hygienebeutel

Der deutsche Gegenwartsroman ist geprägt durch Autoren, die in großbürgerlichen oder akademischen Nachkriegselternhäusern aufwuchsen. Wenn die Elterngeneration überhaupt noch ein Thema ist, dann nicht mehr deren Erinnerungen oder Schuld, sondern höchstens ihr Verfall. Häufiger noch wird der persönliche Mikroverfall beschrieben oder die erschreckende Geschwindigkeit des eigenen Lebens, festgemacht an historischen Fixpunkten wie der Frisur von Kim Wilde.

Was schmerzhaft fehlt, ist das gepflegte Sozialdrama, der Blick auf den hart arbeitenden Teil der Gesellschaft. Als ich vor einigen Wochen in Berlin beim Friseur war, lernte ich einen Haarhandwerker kennen, der in Schöneberg aufgewachsen war und sich zur Wendezeit in eine neue Klassenkameradin aus dem Ostteil der Stadt verliebte. Ihre Eltern zog es aus Friedrichshain in den Westen und Francesco war mit damals 12 Jahren der Meinung, dass DDR-Mädchen wilder und freier waren. Endgültig um ihn geschehen war es, als sie in sein Poesiealbum schrieb: „Wennste erst mal keene feste Zahnspange mehr hast, dann küss ick dir“.

Für einen Roman ist das zu wenig, aber der Tonfall wäre schon mal ganz okay. Für den Plot stelle ich mir etwas Tragisches vor. Zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die ihre drei Kinder durch eine Aushilfsstelle in der Toilette eines Kaufhauses durchbringt. Jeden Morgen schmiert sie ihren Kindern liebevoll belegte Pausenbrote, die sie aus Kostengründen in gestohlenen Damenbinden-Beuteln aus dem Kaufhaus verpackt. Sie denkt pragmatisch und die Papiertüten sind selbstverständlich hygienisch einwandfrei, aber natürlich werden ihre Kinder in der Schule ausgegrenzt und verspottet. Bitte schreiben Sie auf dieser Grundlage einen Roman und posten ihn in die Kommentare. Vielen Dank!