fundsachen
Deutlich mehr als 100 unterschiedliche Metalldetektoren lassen sich bei Amazon bestellen. Zu Preisen zwischen 50 und 1000 Euro. Passend dazu eine Unzahl von Schatzsuche-Ratgebern, Klappspaten und Spitzhacken. Ich komme darauf, weil ein junger Mann in der Lüneburger Heide einen Haufen Goldmünzen gefunden hat. Der Mann ist Amateur und ich habe zwar keinerlei Ahnung, aber Amateur ist schließlich keine geschützte Berufsbezeichnung und ich beschließe, ab sofort auch einer zu werden. Vermisst werden immerhin noch das Bernsteinzimmer, die Bundeslade und dann ist da diese Goldkette des Piraten Störtebeker. Er hat die Kette, die angeblich rund um das Stadtgebiet von Hamburg reichen würde, dem Senat als Kaution für seine Freilassung angeboten und auch wenn damals Altona und St. Georg noch nicht dazu gehörten: Verdammt geile lange Goldkette.

Was mich im Moment noch ein wenig irritiert, sind die Amazon-Rezensionen zu den Metalldetektoren. Eine Dame verleiht einem 159 Euro-Gerät fünf Sterne und schreibt, ihr Sohn habe in mehreren Stunden intensiver Suche damit immerhin einige Pfanddosen gefunden. Wenn sie mit „einige“ zum Beispiel „vier“ meinen würde, dann müsste ich 636 Pfanddosen ausgraben, um allein die Kosten für das Gerät wieder einzuspielen. Als 53-jähriger Mann in einem Supermarkt 636 lehmige Cola-Dosen in einen Pfandautomaten zu stecken, das verströmt eher das Odeur von Altersarmut als den würzigen Geruch des Erfolgs.

Die schon wesentlich teurere Tiefensonde mit verbesserten 8-stufigen Suchleistungseinstellung findet angeblich „vom Hochsitz gefallene Patronen, […] auch im dichten Gestrüpp. Prima“. Unter Hochsitzen habe ich übrigens auch schon einige Patronenhülsen gefunden. Ohne Sonde und sogar ohne Brille. Die liegen dort, das ist so normal wie Äpfel unter Apfelbäumen. Dann lieber die billige Anfänger-Version für 84 Euro, die Matchbox-Autos findet oder – Mehrfacherwähnung – den „wirklich verloren geglaubten Ehering“ auf dem Beachvolleyballfeld. Obwohl auch diese Funde noch weit entfernt vom Nibelungenschatz sind, der meiner Meinung nach bei Hagen liegt. Aber eben nicht bei Hagen in Westf., sondern bei Hagen v. Tronje.

Möglicherweise sollte ich mich mehr auf die überirdischen Schätze kaprizieren, die einem so unverhofft zufliegen. Dazu braucht es wenigstens kein elektrisches Gerät, sondern man muss einfach nur warten und im richtigen Moment zugreifen. So wie damals, als mein Büro im ersten Stock auf derselben Höhe wie das Zimmer einer sehr alten Dame lag. Wir haben uns manchmal zugewunken und irgendwann war in ihrem Raum kein Licht mehr. Ihre Verwandten räumten ihre Wohnung aus und schichteten den Großteil ihrer Habe als Sperrmüllhaufen an der Straße auf.

Im Regen lagen ihre Schelllackplatten und ihre SPD-Ehrenurkunde für 50-jährige Mitgliedschaft, unterschrieben von Willy Brandt. Weil mir das zu trostlos erschien, lud ich die Platten und die Urkunde in mein Auto und habe daheim alles ehrfürchtig angesehen. Eine der Schelllackplatten habe ich später auf eBay verkauft, weil ich wollte, dass sie jemand besitzt, der einen Plattenspieler hat. Es war Albert Einsteins Glaubensbekenntnis von 1932 und ich hatte keine Vorstellung vom Wert dieser Schallplatte. Nach einer Woche bekam ich eine Mail von eBay und einem überglücklichen Käufer. Nur 1.600 Mark – ob ich denn gar nicht wisse, wie unglaublich selten diese Schelllackplatte sei? Ich wusste es nicht, aber ich habe der alten Dame seitdem noch oft in Gedanken zugewunken.

„Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen, warum und wozu. Im täglichen Leben fühlen wir nur, dass der Mensch um anderer willen da ist, solcher, die wir lieben, und zahlreicher anderer, ihm schicksalsverbundener Wesen.“ Albert Einstein