Sorge Dich nicht – klebe!

Man kann sein Büro weihnachtlich dekorieren und allerlei billigen Tand heranschaffen. Aber eigentlich liegen die besten Zutaten längst in der obersten Schreibtischschublade. Nur ca. 2000 Post-it® Page Markers sind für einen zünftigen Adventskranz nötig. Sicher – ein halber Arbeitstag muss dafür geopfert werden, aber es sieht einfach zu und zu heimelig aus.

Die Tanne ist ein Baumarktartikel für nur sieben Euro, der von einem echten Baum nur von promovierten Botanikern unterschieden werden kann. Mit einer Büroschere bearbeitet, nadelt das Ding sogar stilecht. Die Post-it® Kerzen sind schnell gemacht, komplizierter wird es bei Girlanden und Sternen, die im Zick-Zack montiert werden. Aber wozu ist der Klebestreifen denn sonst aufgebracht?

In der Krippe mit Post-It-Stroh tragen Maria und Josef trendige Frisuren in poppigen Neonfarben. Das Stroh lässt sich zügig erzeugen, indem man mit der Schere Späne von ganzen Blocks abschnippelt. Wenn einer der Kollegen fragt, warum die Collegeblocks seit ein paar Tagen keine Papprückseiten mehr haben – einfach wortlos auf die Krippe zeigen.

Ich würde gerne bis Weihnachten an dieser Stelle Eure Ideen zu Weihnachtsdekorationen mit Büroartikeln zeigen. Was immer Ihr einsendet, ich stelle es zügig ein. Nicht gezeigt werden explizite Darstellungen Eurer Kollegen und so weiter und so weiter, Ihr wisst schon. Bilder an Xmasoffice@web.de

Fotografie: Heiko Seibel Idee und Bastelarbeiten: Peter Breuer

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1. Update

Bei mir muss eine Schale Mandelkern nebst weihnachtlicher Staubfänger-Werbung für die Stimmungsmache ausreichen. Reduktion eben. Liebe Grüße, @twittschicat

Guten Morgen Peter, nach deinem Life Bloggen gestern hier ein paar meiner Anregungen für die Weihnachtszeit: Meine berühmte Schweinekrippe und mein Weihnachtsrock (neu interpretiert). Femi

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Diese faszinierenden Sterne sind mit der Schere variabel zu formen und wegen ihrer Einzigartigkeit besonders beliebt. Wer natürlich nicht auf Eleganz verzichten möchte, kann das Ganze noch stilvoll mit Büroklammern aufpeppen. Da Pink als traditionelle Weihnachtsfarbe eher verpönt ist, kommt hier die trendige Idee, für alle Liebhaber der Sternendekoration.
Auch der Preis kann sich hier sehen lassen, ein Blöckchen selbstklebendes Papier, nur wenige Büroklammern, liegt doch in fast jedem Büro herum. Eine schöne Vorweihnachtszeit, @WirreGedanken

Wenn sich Medien zu sehr lieben

Passbildautomat, sich selbst fotografierend. Fotoarbeit 1988

Die Zeitspanne, die einem Medium verbleiben, bis es beginnt, sich selbst zum Mittelpunkt der mit ihm transportierten Botschaften zu machen, verkürzte sich in den vergangenen einhundertsiebzig Jahren rapide. Fast sechzig Jahre vergingen nach der Erfindung der Fotografie, bis sie sich um die Jahrhundertwende in der Fotografie der Art Nouveau selbst thematisierte: Nicht das Motiv, sondern das visuelle Erlebnis des Sehens und seiner technischen Reproduzierbarkeit waren plötzlich bildwert. In der Konzeptfotografie der siebziger Jahre gingen viele Fotografen noch einen Schritt weiter und reduzierten ihre Arbeiten allein auf den technischen Prozess des Fotografierens und erkundeten Bereiche, in denen die Fotografie zwangsläufig versagen musste. John Hilliard fügte Fotoserien die vierte Dimension hinzu und belichtete sein Filmmaterial in länger werdenden Zeiträumen bis hin zum reinen Weiß und Charles Wilp fotografierte in seinem Atelier nur noch die leere Hohlkehle…

In dem Moment, als das Publikum in den Vorführsälen um die technischen Möglichkeiten der Cinematographie wusste, konnte auch das Kino den Vorgang des Filmemachens auf der Leinwand spiegeln. Gegenstände, die sich im Stopptrick bewegten, Figuren, für die die Naturgesetze außer Kraft gesetzt wurden, die kopfüber durch Zimmer spazierten. In diesem frühen Stadium lässt sich jedoch sicher noch nicht vom Film als selbstreferentiellem Medium sprechen – noch dienten die Mechanismen des Films als Mittel zur Unterhaltung und wurden nicht um ihrer selbst willen genutzt. Noch galt, dass ein Medium zunächst über eine hinreichend lange Geschichte verfügen muss, bevor diese Geschichte zum Thema werden konnte. Eigentlich erst in den vierziger Jahren, mit dem Beginn der „schwarzen Serie“, bei der die gesamte bekannte Ikonographie des Kinos scherenschnitthaft in die Handlung einfloss, war das Kino an dem Punkt angelangt, an dem es sich über sich selbst Gedanken machte.

