Hyposensibilisierung

Das Immunsystem reagiert auf Allergene. Weil die sich nicht vermeiden lassen, wird als eine mögliche Therapieform durch hohe Gaben dieser Allergene die Toleranzschwelle des Körpers hinaufgesetzt: Kommen sie nach dieser Behandlung in der Umgebung des Betroffenen vor, ist er zwar immer noch Allergiker, reagiert aber kaum oder nicht mehr auf die Stoffe, die sein Immunsystem ablehnt.

Eine ähnliche Abstumpfungsreaktion nehme ich bei fast allen Themen wahr, die in den vergangenen Monaten in sozialen Medien diskutiert werden. Ganz aktuell ist der Rassismus-Vorwurf gegen das ZDF. Markus Lanz forderte in seiner „Wetten, dass..?“-Stadtwette die Bürger Augsburgs auf, sich im „Jim Knopf“-Outfit am Übertragungswagen zu sammeln. Jim Knopf ist der schwarze Lokomotivführer der Augsburger Puppenkiste und er ist vermutlich nicht schwarz, weil der Kinderbuchautor Michael Ende ein Rassist wäre, sondern weil die Lokomotive seines Freundes Lukas mit Kohlen fährt. Die Assoziationskette Schwarz-Kohle ist jetzt nicht so ein Megaburner, aber das Buch ist von 1960 und Jim Knopf ist kein Stereotyp-Schwarzer, sondern einfach nur ein kluges Kind.

Warum die Wette von Lanz explizit rassistisch ist? Weil ausdrücklich keine schwarzen Augsburger gesucht waren. Es ging um Schuhcreme und Kohle und den Schenkelklopfer, dass weiße Augsburger „den Neger“ geben. Das hat eine unheilige Tradition und Anatol Stefanowitsch und Marie-Sophie Adeoso haben besser über das „Black Facing“ und die Herkunft dieser Rassismen geschrieben, als ich es könnte.

Daneben war diese Wette auch einfallslos und peinlich. Diese Männerballett-Peinlichkeit, bei der sich schlichte Gemüter in die Hose pinkeln vor Lachen, weil unter einem Tutu ein ungelenkes behaartes Bein hervorlugt.

Leider hatte die folgende Diskussion – wie viele andere zuvor – auch eine eigene Dynamik: Auf die, die das Black Facing als solches benannten, folgten die Vielen, die aus der Unsensibilität der quasi-staatlichen Institution einer abgewirtschafteten „Wetten dass..?“-Show versuchten, ein bisschen mehr Honig zu saugen. Diese Aufregung zog wiederum reflexartig all die an, denen es traditionell ein Fest ist, den „Gutmenschen“ und „Moralisten“ eins auszuwischen. Diese neokonservativen Dieter Nuhrs, die in Deutschland ein klatschbereites Publikum für den billigen Syllogismus finden, die mögliche Abschaffung des Zwarten Piet in den Niederlanden sei ein Vorbote eines Osterhasenverbots.

Es sind die üblichen Argumente, die sich wie immer so zusammenfassen lassen: „Alles wollen sie uns nehmen, erst klauen sie uns das Fleisch in der Kantine, dann soll die Zigeunerwurst anders heißen, morgen fordern sie Tempolimits und jetzt wollen sie auch noch schwarze Schuhcreme verbieten. Hechelhechel – lächerlich.“ Das alles bei hoher Drehzahl und ohne Chance auf Entrinnen.

Die Taktrate des Wortes „Rassismus“ war in der Folgezeit hoch genug, um zu vergessen: Kaum ein Erwachsener, der seine Sozialisation in diesem Land erlebt hat, verfügt über Denkmuster, die völlig frei von Rassismen sind. Der Begriff „Rasse“ ist in unserem Sprachgebrauch längst durch das euphemistische „kulturelle Unterschiede“ ersetzt worden und es gibt neben den direkten Rassismen viele verdeckte indirekte Facetten, mit denen wir Formen der Abweichung von der Mehrheit sanktionieren oder diskriminieren. (Was nebenbei natürlich auch jede andere Form von Anderssein betrifft.)

Was an diesen Diskussionen gefährlich ist: Die Dosis macht nicht nur das Gift – sie stumpft sogar ab, statt zu sensibilisieren. Und das ist kein Problem der Diskussion selbst, sondern eines der Medien, in denen sie stattfindet. Die beiden oben genannten Beispiele sind Positivbeispiele: In einem Blogbeitrag oder einem längeren Text lässt sich ein Sachverhalt in einen Kontext setzen, während 140 Zeichen nur polarisieren können. Manchmal sollte man es sich auch verkneifen und ich muss das auch noch üben. Schnauze halten ist definitiv besser als Ironie.

Tuning-Künstler

„Mein Vater“, sagt Steve Heller, „nannte sich Antiquitätenhändler, doch in Wirklichkeit war er ein Müllsammler“. Als der manische Sammler 1987 starb, bat ihn seine Mutter, den riesigen Schrotthaufen zu räumen, den der Vater im Laufe der Jahre aufgehäuft hatte. Auf dem Weg zur städtischen Kippe schaute er in den Rückspiegel seines Wagens und erkannte das Potenzial der scheinbar wertlosen Oldtimer-Relikte, die er da geladen hatte.

