staub

Auf dem Hof meiner Stammtankstelle steht ein neuer Staubsauger. Der verbeulte graue Kasten ist fort und an seiner Stelle steht jetzt ein nagelneues Münzgerät in RAL 3020, dem kräftigen Esso-Rot. Endlich akzeptiert der Staubsauger verschiedene Münzen und vereint Reifenluft mit Vorwahlschalter, Druckluftdüse und Saugrüssel an einem Ort. Was bisher ein müdes Schlorcheln zwischen den Sitzen war, ist jetzt ein kraftvolles Vakuum, das alle nicht zum Lieferumfang des Wagens gehörenden organischen und anorganischen Partikel aus dem Velours des Teppichs zerrt.

Als ich an der Kasse stehe, um mir noch eine Waschkarte zu kaufen, lobe ich die Anschaffung des neuen Geräts: „Oh mein Gott, was ist das nur für ein endgeiler Staubsauger!“. Nun reden Hamburger eigentlich ohnehin nur das Nötigste, aber meine Emphase schockt den Kassierer geradezu. Sekundenlang schaut er auf das Display der Kasse und sagt dann: „Das meinen Sie doch jetzt ironisch, nech?“

Um Himmels Willen. Wird denn inzwischen alles als ironisch wahrgenommen, was in der Gefühlsskala einen Strich über Normalnull liegt? Können wir uns gegenseitig gar nicht mehr trauen? Ich werde richtig wütend. „Nein, ich meine das wirklich ernst: Der neue Staubsauger hat die Kraft, eine Boa constrictor auf links zu ziehen, er hat ein sinnvolles Kleinteile-Gitter im Saugrüssel und die Restzeitanzeige, die ich mir immer gewünscht habe.“

Er glotzt mich nur verständnislos an und sagt tonlos: „Ja, ist schon ein gutes Teil.“ Die Ironie ist doch nicht das Problem. Ich glaube, die Begeisterungsfähigkeit ist weg, die Leute können sich einfach nicht mehr gescheit freuen.