Horst the horse

kokosnuss

Er hatte sich mit zwei Kokosnuss-Hälften einen Namen in der Geräuschemacherszene gemacht. In den Hörspielstudios von Flensburg bis Oberammergau hieß er nur „Horst the Horse“ und sein Leben war unbeschwert.

Er genoss die langen Pausen zwischen seinen Einsätzen und war eine gutbezahlte Legende: D’Artagnans Pferd wurde durch seine Kokosnüsse lebendig, Napoleons Ross Marengo – sein Werk. Der gesamte Pferdebestand von Karl May verdankte seinen unverwechselbaren Sound „Horst the Horse“ und für eine Sportsendung hatte er sogar den Wunderhengst Totilas vertont.

Gebucht wurde er für den Variantenreichtum der Gangarten, die er mit den Nusshälften auf einem beliebigen Resopaltisch zaubern konnte: Trab, Schritt, Galopp und den Western-Jog beherrschte er mühelos. Nichts schien seine Karriere stoppen zu können. Bis ein Isländer von heute auf morgen sein Lebensglück zerstörte: „Einar wie keiner“ nannten ihn die Tontechniker bald, denn der junge Einar konnte nicht nur alles, was Horst konnte, er war auch ein Experte für den Tölt, dessen fehlende Schwebephase als Audioeffekt besonders schwierig zu simulieren ist.

Was Horst schließlich vor der Verarmung schützte, war sein Bronchialasthma und so wurde er zwar selten, aber doch einigermaßen regelmäßig als knarzende Tür gebucht. Der Virtuose von einst war sich sogar nicht zu schade, für besonders laute Türen ein Mikrofon direkt auf seinen Rippenbogen zu pressen. Doch was blieb ihm übrig?

Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s