Er kehrte um und begann noch im selben Sommer mit dem Schweißen seiner automobilen Metallobjekte. Dem Holzbearbeiter Heller, der ansonsten wunderliche Naturholzmöbel produziert, deren Formen er so organisch belässt, wie er das Naturholz vorfindet, kommen die runden Formen der Cadillacs und Dodges aus der Stromlinienära sehr entgegen.

Inzwischen ist sein Grundstück an der ansonsten ereignislosen Route 28 im Bundesstaat New York zu einem Freilichtmuseum gewachsen, über das nur sein großer Hofhund wacht.

pink

flosse

scooter

blaugelb

rakete

Generation Frau

generationfrau

Liebe Brigitte,

diese Briefanrede ist affig, aber ich habe das Gefühl, dich schon so lange zu kennen, dass ich mir die Freiheit zum „Du“ einfach nehme. Fünf Millionen hast du für deine neue Kampagne ausgegeben und es fühlt sich so an, als ob die Summe komplett in Hamburg investiert worden wäre. So präsent sind die Citylights, die mir die neue „Generation Frau“ an jeder Bushaltestelle und jeder Ampel zeigen.

Ihr wollt Frauen vorstellen, die unsere Gesellschaft prägen und sich durch ein besonderes Engagement oder besondere Lebenswege auszeichnen. Sechs Motive habe ich schon gesehen: Eine Modeunternehmerin, eine Modebloggerin, eine Tänzerin, eine Autorin, eine Regisseurin und die Betreiberin eines Schmucklabels. Die Fotos sind toll und die Frauen attraktiv. Was soweit okay ist, ihr seid schließlich kein investigatives Politmagazin, sondern eine Frauenzeitschrift.

Aber irgendwie bleibt bei mir ein schaler Nachgeschmack. Die Botschaft, die bei mir ankommt, heißt: „Das vielseitige Leben der Frauen von heute“, das Felix Friedlaender, der männliche Verlagsleiter der Brigitte Group beschreibt, spielt in erster Linie in Medien, Mode und Kunst. Die Botschaft, die von den Plakaten ausgeht, findet im Kleingedruckten statt und hat immer einen kleinen Widerhaken. Die schöne Tänzerin ist Kriegswaise und hat es dennoch geschafft und die Unternehmerinnen bringen Kinder, Karriere und Familie unter einen Hut.

Vor drei Jahren, als ihr ankündigtet, die erste Frauenzeitschrift ohne Models zu werden, wolltet ihr ein Zeichen gegen den Mager- und Schönheitswahn setzen. Die modelfreie Zone beschränkte sich schließlich auf die Editorials und die Frauen dieser Modestrecken waren gecastete Schönheiten. Frauen mit Kleidergröße 36 statt 34, Amateure, die durchaus das Zeug zur Modelkarriere gehabt hätten, nun aber noch ein kleines Bonusfeature mitbrachten: Sie hatten angesagte Berufe, Schwangerschaften hinter sich und stachen die echten Models dank Licht, Visagistin und Photoshop trotzdem aus.

Relativ schnell lief sich dieses Konzept tot. Mit dem Wechsel auf die neue Chefredaktion musstet ihr zugeben, dass sich eure Leserinnen von ihren hübschen allescheckenden Geschlechtsgenossinen unter Druck gesetzt fühlen. Plötzlich ließ sich der Beauty-Faktor nicht mehr nur damit erklären, dass das Schönsein für das Model ein Fulltime-Job ist – die waren auch noch in vermeintlichen Traumberufen erfolgreich. Horror.

Nun, mit den Kampagnen-Frauen aus den weiblich konnotierten Berufen tappt ihr zum zweiten Mal in dieselbe Falle. Und weil der Anspruch, für eine ganze „Generation Frau“ zu sprechen und der Stil der redaktionell gehaltenen Fotografie die Relevanz der Sache noch ein wenig höher hängt, nehme ich mir die Freiheit heraus, euch meine Sicht auf die Brigitte zu sagen:

Die Brigitte hat mich durch die 70er, 80er und 90er begleitet. Ich habe die Modestrecken von F.C. Gundlach gemocht und die Kolumnen von Elke Heidenreich geliebt. Euer Romanpreis war eine echte Instanz und die Texte hatten Qualität. Der erste selbst gekochte Coq au Vin in meiner winzigen Studentenbude – ein Brigitte-Rezept.  Als ich 18 war, habe ich zusammen mit einer Schulfreundin 500 Mark in eurem Strickwettbewerb gewonnen. Mit einem Schweinepullover, den wir für unsere Schülerzeitung entworfen haben.