Das Fernsehen, dessen Sendungen von vornherein auf serielle Fertigung angelegt waren, brauchte gerade mal ein Dutzend Jahre, bis es die Nabelschau als Stilmittel für sich erkannte. Der Wiedererkennungswert der Ritualisierung von Handlungen war in das Konzept jeder erfolgreichen Spielshow implementiert: Der Kandidat mit den „99 Punkten“ (Vico Torriani) ging ebenso in den aktiven Sprachschatz der Deutschen ein wie die Frage nach dem „Schweinderl“ (Robert Lemke). Dietmar Schönherr war einer der ersten, der nicht nur die Rituale einer einzigen Sendung ritualisierte, sondern ganz offen lesbare Querverweise zu anderen Produktionen einbaute. So war dem Publikum das Design seines Kommandostandes in „Wünsch Dir was“ bereits aus der Raumpatrouille Orion hinlänglich bekannt. Das in den Anfangsjahren der Lindenstraße oft ins Bild baumelnde Mikro wurde von Fans nur zu gern als bewusster Verfremdungseffekt gefeiert.

Die Vorbestimmung zur Selbstreferentialität trug das Internet bereits in seiner Muttersprache in sich: Schließlich ging es von Anfang an darum, von einer Seite auf die nächste, von einer Site auf eine andere zu verweisen. Relevanz bedeutete immer auch, in erster Linie zum Ziel von Links zu werden – diese simple Mechanik bestimmte mehr als in jedem anderen Medium auch den Inhalt. In dieser in sich verlinkten Welt ist das „Draußen“ zwangsläufig ein Störfaktor. Was sich heute – in den Anfängen des „Echtzeitnetzes“ – nur in den Bereichen auflöst, in denen das Netzleben nicht zur Dokumentation des realen Lebens wird, sondern zum Kooperationsmedium wächst. Mit den technischen Möglichkeiten zur gemeinsamen Arbeit an einem Text, einem Musikstück oder einer Debatte, die nicht nur zitiert, sondern sich in eine neue Richtung bewegt. Die technische Möglichkeit, seinen aktuellen Aufenthaltsort per Gowalla oder Foursquare im Netz abzubilden, ist eher eine Gegenbewegung, die zur Virtualisierung des Privaten führt. Es mag scheinbar zum Sozialkontakt mit Menschen führen, die man ohne Netz nie kennengelernt hätte: Aber wer freut sich schon auf ein Gegenüber, dessen Gesicht zu großen Teilen von einem Smartphone verdeckt wird?

Bereits Anfang der 90er Jahre endete mein erster Aufenthalt im Netz – noch nicht im Internet, sondern im Datendienst Datex-J – in einer Chatbox. In einer Zeit, in der nicht nur die Online-Zeit teuer, sondern nahezu jeder Seitenaufruf kostenpflichtig war, noch das günstigste Angebot. Nur lesend staunte ich über das Mitteilungsbedürfnis von Teilnehmern, die trotz Lese-Rechtschreibschwäche munter in die Tasten hämmerten. „Hallööchen ihr da draußen“, flimmerte es über den Bildschirm. „Von wegen draußen” kam Sekunden später die Antwort, „wir sind hier!”

[2009, reblogged]

Der Architekt als Erfinder

Im besten Fall ist Architektur kein Ornament, sondern ein konstruktiver Versuch, Lebensräume mit den Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Technik zu gestalten. Als soziales Instrument, als ökologische Vision oder als raumökonomische Gestaltung.

Viele der interessantesten Architekten des 20. Jahrhunderts haben sich der Form über die Funktion genähert. Etwa Jean Prouvé, ein Pionier der Fertigbauweise, der als Konstrukteur teilweise vorgefundene Industriebauteile für seine seriellen Bauten zweckentfremdete. Oder Egon Eiermann, bei dem die fließenden Grenzen zwischen Ingenieurbau und Architektur auch neue ästhetische Maßstäbe setzten.

Einer, der sich zeitlebens jeder Festlegung entzog, war Richard Buckminster Fuller (1895-1983). Die Liste der von ihm ausgeübten Berufe ist lang: Er war Mathematiker und Dichter, Kartograf und Lehrer – aber bekannt wurde er als Architekt der „geodätischen Kuppeln“. Sphärische Kugeln, deren Binnenstruktur aus Dreiecken gebildet wird. So lassen sich mit einem leichten Metalltragwerk große Volumen transparent überspannen.

Von Richard Buckminster Fuller gelernt und dessen letzten zwölf Lebensjahre mit ihm zusammengearbeitet, hat der Architekt Lord Norman Foster. Er kuratierte gemeinsam mit Luis Fernández-Galiano die Ausstellung, die noch bis zum 18. September im Marta Herford zu sehen ist. In der großen Werkschau sind nicht nur seine Raumkonzepte zu sehen, sondern auch erstmals der Nachbau seines legendären stromlinienförmigen Dymaxion Cars – einer Großraumlimousine, die vor dem 2. Weltkrieg entstand.

Foto: Marta Herford