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Filmtreatment

Ein ungleiches Brüderpaar: Der blasse Stefan ist fleißig, strebsam und ruhig, während sein Bruder Wolle bereits mit 15 sein Mofa vor zwielichtigen Spielhallen und verrauchten Flipper-Etablissements abstellt. Entsprechend unterschiedlich verlaufen ihre beruflichen Laufbahnen – während Stefan zielstrebig sein Maschinenbaustudium absolviert, gelingt Wolle nur mit viel Glück und im zweiten Anlauf eine Schlosserlehre.

Stefan gründet nach dem Diplom ein Unternehmen und mietet eine Industriehalle am Rande einer Kleinstadt an. Seine Spezialität ist die Bezahlmechanik von Münzstaubsaugern. Er hält ein Patent, das einen umrüstungsfreien Wechsel von 50-Cent auf 1-Euro-Münzen ermöglicht und erarbeitet sich damit ein europaweites Quasimonopol. Er lebt bescheiden und reinvestiert seine gesamten Gewinne in sein Unternehmen. Schon nach fünf Jahren gibt es im gesamten Euroraum kaum einen Münzstaubsauger mehr, der nicht mit seinem Münzfach ausgerüstet wäre.

Weniger geradlinig verläuft die Karriere von Wolle, der immer wieder Anstellungen verliert, Wohnungen und Beziehungen wechselt. In einer besonders kritischen Phase dieser Abwärtsspirale bittet schließlich die Mutter der Brüder den erfolgreichen Stefan inständig, dem unsteten Wolle eine Chance in seinem Münzstaubsauger-Unternehmen zu geben. Der zögert, aber schließlich ist Blut dicker als Wasser und Wolle schlägt sich im Unternehmen des Bruders überraschend gut. Er ist im Betrieb beliebt, bleibt weitgehend unauffällig und seine einzige Unart ist es, an Montagen häufig erst nachmittags seine Arbeit anzutreten. Da er nicht verkatert ist, sondern lediglich etwas zu spät zum Dienst erscheint, wittert Stefan auch keinen Rückfall in Alkoholexzesse und Kneipenabstürze.

Was Stefan nicht ahnt: Wolle ist aufgefallen, dass sein Bruder aus Kostengründen alle Münzstaubsauger Europas mit einem identischen Schlüssel ausstattet. Jeden Freitag nach Dienstschluss bricht er mit seinem VW-Bus zu einer ausgedehnten „Tankstellen-Tour“ auf. Er parkt das Wohnmobil vor den Staubsaugern, täuscht vor, den Innenraum zu saugen und entnimmt mit dem Generalschlüssel den Münzspeichern der Sauger zwischen 20 und 30 Euro. Nie macht er die Geldreservoirs ganz leer und so bleiben seine Diebstähle auf Dauer unentdeckt. An guten Wochenenden schafft er 150 Staubsauger, das sind im Jahr immerhin 187.500 Euro. Wolle ist inzwischen solide geworden und kauft von seinen Wochenend-Erlösen sichere Aktien aus der Maschinenbau-Branche.

Ein Zeitsprung.

Fünfzehn Jahre später gerät Stefans Unternehmen durch einen Konkurrenten aus Fernost überraschend in Turbulenzen. Sein Patent ist ausgelaufen und ein Hersteller aus Singapur produziert einen preiswerten Klon des deutschen Traditionsherstellers. 50 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel und Stefan muss dringend investieren, aber die Bank verweigert ihm einen Kredit über drei Millionen Euro.

An einem Montagmorgen will er die Belegschaft über die Insolvenz informieren, wartet aber, bis sein Bruder zur Arbeit erscheint. Wie immer ist Wolle zu spät. Als er mit seinem VW-Bus auf dem Firmengelände eintrifft, nimmt ihn Stefan beiseite und informiert ihn über die Zwangslage. Wolle legt ihm einen Arm um die Schultern und sagt: „Drei Millionen? Leihe ich Dir. Zinslos. Frag einfach nicht. Und noch etwas: Diese Typen aus Singapur hauen wir vom Markt. Die arbeiten mit Deinem billigen Ein-Schlüssel-Prinzip. Das ist viel zu unsicher. Wir bauen ab sofort verschiedene Schlüssel ein – damit machen wir sie fertig.“