Was ich mochte, obwohl ich doch als Mann nicht zur Zielgruppe gehörte und den Modekram und die Schminktipps überblätterte? Ihr wart immer ein kleines bisschen progressiver als der ganze Rest des Segments. Ihr hattet manchmal Humor, ein klares Layout, eine coole Versuchsküche und habt auf den verschwitzten Bürokauffrauen-Sex der Cosmopolitan („Lassen Sie Ihr Becken beben“) und den rosa Mädchenkram für Out-of-Age-Pferdemädchen verzichtet. Dafür habe ich euch auch die stereotypen Reportageeinstiege – „Er öffnete mir in einem Holzfällerhemd die verwitterte Tür seiner Fischerkate – verziehen.

Eure neue Kampagne, mit der euch eure Agentur als „Frauenzeitschrift des Zeitgeistes“ positionieren möchte, ist nicht mutig. In Wirklichkeit ist sie ein Beleg dafür, wie diese Gesellschaft mit einem leistungsgetriebenen Paradigmenwechsel zurück in die falsche Richtung rudert. Die Geschichten der Frauen in der Kampagne sind zwar gute Geschichten, aber sie finden in zwei läppischen Zeilen Copytext unter einem Bild statt. Die Berufe sind Mädchen-Traumberufe und die Karrierewege sind vor allem eines: Glückliche Einzelfälle und hart erkämpft.

Ein positives Bild einer „Generation Frau“, das die determinierten Geschlechterrollen niederreißt, sieht anders aus. Und wenn man über den engen Horizont von Hamburgs Medienlandschaft hinausblickt, findet man auch andere Rollenvorbilder. Die Babyboomer, die von den erkämpften Möglichkeiten der Frauenbewegung profitierten und in ein Berufsleben entlassen wurden, das einerseits plötzlich offen war für neue Modelle, andererseits aber aufgrund der Größe der Generation sehr heikel und eng war, hätten euer Modell sein können.

Diese Generation hat Bergbauingeneurinnen hervorgebracht, die kein Kind und keinen Typen haben und sich trotzdem als Frau fühlen. Es gibt Berufswege, die nicht stromlinienförmig waren und Frauen hervorgebracht haben, die erst einen Sozialberuf lernten, leidenschaftlich an Motorrädern schrauben und sich irgendwann mit einer zweiten Karriere im IT-Bereich arrangierten. Exoten wie die Landwirtin, die zusammen mit Freundinnen eine LPG übernahmen. Und es gibt die vielen, die einfach irgendeinen Beruf gelernt haben, alleine, zu zweit oder mit Kindern leben und sich nach vierzig Stunden im Job auch gerne mal mit einer Zeitung auf das Sofa packen.

Was niemand braucht, ist der Stress eines Frauenbildes, das suggeriert, man müsse ständig Leistung bringen: Damit der schicke Beruf, das megaoptimierte Familienleben und der Kampf um Goldmedaillen zu vorzeigbaren Ergebnissen werden. Die neue „Generation Frau“ ist meine Pommesbuden-Besitzerin. Die ist 52, nicht schön genug für ein Citylight, mit einem fetten Tribaltattoo auf ihrem Arm. Hat in der Pfalz in einem Handwerksbetrieb gearbeitet, irgendwann beschlossen, sich selbstständig zu machen und braucht „keinen Mann mehr für zuhause“. Wenn doch einer käme, ich bin sicher, sie würde darauf bestehen, dass er mit einem Staubsauger umgehen kann.

Und heute abend koche ich mir einen leckeren Coq au vin!

Skandal: Vegetarier essen Kätzchen!

Nur mal angenommen, man hätte die Macht eines viel gelesenen Mediums und wollte einer politischen Partei im Vorbeigehen mal eben übel ans Bein pinkeln. Man würde das Wahlprogramm der Partei herunterladen und gezielt nach Schlüsselthemen suchen. Ist das Medium der Wahl aus Papier, suchte man nach Abgabenerhöhungen auf Mineralöl, geplanten Tempolimits oder einer finanziellen Mitbeteiligung des Profifußballs an den Kosten der wöchentlichen Polizeipräsenz.

Will man die Aufregung im Netz, sind die Reizworte natürlich andere. Impfgegner, Naturheilverfahren und Vegetarismus sind im Internet die Speerspitze der Unterwelt. (Ob vegan oder vegetarisch ist dabei auch schon egal – wer es simpel braucht, schmeißt auch das in einen Topf.) Die Medienpartner stehen in beiden Fällen fest: Die lauten Büttel, die reflexartig losplärren, nun wolle Partei xy dem kleinen Mann auf der Straße auch noch das letzte bisschen Spaß seines bisher schon grauen Alltags nehmen.

Die BILD hat den Bogen raus und heute ging es gegen die Grünen. Und herzlichen Glückwunsch, es wurde fleißig Stimmung gemacht. Funktioniert hat es heute  so:

[Headline BILD]
POLITIKER FORDERN VEGETARIER-TAG IN DER KANTINE Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!

