Ayran

ayran
Filmidee, Arbeitstitel „Ayran“

Der junge rechtsradikale Mike, den seine Freunde nur Michael nennen, wird für den Überfall auf einen türkischen Lebensmittelladen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mike, der noch nie eine Liebesbeziehung zu einer Frau hatte, fühlt sich zu seiner 50jährigen Bewährungshelferin Ulrike hingezogen. Ulrike ist lesbisch und erträgt seine unbeholfenen Avancen mit Humor.

Gemeinsam mit ihm bricht sie zu einer turbulenten Deutschlandreise auf, um seine leibliche Mutter zu suchen. In Nürnberg finden sie Mikes Mutter Sabine, die als Aushilfe in einem türkischen Lebensmittelladen arbeitet und ihrem Sohn, den sie im Alter von neun Jahren einer Pflegefamilie übergab, schwere Vorwürfe wegen seines Überfalls macht.

In der Wohnung von Sabine kommt es zu einer Aussprache, in deren Verlauf Mike die Beweggründe seiner Mutter verstehen lernt und ihr verzeihen kann. Ulrike wiederum ist von Sabine fasziniert, deren Lebensweg anders als ihr eigener so viele Umwege hatte und die nun in dem kleinen türkischen Geschäft den Weg in ein bürgerliches Leben gefunden hat. Zwischen den beiden Frauen knistert es und die Anziehungskraft ist gegenseitig.

Die beiden Frauen schicken Mike unter dem Vorwand, gemeinsam ein opulentes türkisches Versöhnungsessen kochen zu wollen, in die Stadt zu Sabines Arbeitgeber, wo er die Zutaten kaufen soll. Dort trifft Mike auf Suley, den schwulen türkischen Chef von Sabine, der gerade im Unterhemd Auberginen stapelt. Mike, dessen Homophobie im Laufe des Films immer wieder thematisiert wurde, erlebt das Stapeln der schwellenden Auberginen durch den fast Gleichaltrigen im Unterhemd als erotischen Wachtraum. Er fasst sich ein Herz und küsst Suley auf den Mund.

Der Abspann läuft über eine heitere Szene in Sabines kleiner Wohnküche, in der sich zwei frisch verliebte Paare mit Ayran zuprosten. Über einem Stuhl hängt die Bomberjacke von Mike, deren Hakenkreuz mit Isolierband zu einem No-Nazi-Aufkleber umfunktioniert wurde. (Diverse Filmförderungen, Arte-Beteiligung und eine vernichtende Matussek-Rezension machen den Low-Budget-Film zum Geheimtipp in Programmkinos.)

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