Axel

axelstich

1975 hatten unsere alten und kinderlosen Nachbarn einen schwarzen Spaniel, der Axel hieß. Mir kam der Name für einen Hund überhaupt nicht seltsam vor, weil er zwei Jahre vor und zwei Jahre nach meiner Geburt nur sehr selten an Kinder vergeben wurde und ich deshalb außer dem Spaniel niemanden mit diesem Vornamen kannte. Ich mochte Axel sehr. Weil er weich und klug war und weil ich sowieso alle Hunde mochte. An einem Samstagmorgen lief plötzlich ein sehr viel kleinerer schwarzer Spaniel durch den Garten der alten und kinderlosen Nachbarn und sie riefen ihn „Axel“. Ich stand begeistert am Zaun und eine Frau fragte, ob Axel eingelaufen sei. Die Frage fand ich als Kind einerseits ulkig, aber auch nicht ganz abwegig, weil ich noch nicht so viel über den Tod wusste und Einlaufen fast logischer klang. Die alte kinderlose Nachbarin brach sofort in Tränen aus und erzählte vom Verlust des alten Axels, der nur durch den sofortigen Kauf eines neuen Axels kompensiert werden konnte. Einige Jahre später starb ihr Mann und zu meiner Überraschung ersetzte sie ihn nicht innerhalb von einer Woche. Allerdings hieß er auch nicht Axel.

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