktionen der Leser menschliche Abgründe erahnen. Zumindest, wenn es sich nur um einen schnellen Klick handelt.

    Vor kurzem hatte ich die lachenden Reaktionen noch bei einem Artikel zu einem Feuer im Flüchtlingscamp dokumentiert. Scheint eine Regel dahinter zu stecken: Je grausamer die Nachricht, desto like.

    Ich gehe jetzt wieder zurück in die Parallelgesellschaft, in der irgendwie noch sehr vieles sehr in Ordnung ist.

  4. Ich finde das ganz super, dass der/die Verfasser/in dieses Textes ganz klar auf der richtigen Seite steht und das auch offensiv kommuniziert. Richtig so! Man/Frau/Trans muss dem Rest der Welt ganz doll zeigen wer recht hat. Weiter so! Und immer Recht haben und das ganz toll zeigen! Grau ist eine Lüge! Schwarz! Weiß! (Wie toll, dass die Idioten-Bild immer „schwarz“ ist. Da kann man sich so toll aufgeklärt fühlen! Wwwwooooooowwww!!!!!

    • [ ] ich habe den Text verstanden
      [ ] ich habe überlegt, was ich schreibe, bevor ich es schreibe
      [x] SKANDAL !11elf

      Lieber Hans, ich denke nicht, dass „immer Recht haben“ überhaupt nur im entferntesten der Ansatz war, der mit dem obigen Blogbeitrag verfolgt werden sollte. Unverständnis, Entsetzen und ja, auch Wut vielleicht über diese Abstumpfung, die Nicht-Reflektion einer Nachricht – das lese ich da raus. „Immer Recht haben“. „Schwarz! Weiß!“ – hmm, das ist schon schockierend, was da so draus gemacht wird. Und damit schließt sich der Kreis zum obigen Text… danke.

    • [ ] ich habe den Text verstanden
      [ ] ich habe überlegt, was ich schreibe, bevor ich es schreibe
      [x] SKANDAL !11elf

      Lieber Hans, ich denke nicht, dass „immer Recht haben“ überhaupt nur im entferntesten der Ansatz war, der mit dem obigen Blogbeitrag verfolgt werden sollte. Unverständnis, Entsetzen und ja, auch Wut vielleicht über diese Abstumpfung, die Nicht-Reflektion einer Nachricht – das lese ich da raus. „Immer Recht haben“. „Schwarz! Weiß!“ – hmm, das ist schon schockierend, was da so draus gemacht wird. Und damit schließt sich der Kreis zum obigen Text… danke.

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