Der erste Teil der Überschrift ist nicht so ganz falsch. Tatsächlich fordern die Grünen in ihrem Wahlprogramm, dass Kantinen mit einem Vegetarier-Tag eine Vorreiterrolle im Bemühen einer Reduktion des unstrittig zu hohen Fleischkonsums einnehmen sollen. Dass die Grünen uns das Fleisch verbieten wollen, ist schlicht gelogen. Aber in der Kürze liegt nun mal die Würze.

[Text BILD]
„Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren. Vegetarisch kochen ist nämlich mehr, als nur das Fleisch weg lassen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zu BILD.

Das ist der Satz aus dem Originaltext der BILD, der belegen soll, wie drakonisch die freudlose Renate Künast den Wurst- und Schnitzelfreunden ans Leder will. Selbst wenn Renate Künast korrekt zitiert sein sollte, sagte sie zu BILD also nicht, dass  die Grünen einen Gesetzesentwurf anstreben, der jeden Deutschen zwingt, an einem von sieben Wochentagen auf Fleisch zu verzichten. Eigentlich sagte sie lediglich, dass ein vegetarischer Tag eine Chance ist, beim Kochen mal was anderes auszuprobieren.

Mitgemacht haben im Internet wieder einmal viele, denen ich an dieser Stelle ausdrücklich gratuliere. Die Stimmungsmache der BILD auf 140 Zeichen zu verkürzen, ist jetzt nicht so die Superleistung, aber der gute Wille zählt und ich hoffe, das individuelle Feedback aus der Peergroup war entsprechend gut. Ich für meinen Teil lasse mir jetzt mein kross gebratenes Kätzchen schmecken.

Die Jungs vom Abendblatt

abendblatt

Prolog

1960 erschien „Die Fünfzig vom Abendblatt“, das Kinderbuch eines Autors, dessen erste Kinderbücher im Dritten Reich noch von den Vorzügen der Kameradschaft unter Jugendlichen handelten. Und auch in diesem Buch ging es um Tugenden. Gefeiert wurden Zusammenhalt, Fleiß, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit. In erster Linie waren die Fünfzig vom Abendblatt junge Zeitungsfahrer, die mit ihren Fahrrädern dafür sorgten, dass „ihr“ Blatt pünktlich zugestellt wurde. Bei aller verschwiemelten 50er Jahre Moral, die das Buch atmete – es war eine packende Geschichte der Identifikation mit einer Tageszeitung und dem Kampf für Journalismus, der unter anderem darin gipfelte, dass die Fahrer sich weigerten, eine Ausgabe zuzustellen, in der nachweislich falsch berichtet wurde. Sie wollten Schaden von ihrem Blatt nehmen und fühlten sich dem Journalismus verpflichtet.

Wertschöpfung

In der romantischen Fassung des Kapitalismus ist es das Ziel unternehmerischer Tätigkeit, Vorleistungen einzukaufen, zu einem Produkt zu veredeln und einen Marktpreis zu erzielen, der nach Abzug der Vorkosten der eigenen Arbeit einen Wert verleiht.

Bei einem journalistischen Produkt ist das die Geschichte, deren Wert sich vor allem in ihrer Unabhängigkeit bemisst: Der Anbieter – egal, ob sein Medium gedruckt oder digital erscheint – schafft ein Medium, das sich über zwei Quellen finanziert: Der Straßenverkauf, das Abonnement und digitale Bezahlsysteme sind das Fundament, aufgrund dessen Zahlen sich unter anderem auch die Höhe der Werbeerlöse bemessen.

Unabhängigkeit

Der Markenkern eines journalistischen Produkts ist seine Unabhängigkeit und das Vertrauen der Leser in die Unbestechlichkeit der Berichterstattung. Der Redakteur muss sich darauf verlassen können, dass sich kein Mitarbeiter der Mediaabteilung in sein Büro wagt, um eine Geschichte im Sinne eines Anzeigenkunden zu schönen. Er muss die Gewissheit haben, keine Informanten preisgeben zu müssen und bei allem Zeitdruck so lange recherchieren zu können, bis seine Informationen fundiert und gegenrecherchiert sind.

Die Anekdoten von Dandy-Journalisten des zwanzigsten Jahrhunderts, die in Grand Hotels logierten – das Morphium-Besteck neben der Hermes Baby – hatten nie mit der Alltagswirklichkeit des Berufs zu tun. Was heute zählt, sind handwerklich gute Geschichten, die mit normalen Gehältern erzählt werden können. Nicht mit der virtuellen Bestätigung durch Likes und Shares, nicht mit Flattr-Almosen, sondern mit stinknormalen Gehältern, von denen Menschen und deren Familien leben können.

Heimat Zeitung

Das eigene Blatt hatte zwar immer eine Farbe, doch traditionell waren in Deutschland alle großen Regionalblätter politisch in der Mitte verankert und die Ausschläge in eine christlich-konservative, liberale oder sozialdemokratische Richtung so moderat, dass selbst Wechsel der Chefredaktionen nie langfristig die Tonlage eines Blattes änderten.

In den meisten Regionen war es bis zum Ende der 1980er Jahre möglich, zwischen zwei unterschiedlich positionierten Zeitungen zu wählen.

