Bauschaum

bauschaumFilmtreatment für das kleine Fernsehspiel

23-jähriger kleptomanisch veranlagter, aber sehr lieber junger Mann wird nach einem Bagatelldiebstahl vom Richter zur Ableistung von Sozialstunden auf einem städtischen Wertstoffhof verurteilt. Dort sieht er an einem Sommertag, dass ein örtlicher Heimwerkermarkt einige Dutzend große, nicht angebrochene Kartons mit Bauschaum in einem Container entsorgt.

Weil er handwerklich begabt ist, hält er es für eine Sünde, dieses wertvolle Material nicht einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Kurz vor Feierabend lädt er deshalb in einem unbeobachteten Moment alle Kartons in sein Auto und besucht noch am selben Abend seine Großmutter, die eine geräumige Wohnung mit Abstellkammer besitzt. Beim Aufstapeln der Bauschaum-Kartuschen in der Kammer der Oma sieht er zwar das abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdatum, hält das aber für unerheblich.

Erst vor kurzem hörte er ein Radiointerview mit einem Lebensmittelexperten, der mehrmals betonte, man dürfe den Begriff Mindesthaltbarkeit getrost wörtlich nehmen: Ein Mindesthaltbarkeitsdatum (bei „MINDEST“ hob der Experte jeweils seine Stimme) sei oft nur ein allzu vorsichtig kalkulierter Richtwert. Schließlich trinkt er noch eine Ovomaltine mit seiner Großmutter, die sich über ihren praktisch veranlagten Enkel freut.

Die Tage werden wärmer und er vergisst die Ware, die er bei seiner Oma gestapelt hat. (An dieser Stelle setzen lakonische Zwischenschnitte in die Abstellkammer der alten Frau ein. Die Kartuschen beginnen zu zittern und aus einer der Dosen tritt etwas weißer Schaum aus.)

Das Leben geht derweil weiter, seine Sozialstunden sind fast abgeleistet und weil er sich als geschickt erwiesen hat, bietet der Chef des Wertstoffhofs dem jungen Mann einen unbefristeten Folgevertrag im Bereich „Bauchemikalien“ an. An einem besonders heißen Sommerabend feiert er seinen Arbeitsvertrag mit Freunden in einer Gartenwirtschaft.

(Raffinierte Schnittüberblendungen zwischen dem Bierzapfhahn der Wirtschaft und der Wohnung der Oma, wo zur selben Zeit eine hitzebedingte Kettenreaktion der Bauschaumkartuschen stattfindet, die gleichzeitig ihren Inhalt in die Abstellkammer verschießen, deren Tür eindrücken und auch den Rest der Wohnung mit Schaum füllen.)

Mit dem frisch unterschriebenen Arbeitsvertrag besucht der Protagonist Tage später seine Großmutter, die jedoch auch nach dreimaligem Klingeln nicht die Tür öffnet. Er benutzt seinen Zweitschlüssel und steht vor einer bis zur Decke reichenden schneeweißen Wand aus einem harten feinporigen Material, in der er einen fossilienartigen Abdruck der Klinke und des von innen steckenden Schlüssels sieht. Nun beginnen einige Komplikationen.

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