Was es änderte, war der Fortschrittsglaube einzelner Verleger: Dem nicht medienadäquaten Irrglauben der 1980er, eine Regionalzeitung müsse ins geöffnete TV-Geschäft eingreifen, folgte die Überheblichkeit der späten 1990er, mit den Möglichkeiten des Internets gleich die ganze Welt bis Timbuktu mit der brandheißen Info vom Dorfschützenverein in Immekeppel beschallen zu wollen. Das konnte nicht gut gehen: Die Leute aus Timbuktu haben sich weniger schnell interessiert, als die Bewohner von Immekeppel ihre Zeitung abbestellt hatten. Erstaunlich.

Einschub

Mit dem 4. Rundfunk-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1986 hatten die Verleger plötzlich die Chance, sich am dualen Rundfunksystem zu beteiligen. Sie hätten sogar das Potenzial gehabt, sich anders als andere Privatsender ohne lästige  Untermieter ihrer Informationsaufgabe zu stellen. Die einen scheiterten jedoch mit amateurhaften Programmen, die nicht annähernd das Niveau von Bürgerfunksendungen erreichten, andere schlossen sich mit Partnern zusammen und produzierten seelenlose 24-Stunden-Kochsendungen und vor allem: Millionenschulden. Das Medium Fernsehen war zu kostspielig und zu sehr auf nationale Verbreitung ausgelegt. Kein Platz für die Nische in der Nische. Das Konzept ging nur auf für Privat-TV-Untermieter wie SPIEGEL TV oder Süddeutsche TV, die sich als vom Rundfunkstaatsvertrags geforderte Vollprogramm-Ergänzer die Nische im Mainstream eroberten.

Das Internet hätte eine einmalige Chance sein können, den Journalismus vor Ort zu beleben: Es ist blitzschnell, preiswerter als ein Printprodukt herzustellen und bot von Anfang an die Möglichkeit zum Dialog mit dem Leser. Was bis heute nicht entstand, war eine neue Form regionaler redaktioneller Beiträge: In unmittelbarer Rufweite des Lesers, also dort, wo politische Entscheidungen nicht als Nachrichten konsumiert werden, sondern die Umgehungsstraße, das Industriegebiet oder die Schulplanung tatsächlich den Einzelnen betreffen, hätten lokale Themen-Wikis, Gastbeiträge oder transparent aufbereitete Stadthaushalte die gedruckte Zeitung sinnvoll ergänzen können. Aber es kam anders.

Der große Crash

In den Jahren nach der Jahrtausendwende eskalierte die Situation, weil Anzeigenkunden und Leser gemeinsam Reißaus nahmen. Der profitable Stellen- und Kleinanzeigenmarkt war die weichste Stelle in der Flanke der Verlage, weil das Finden des Wenigen für den Suchenden relevanten aus einem Haufen Zeug digital blendend funktioniert. Am härtesten traf es stolze Regionalzeitungen, die von „aufgeschlossenen“ Verlegern in die digitale Zukunft geführt wurden. Von weißschläfigen Männern, deren Eitelkeit sich nach Thomas Middelhoff’schen Glamour sehnte und die auch fünfzehn Jahre später noch ein ganz kleines bisschen überrascht waren, dass auch ihr Porsche Teil der Konkursmasse sein sollte. Ohne Konzept wurde alles ins Internet gekippt, was wortgleich gedruckt wurde und die Bannerreklame örtlicher Kosmetikstudios stand für neue, multimediale Werbeformen. Der erste „Skyskraper“ in der Provinz, ein Animated Gif.

Andere, wie die Frankfurter Rundschau, gaben in dem Bemühen, sich der neuen Zeit anzupassen, ihren Markenkern preis. Statt das zu schärfen, was das Blatt immer ausmachte, nämlich die hessische Balance zwischen Brezel Benno und Japans Tenno, lief man einem stromlinienförmigen Leser hinterher, der eine Vision blieb. Schuld war nicht das Internet, schuld war der Versuch, es aus Angst, nicht mehr zu gefallen, möglichst vielen recht zu machen und keinem wirklich gut. Wie überall war das Tabloid-Format der Anfang vom Ende.

Das Abendblatt

Die Funke Mediengruppe hat im Laufe von 15 Jahren die gesamte Presselandschaft Westdeutschlands leergekauft und die Heterogenität der Berichterstattung durch ein zentrales WAZ Content-Desk ersetzt. Unter der Geschäftsführung von Bodo Hombach, dem Ex-SPD-Wahlkämpfer und späteren Vorsitzenden der „Zukunftskommission“ von Jürgen Rüttgers kaufte die vormalige WAZ alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Selbst der altlinke und früher widerborstige Klartext-Verlag durfte sich während seiner Amtszeit zum geschmeidigen Ruhr-Reiseführer-Content-Produzenten herabmendeln.

Jede der hinzugekauften und geplünderten Zeitungen verlor über dem Branchenschnitt an Auflage. Besonders hart traf es die „Westfälische Rundschau“, der innerhalb von wenigen Monaten mehr als 40 Prozent der Leser fortliefen. Was die Schließung der Redaktion und die Bestückung mit „Content“ aus dem Mutterhaus folgerichtig erscheinen ließ.

Nun ist das „Hamburger Abendblatt“ an der Reihe.  Die vielen Millionen, die an Springer überwiesen wurden, müssen refinanziert werden und das Konzept wird dasselbe wie immer sein: Der Journalismus ist nur ein Störfaktor in dieser neuen Wertschöpfungskette, bei der der Einkaufspreis mit den Reichweitenerlösen verrechnet wird.

Die 1.7 Millionen Stadt Hamburg behält eine Lokalredaktion, der Mantel wird eine grün angepinselte WAZ. Der Gedanke hinter dieser Rationalisierung ist ein kaufmännischer, kein journalistischer. Denn eigentlich ist eine Zeitung ein Gesamtkunstwerk, bei dem das Umblättern vom Überregionalen zum Lokalen keinen Bruch verträgt.

Und jetzt?

Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, die sich von den Traditionstiteln „Hamburger Abendblatt“, „Hörzu“, „Funkuhr“, usw. trennten, ist optimistisch. Er sieht die Zukunft in der digitalen Welt und glaubt, der Leser werde auch dort bereit sein, für „geistige Wertschöpfung“ zu bezahlen. Nach einem Crashkurs im Silicon Valley glaubt er seinen Verlag auf die Herausforderungen der neuen Zeit eingenordet zu haben.

Bis jetzt sieht die Digitalisierung der Springer AG noch nicht nach einem neuen Zeitalter des Publizismus aus – eher nach einer wilden Einkaufstour quer durch die Preisvergleichs-, Job- und Aggregationsportale. Und die Exklusivität des Paymodells von BILDplus beschränkt sich auf den unteren Rand des Gossips, mit dessen weiterhin kostenlosem Part schließlich Leser auf die Plattform gezogen werden müssen. Eine Extra-Brustwarze mehr gegen Cash? Ein besoffener C-Promi im Abo? Das wird nicht funktionieren, da muss noch mehr kommen.

Aber der gesuchte Toptreffer lässt sich nicht kalkulieren: Selbst die Huffington Post wird eine rein amerikanische Erfolgsgeschichte bleiben, die sich nicht 1:1 mit deutscher Synchronstimme adaptieren lässt. Das Erfolgsmodell des ursprünglichen Blogs ist personengetrieben und ihr journalistisches Modell basiert allein auf dem Reflex, möglichst viele dorthin zu verlinken, wo es laut und bunt ist. Natürlich funktioniert das, weil es immer funktioniert und weil das Klicken kostenlos ist. Erfolgreich geworden ist die Huffington Post, als das Netz jung war und irgendwann hat es vor allem funktioniert, weil es erfolgreich war. 2013 ist das Netz nicht mehr jung und nur die Behauptung des Erfolgs wird nicht reichen.

Verlage, die dem digitalen Megaerfolg hinterherjagen, werden vielleicht sogar irgendwann einen Treffer landen. Nur Verlage mit lesenswertem Journalismus sind sie dann nicht mehr. Allenfalls Investmentgesellschaften mit „Digitalkompetenz“.

Epilog

Einer der Fahrer, die zu den Fünfzig vom Abendblatt gehörten, war der Sohn des Verlegers, der ohne bevorzugt zu werden das Zeitungsgeschäft kennenlernen wollte. Sein Pseudonym war Harald Amelung – ein kleiner Insiderwitz für alle, die schon einmal durch die Amelungstraße auf das Springer-Gebäude zuliefen. Alle weiteren Zufälligkeiten konnte Alfred Weidemann 1960 nicht ahnen.

Titz

zug

Eine bizarre Zugfahrt von Aachen nach Wuppertal vor vielen Jahren. Den letzten Zug am Vorabend hatte ich verpasst, Lust auf ein Hotel hatte ich nicht und so musste ich die Nacht in der Bahnhofskneipe mit einer vietnamesischen Reisegruppe und den Arcade-Sounds eines elektrischen Dartspiels verbringen.

Um kurz nach sechs drückte ich mich erleichtert mit Zigarette und Kaffee in die Velourspolster des Regionalzuges, damals durfte man im Zug noch rauchen und guckte verschlafen am verqualmten Vorhang vorbei in die Sonnenstrahlen über dem Braunkohlenrevier. Mir gegenüber ein schwarzer amerikanischer Soldat mit Knobelbechern und seine deutsche Freundin, eine pralle Schönheit vom Niederrhein.

Er war blendend gelaunt und las mit heller krähender Stimme jedes Bahnhofsschild vor, das er aus dem dreckigen Fenster lesen konnte. „Hörzogenraat“, „Uback-Palenbörg“ und dann „Geilenkirchen“. Geil hatte er schon mal gehört, also fragte er nach dem Rest. „What does it mean?“ Seine Freundin war ratlos. Ich half aus und sagte müde „Horny churches“.

Seine Laune war nun auf dem Siedepunkt. Sex und Kirche in einem Wort. Wir Deutschen waren schon ein irres Völkchen. Dann fuhr der Zug durch Titz und hey – dazu brauchte keine Hilfe. Schnappatmung. Great, diese Ortsnamen waren ein Stimmungsheber der absoluten Weltklasse, fast so gut wie die Autobahnschilder mit dem „Aus-Fart“, die er von weitem sehen konnte. Erst die Unübersetzbarkeit von „Örkilenz“ und „Munschengladback“ brachte die Stimmung im Abteil wieder auf ein normales Maß.

Anja

Anja

Zwei Schwäne, aufeinander zu schwimmend, formen mit Hälsen und Schnäbeln ein Herz. Sie hat die Karte aus dem Postkartenumschlag genestelt, hält sie mir direkt unter die Augen und will meine Meinung wissen. Ich sei schließlich gelernter Fottograff habe meine Frau ihr gesagt. Ich sage „ein Herz“, etwas Blöderes fällt mir nicht ein. Sie kreischt vor Freude über meine messerscharfe Intelligenz. „Ein Herz, stimmts?“ Jeder ihrer Sätze endet mit „Stimmts?“ und der Begriff der rhetorischen Frage scheint für Anja erfunden, die Rhetorikerin vom Schwarzmeer.

Die sich vor nichts mehr fürchtet als vor peinlichem Schweigen, die ihre Krebsangst wegplappert, als könne ihr der Tod nur bei Sprechpausen ins Wort fallen. Danach sieht es allerdings auch nicht aus, denn nach drei Wochen Reha ist Anja hähnchenbraun und kugelrunder als es den Ärzten gefällt. Sie möchte fotografiert werden, Arm in Arm mit ihrer neuen Freundin, die sie in ihr riesengroßes Herz geschlossen hat und vermutlich ganz schnell auch wieder vergessen wird, was nichts an der Tiefe von Gefühlen ändert, die im Hier und Jetzt stattfinden und nicht in Dekaden gemessen werden.

Von ihr zu lernen, heißt Leben lernen. Sie hat ihre russische Heimat verlassen und eine andere suchen müssen, einen Mann geliebt, einen neuen gefunden und vergöttert dennoch die Kinder des Ersten. Ihre Krankheit ist keine intellektuell verbrämte Metapher, sondern real und ein Feind, den sie mit allen Fasern bekämpft. Die Marlboro-Zigaretten, die sie sich im 5-Minuten-Takt anzündet, sind vermutlich Gift für ihren Körper, aber in ihrer Vorstellung sind sie ein Symbol des gesunden Westens, der Krebszellen mit genormten Markenprodukten in Schach hält. Das ist nun fünf Jahre her. Anja wird noch leben, lachen und Postkarten mit Schwänen kaufen. Ich bin sicher.

Joey Heindle. Ein #aufschrei.

Als er wusste, dass ihn das Publikum zum Dschungelkönig gekrönt hatte, war Joey Heindle alleine im Camp. Es waren maximal 60 Sekunden, die ihn die Kamera beobachtete. Für einen Sender, der das Aufmerksamkeitsdefizit der Zielgruppe mit Zehntelsekundenschnitten belohnt und die dürftigen Highlights seines Szenenfundus im Stakkato wiederholt, eine quälend lange Zeitspanne.

Zu sehen war ein Junge, der für seine Freude keine Worte fand. Der wie ein katatonischer Käfigtiger durch die Palmenkulisse stolperte und sich selbst Worthülsen voller Bildsprünge aufsagte. Der nicht viel, aber immerhin sehr genau weiß, dass jetzt von ihm Emotionen der Überwältigung gefragt sind. Sein Gestammel wirkte von einem inneren Blatt abgelesen, aber die Medien feiern ihn als „authentisch“. Authentisch ist das Todesurteil, es heißt: „Selbst für Selbstschutz zu dumm. Den beuten wir bis auf die Knochen aus und kotzen die Reste auf den Teller.“

Joey Heindle hat eine Ausbildung zum Beikoch absolviert. Man muss keine Gastronomieerfahrung haben, um zu wissen, was „Beikoch“ über seine Schullaufbahn sagt. Er hat seine anschließende Kochlehre abgebrochen und sich bei „Deutschland sucht den Superstar“ beworben. Dort hatte er das Glück – oder war es sein Pech? – ins Rollenmuster der Zehnerauswahl zu passen. Der Mädchenschwarm, die Balladenprinzessin, der Rebell und der Trottel. Joey war der Trottel, der sich von Bohlen lächelnd beleidigen lassen durfte. Nach seinem Ausscheiden produzierte er eine Single, an deren schlechter Chartplatzierung vermutlich andere verdient haben.

Der König des Dschungels ist ein Opfer. Er wird eine kurze Zeit in großen Autos gefahren werden, von Termin zu Termin, von Lanz zu „Explosiv“ zur Möbelmarkteröffnung zur Kirmes im Hunsrück. Wenn er nicht straffällig wird, ist seine Prominenz irgendwann eine nicht mehr gepflegte Internetseite, deren letzter Termin unter „Aktuelles“ fünf Jahre zurückliegt. So wie all die anderen, die in der Karrieredämmerung von irgendeinem Privatfernsehen-Zulieferer im VW-Bus zu korrupten Busenmachern gefahren werden, die für ihre Klinik etwas Promo brauchen.

Was wirklich ankotzt, ist die Verlogenheit, mit der Tageszeitungen wie die Süddeutsche plötzlich die BILD als Quelle benutzen, um Joey Heindle vorzuführen. Die schlimme Kindheit ist der Vorwand für das Rührstück, da kann man auch mal ein Blatt zitieren, das erst mit dem Wulff-Anruf auf Kai Diekmanns Anrufbeantworter auf dem Schirm der Süddeutschen Zeitung auftauchte.

Was das mit der #aufschrei-Debatte zu tun hat?

Hier muss ich die Perspektive in die erste Person wechseln. Ich beobachte die #aufschrei-Diskussion von Anfang an und bringe denen, die durch diese Aktion ermutigt wurden, zum ersten Mal zu sprechen, viel Sympathie entgegen. Es gab, das bringt die Schwarmartigkeit der Debatte mit sich, an den Rändern Unschärfen und in der Mitte Polarisierungen. Mich hat überrascht, wie viele Menschen, die ich für besonnen und progressiv hielt, ein muffiges und feindseliges Geschlechterbild in sich tragen.

Aber noch mehr hat mich überrascht, wie eng die Horizonte der Mediennutzung sind. Zur gleichen Zeit, in der über sexuelle Übergriffe diskutiert wurde, waren es oft genug dieselben Diskutanten, die mit gleicher Inbrunst das Dschungelcamp sahen. Die Sendung, in der jede aus dem Bikini gerutschte Brustwarze schwiemelig gefeiert wird. Der von hinten gefilmte Hoden so oft wiederholt wird, bis das Bild kaum noch von der Netzhaut zu löschen ist.

Das Dschungelcamp wird nicht mehr als Resterampe der Prominenz gegeißelt, sondern durch die Bank gelobt. Wie pointiert die Häme der Moderatoren vom intelligenten Gagschreiberteam formuliert wurden. Wie gut sich der Dirk Bach-Ersatz gemacht hat. Und auf n-tv.de lässt Thomas E. Schmitt unter dem Titel „Tschüss, du draller junger Hintern!“ seinen schmierigen Testosteron-Füller in einem einzigen Text so schöne Sachen schreiben wie:

…das dralle It-Girl all ihre körperlichen Vorzüge… …die nippelfixierte „Unter uns“-Trulla Claudelle Deckert… …und was wird nun aus der heißen Dose?… …wie sie sich einen Kamel-Penis in den Rachen steckt und in einen Schafshoden beißt… … ging ihm der doppelzüngige Katzenberger-Brutkasten am meisten auf den Senkel. Schlaff wie eine riesige Tüte Halb-und-Halb saß die Klein seit Tagen nur auf ihrem speckigen Mutti-Hintern herum… …und wieso wackelt die alte Hängebrücke unter Iris Cellulite-Stampfern beim Auszug genauso stark wie beim Einzug? So leicht lässt sich die gute alte Physik dann eben doch nicht vernatzen…

Und zum Schluss gehen ihm vollends die Pferde durch:

„Olivia Jones denkt dagegen ständig an Schmuddelkram. Sie will dem Sixpack-Sänger unheimlich gerne mal das Genital streicheln, die Fahne hochhängen, die Stange jucken, die Nudel putzen, das Gemächt schaukeln, das Stahlrohr wienern, die Gurke schälen, den Hammer rubbeln und alles, was sich sonst noch gut macht in der Suche bei Google. Sie selbst sagt „Klötenmassage“ dazu.“

Wer diesen Dreck konsumiert, goutiert und nicht vernichtend kommentiert, verliert jede Berechtigung, sich über sexuelle Belästigung, Verächtlichmachung und tatsächliche Opfer von Übergriffen zu unterhalten.

Mein persönlicher #aufschrei gilt den Opfern. Menschen, denen Gewalt angetan wird. Durch Medien, die über mehr Präsenz und mehr Macht verfügen, als es 140 Zeichen haben. Einem Joey Heindle, dessen 19jährige Unbedarftheit eine geile Ware für ein schnell drehendes Medienspektakel ist, gehört mein Mitgefühl.

Wenn heute abend um 21.45 Uhr bei Günter Jauch Thomas Osterkorn, Silvana Koch-Mehrin, Wibke Bruhns, Hellmuth Karasek, Alice Schwarzer und Anne Wizorek über den #aufschrei diskutieren, ist das Dschungelcamp vorbei. Die Sendung wird die beste Einschaltquote haben, die Günter Jauch je hatte. Es wird laut werden und die Sendung wird eine gute Quote haben. Die Opfer von Übergriffen werden nicht vorkommen, Opfer sind leise. Aber die Quote wird gut sein. Die Quote ist immer die Hauptsache.